Von ungeschliffen bis poliert

Heute habe ich einen alten Hochzeitsmarsch aus der norwegischen Provinz Nordland im Gepäck. Diese hübsche Komposition ist auch in Norwegen nicht sonderlich bekannt. Sie wird aber insbesondere in ihrer Ursprungsregion auch heute noch gelegentlich bei Trauungszeremonien gespielt. Und ich freue mich, dass ich davon gleich drei gelungene und sehr unterschiedliche Versionen anbieten kann.

Die erste Aufnahme zeigt das Stück in sehr ursprünglicher Gestalt, von einem Geiger solistisch gespielt. Vegar Vårdal hat das Stück von seinem Vater gelernt. Und zwar nicht nur in seiner ursprünglichen Form, sondern eben auch als Bestandteil eines Repertoires für die musikalische Untermalung kirchlicher Trauungszeremonien. Während er dem Stück üblicherweise durchaus seine eigene Prägung verleiht, hat er bei dieser Aufnahme bewusst versucht, es möglichst „ungeschliffen“ so zu spielen, wie er es ursprünglich kennengelernt hat.

Bei den zwei weiteren Aufnahmen wird dieser Marsch zum Konzertstück. Die eine Variante behält den Streicherklang bei und bleibt auch sonst recht nahe an der ursprünglichen Version. Bei der anderen Variante lotet ein Pianist das musikalische Potential des Stücks wesentlich umfassender aus.


Bruremarsj fra Beiarn
Trad. Nordland

Vegar Vårdal • Violine

Atle Sponberg • Violine
Martin Stegner • Viola
Øyvind Gimse • Cello

Jan Gunnar Hoff • Klavier

Titelbild © Random Randomsen

6 Gedanken zu “Von ungeschliffen bis poliert

  1. Stefan Kraus sagt:

    Ich gestehe, dass für mich die Steigerung des Gefallens deiner Reihenfolge der Präsentation folgt. Es wird daran liegen, dass die Komplexität der Harmonik ein gleiches tut, wobei sich dein Titel m.E. ebenso darauf bezieht, denn als ungeschliffen empfinde ich das Original in Anbetracht der ausführlichen Ornamentik nicht.

    Als Hochzeitsmarsch ist mir die Bescheidenheit dieses Stückes sympathischer als die deutschen Klassiker von Mendelssohn und Wagner. Mich würde interessieren, ob mit diesem Stück geschlossene Ehen länger halten. Ich könnte es mir vorstellen 😁.

    Dir einen schönen Sonntag und liebe Grüße!

    Gefällt 3 Personen

    1. Random Randomsen sagt:

      Lieben Dank für deine harmonische Resonanz. 🙂
      Ja, der Titel geht von dem aus, was Vegar Vårdal als „ungeschliffen“ bezeichnet hat – also möglichst so, wie er es ursprünglich gelernt hat. Wobei auch das nur eine von vielen Formen ist, die das Stück in den verschiedenen Überlieferungslinien angenommen hat. Die eigentliche „Rohfassung“ des Stücks werden wir nie kennen.

      Nach einem Zusammenhang zwischen der bei einer Hochzeit gespielten Musik und der „Haltbarkeit“ der geschloßenen Ehe wurde meines Wissens nie ernsthaft geforscht. Es könnten da schon Zusammenhänge zutage treten. Allerdings wohl eher nicht in dem Sinn, dass bestimmte Musikstücke als „Konservierungsmittel“ für die Ehe wirken könnten. 😉

      Mit einem harmonischen Gruß zum zauberhaften Sonntag 🐻

      Gefällt 3 Personen

  2. PPawlo sagt:

    Mir gefallen sie alle drei. Eins scheint sicher: hier geht’s um etwas ganz Ernstes, Zärtlich-Liebevolles, sogar als Marsch. Es würde mich da interessieren, ob in anderer Hochzeitmusik ganz andere Stimmungen zum Ausdruck kommen. Und ob, so wie man das Weihnachtsfest verschieden feiert (z.B. ausgelassen oder ruhig-feierlich), das in einzelnen Ländern verschieden ist. Liebe Grüße zum Sonntagabend, Petra

    Gefällt 2 Personen

    1. Random Randomsen sagt:

      Lieben Dank für deine interessierte Resonanz. 🙂
      Dieser Hochzeitsmarsch aus Beiarn hat auch eine etwas melancholische Note. Wobei Vegar Vårdal das auf Wunsch auch manchmal etwas fröhlicher rüberbringt. Das würdevoll-gemessene Schreiten ist den nordischen Hochzeitsmärschen eigentlich generell eigen. Wobei längst nicht alle so sanft und verträumt klingen, wie dieser hier. Bei den späteren Festlichkeiten kann es dann aber sehr ausgelassen werden. Da kommt dann eine ganze Bandbreite traditioneller Tänze zum Zug, wobei man bisweilen schon auch eigens komponierte Brautwalzer hört.
      Ich könnte mir schon vorstellen, dass es Gegenden gibt, in denen man das Hochzeitsfest eher besinnlich-feierlich gestaltet. Genau so, wie man ja auch nicht überall findet, dass ein Brautkleid weiß zu sein habe.
      Mit herzlichen Sonntagabendgrüßen 🐻

      Gefällt 1 Person

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