Jetzt

Fotografieren sei, so las ich vor vielen Jahren, eine Möglichkeit, in einer Welt hektischer Betriebsamkeit einen Moment innezuhalten. Das „Klick“ des Fotoapparats würde dabei sozusagen der konstanten Strömung ein „Jetzt“ entgegenhalten. Und es ist ja tatsächlich so, dass in einer Fotografie in gewisser Weise die Zeit stille steht.

Fotografie kann, wie ich finde, auch durchaus den Sinn für Aufmerksamkeit und Achtsamkeit schärfen. Allerdings hängt das, wie so oft, von den Fotografierenden ab – und so kann freilich auch das Gegenteil vorkommen. Vor lauter Unaufmerksamkeit abstürzende „Selfisten“ sind da nicht das einzige Beispiel.

Bild Nr. 2 aus Myriades Mai-Juni-Impulswerkstatt

© Myriade

…strahlt für mich allerdings schon ein feines „Jetzt-Gefühl“ aus. Und vor diesem Hintergrund habe ich die Musik dazu ausgewählt.

Wayne Shorter habe ich auch schon im Konzert erlebt. Und er hat mich sehr beeindruckt durch seine Präsenz – sowohl als Persönlichkeit, als auch im musikalischen Kontext (wobei sich das bei ihm eh nicht trennen lässt). Er degradiert das Saxophon nicht zur „Bandnudelmaschine,“ sondern jeder Ton hat sozusagen seine eigene „Jetzt-Qualität.“ Dazu passt auch der Titel „Footprints.“ Denn auch achtsames Gehen kann man sich so vorstellen, dass jeder Schritt ein ganz bewusstes „Jetzt“ ist.


Footprints
Wayne Shorter

Wayne Shorter • Saxophon
Esperanza Spalding  Bass

Footprints
Wayne Shorter

Wayne Shorter • Saxophon
Herbie Hancock  Tasteninstrumente
Stanley Clarke • Bass
Omar Hakim  Schlagzeug

Titelbild © Random Randomsen

16 Gedanken zu “Jetzt

    1. Random Randomsen sagt:

      Lieben Dank für dein positives Echo. 🙂
      Meine Theorie ist ja die, dass Esperanza Spalding mit Wayne Shorter zu flirten versucht, während jener unbeirrbar mit dem Saxophon flirtet. Wie sie oft dürfte der Graben zwischen Theorie und Praxis nicht ganz unbeträchtlich sein. 😉
      Mit einem klangvollen Nachmittagsgruß 🐻

      Gefällt 2 Personen

        1. Random Randomsen sagt:

          Ein Stück weit kommt genau genommen wohl ihre Freude darüber zum Ausdruck, mit dem Meister musizieren zu dürfen. Aber ein Quentchen Flirt könnte schon auch mit im Spiel sein – würde ich ihr absolut zutrauen. 😉
          Mit einem harmonischen Nachmittagsgruß 🐻

          Gefällt 1 Person

  1. Olpo Olponator sagt:

    Oups … es ist natürlich keine Frage, daß das Aufgebot in Montreux aus (vier !) bewährten Haudegen der Jazz-Szene besteht und vllt schon deswegen voller klingt – doch irre ich mich deiner geübten Ohren nach sehr stark, wenn ich behaupte, die gute Esperanza greift da nicht nur nicht in die Vollen (und nichtmal dann, wenn der Meister ihr schon den Part zuweist), sondern schwimmt mehrfach über etliche Takt-Distanzen recht unstebig im möglichen Vokabular der spontanen Antwort auf die vorgegebenen Phrasen des Meisters (die zugegebenermaßen oft recht lang sind…) ein wenig unglücklich und einfallslos einher ? Ich mein’s ja nicht böse – nur wirkt sie häufig irgendwie … überrascht … 😉

    Gefällt 1 Person

    1. Random Randomsen sagt:

      Lieben Dank für deine aufmerksame Resonanz. 🙂
      Ja, es sind natürlich ganz unterschiedliche Welten in diesen beiden Videos. Von mir insofern ganz bewusst so ausgewählt, um zu zeigen, dass „Footprints“ eben nicht immer gleich oder zumindest ähnlich klingen muss.
      Das Quartett im zweiten Video hat freilich musikalisch gesehen schon so viele goldene Eier gelegt, dass es kaum zu fassen ist. Die zelebrieren ihren Spielwitz geradezu – und das mit schlafwandlerischer Sicherheit.
      Die Aufnahme mit Esperanza Spalding hat meines Erachtens ihren eigenen Charme. Dass sie manchmal etwas überrascht wirkt und gewisse Möglichkeiten brach liegen lässt, würde ich allerdings nicht bestreiten. 🙂
      Mit einem klangvollen Nachmittagsgruß 🐻

      Gefällt 1 Person

  2. Myriade sagt:

    Ja, ja, den Zusammenhang zwischen dem Hier und Jetzt und der Fotografie sehe ich ganz deutlich. Schließlich betreibe ich öfter Miksang (kontemplative Photographie) , eine sehr schöne, intensive Sache, die mit selfiemania gar nichts zu tun hat. „Achtsames Gehen“ gehört tatsächlich zur Meditation dazu. Beim Meditieren konzentriert man sich auf die Atmung, beim Gehen auf die Berührung des Fusses mit dem Boden.
    Es sind nur Videos und meine Musikkompetenz hält sich in engen Grenzen, aber die Präsenz von Wayne Shorter kann man eigentlich gar nicht übersehen. Jazz ist für mich ohnehin immer eine Freude Tja, meine Nichte spielt auch Saxophon, aber bei aller Liebe, das klingt doch etwas anders 🙂 🙂
    Irre ich mich, oder habe ich diese netten footprints bei dir schon einmal gesehen? Dass sie blau sind, finde ich besonders hübsch daran.
    Vielen Dank für den jazzigen Beitrag, den du der noch etwas vernachlässigten Fotografin aus der Impulswerkstatt gewidmet hast

    Gefällt 2 Personen

    1. Random Randomsen sagt:

      Lieben Dank für deine bestätigende Resonanz. 🙂
      An Miksang hatte ich noch nicht einmal gedacht. Aber das ist auf jeden Fall auch eine Möglichkeit, die „Jetzt-Qualitäten“ des Fotografierens auszuloten.
      Ja, es klingt auch bei routinierten Saxophonisten „etwas anders.“ Wynton Marsalis, eigentlich auch schon eine lebende Legende, hat im Zusammenhang mit Wayne Shorters musikalischem Wirken von „six decades of unequalled excellence“ gesprochen.
      In der Tat waren die titelbildlichen Footprints bereits früher zu sehen. Allerdings passen sie halt einfach sowohl zum Beitragstitel, als auch zum Titel des Musikstücks. 🙂
      Mit einem harmonischen Nachmittagsgruß 🐻

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