Abgebrannt…

Diesmal gibt es – mein Titelbild deutet es an – einen nahtlosen Übergang von einem Impulsfoto zum anderen. Denn das Verhalten mancher Menschen im finanziellen Bereich ist durchaus ein Spiel mit dem Feuer. Manch einer verbrennt sich dabei die Finger und ist am Ende abgebrannt. Und auch die Umwelt wird bei so mancherlei Geschäftigkeiten verheizt.

Zu beidem passt Bild Nr. 3 aus Myriades März-April-Impulswerkstatt. Denn es kann durchaus für eine verheizte, ehemals blühende Umwelt stehen – aber auch symbolisch für ein „trockengelegtes“ Finanz-Imperium.

© Myriade

Dazu habe ich ein Lied ausgewählt, das in der Original-Version 1983 erschienen ist. In der heutigen Zeit würde man so etwas wohl fast schon als „Alte Musik“ bezeichnen. Ich nenne es einen Wiener-Klassiker des Austropop. 😀

Als schönen Nebeneffekt bietet dieses Lied auch noch die Gelegenheit zu einigen sprachlichen Betrachtungen. Es ist recht eigentlich eine sprachliche Goldgrube.


Ich bin ein Negerant, Madame
Rainhard Fendrich


Bereits beim Titel wird es interessant. Denn der „Negerant“ ist selbst in gut sortierten deutschsprachigen Wortschätzen eher nicht vorrätig. Ein Negerant ist jemand, der „neger“ ist, also kein Geld (mehr) hat, oder poetisch ausgedrückt jemand, bei dem der Pleitegeier als Haustier eingezogen ist. Die Wendung „neger sein“ ist nun freilich sprachlich ein echtes Schmankerl. Nicht zuletzt, weil man über seine Herkunft ganz wundervoll spekulieren kann, was ja dann wieder ganz harmonisch zu Fendrichs Lied passt. Heutzutage könnte sich der Verdacht regen, dass dieses Wort politisch wohl nicht ganz stubenrein sei. Das muss aber ursprünglich durchaus nicht so gewesen sein. Der Ausdruck wird sogar damit in Verbindung gebracht, dass eben die Mittel zur Neige gegangen sind. Ich bin da eher skeptisch. Aber hier darf man ja spekulieren. Negerant und Spekulant gehen häufig Hand in Hand. 😉 Häufiger wird auf die eine oder andere Weise ein Zusammenhang mit dem lateinischen „niger“ (schwarz) gesehen. Etwa in dem Sinn, dass im Geldbeutel keine Münzen mehr glänzen, und man ganz buchstäblich schwarz sieht.

Auch „stier“ sein ist ein Synonym für pekuniäre Mittellosigkeit. Ich finde den Ausdruck (in dieser Schreibweise) besonders witzig, weil das Tierkreiszeichen Stier (zumindest trivialastrologisch) häufig mit materiellen Wohlstand in Verbindung gebracht wird. Etymologisch dürfte der Ausdruck allerdings nichts mit dem Stier zu tun haben, sondern mit „starr“ verwandt sein. Vielleicht in dem Sinne, dass man eben nicht mehr flüssig ist, über keine liquiden Mittel mehr verfügt. 

Der Ausdruck „am Sand“ sein beschreibt hier eine desperate Situation. Nichts geht mehr. Die Lage ist hoffnungslos. Das muss allerdings nicht unbedingt (nur) auf finanzielle Dinge bezogen sein. Der Ausdruck könnte sich ursprünglich darauf beziehen, dass beispielsweise ein im Sand festgefahrener Karren sich weder vor noch zurück bewegen lässt (oder auch ein Wasserfahrzeug, das auf eine Sandbank aufgelaufen ist). 

Der „Brüller“ ist auch ganz schön. Man findet dieses Wort auch im Duden – und es gibt dazu sogar vier verschiedene Begriffsdeutungen. Aber keine davon trifft hier zu. Der „Brüller“ hat hier nichts mit „brüllen“ zu tun, sondern mit „brillieren“ – es ist ein Brillantring.

Und das „Pfanderl“ ist dann eben das Pfandleihhaus. 

Ganz nebenbei erwähnt ist der Text auch zeitgeschichtlich interessant. Es gibt in der Originalversion von 1983 die Textzeile „…das Mobiliar g’hört der CA.“ Dieses CA steht als Kürzel für Creditanstalt, ein traditionsreiches Bankhaus, das aber im Zuge der Bankenfusionitis verschwunden ist. 

Die im Zusammenhang mit den beiden Jachten stehende Zeile „…sie könnten auch versinken bei einer kleinen Linken irgendwo“ ist ganz spannend. Vielleicht eine diskrete Anspielung auf den Fall Lucona?

Zum Abschluss möchte ich noch anregen, das Ohrenmerk auf die wundervoll wortspielerische Zeile „Net amoi ohne mein‘ Ferrari war i pari“ zu richten. Also: nicht einmal, wenn ich meinen teuren Sportwagen veräußern täte, wären meine Finanzen ausgeglichen (pari – mit der lateinischen Wurzel „par = gleich“). 


Titelbild © Random Randomsen

11 Gedanken zu “Abgebrannt…

    1. Random Randomsen sagt:

      Ja, mit dem „Wortschatz“ verfügt die deutsche Sprache über ein sehr treffendes Wort. Man begegnet einem vergleichbaren Ausdruck im Niederländischen – aber weder im Englischen, noch in den skandinavischen oder den romanischen Sprachen. Seltenheitswert hat der „Wortschatz“ also auch noch. Kostbar. 🙂

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  1. Myriade sagt:

    Hut ab, lieber Random, deine Kenntnisse des österreichischen bzw Wienerischen im Sprachlichen wie Politischen sind schon allerhand! Lucona, CA … aber auch Brüller und Pfanderl. Derzeit gibt es bei uns allerdings derart viele Skandale und Korruptionsaffären, dass es zunehmend schwieriger wird, den Überblick zu bewahren.
    Den Ausdruck „neger sein“ habe ich schon sehr lange nicht mehr gehört. Ganz bestimmt wird er als politisch ganz unmöglich eingestuft, wie auch immer er etymologisch zu bewerten wäre. Es gehört ja aktuell zu den total negativen Entwicklungen, dass so vieles immer einseitiger, unflexibler und betonschädeliger wird.
    „Alte Musik“, hihi, ob das den Fendrich freuen würde 🙂 Hin und wieder höre ich seine verschliffene Sprache immer noch ganz gerne.
    Danke für die interessanten Schleifen rund ums Abgebranntsein ! Was ein Zustand ist, der den Herrn Fendrich höchstwahrscheinlich trotz allem nie ereilt hat.

    Gefällt 3 Personen

    1. Random Randomsen sagt:

      Lieben Dank für deine positive Resonanz. 🙂
      Für mich war es ganz erstaunlich, wie ergiebig dieser „Negerant“ letztlich war.
      Bei den Skandalen und Korruptionsaffären der heutigen Zeit den Überblick behalten zu wollen, wäre wahrscheinlich etwa so, als würde man die Sandkörner in der Sahara zählen wollen. 😉
      Was den Ausdruck „neger sein“ betrifft, entspricht mein Eindruck genau dem, was du beschreibst. Der steht sozusagen auf der „schwarzen Liste“ – wobei das wohl bald auch ein als nicht stubenrein aufgefasster Ausdruck sein wird.
      Rainhard Fendrich hat den „Negerant“ (2015, glaube ich) in einer neuen Version aufgenommen. Vielleicht ist ihm die Ur-Version selber wie „alte Musik“ vorgekommen. 😀
      Auf die eine oder andere Weise „verplant“ hat er sich schon – aber abgebrannt ist er meines Wissens tatsächlich nie. 🙂
      Mit einem herzlichen Abendgruß 🐻

      Gefällt 2 Personen

        1. Random Randomsen sagt:

          So kann er es letztlich als Variante eines seiner eigenen Texte betrachten – in diesem Fall zu lesen als:
          …auch wenn die Drogenfahndung stöbert,
          es gibt nix, was den Blutdruck hebat… 😉

          Aber vielleicht hat die ganze Geschichte ja zumindest als Gedanken-Wecker funktioniert. 🙂

          Gefällt 2 Personen

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