Alte Musik

Das unbewohnte Gewand in Bild Nr. 1 aus Myriades März-April-Impulswerkstatt lässt mich an geistliche Gesänge und Klosterbibliotheken denken. Und damit passt es für mich zu einer Musik die vor ungefähr 660 Jahren entstanden ist. Bei der Messe de Nostre Dame von Guillaume de Machaut handelt es sich um eine Vertonung des Ordinarium Missae, also jener Texte, die bei jeder Messfeier unverändert bleiben. Es handelt sich dabei nicht nur um eine der ältesten polyphonen Vertonungen des Ordinariums, sondern es ist auch die erste Messvertonung, die vierstimmig gesetzt ist (Triplum, Motetus, Tenor und Contratenor). Das dürfte für die Menschen damals ein ungewohntes Hörerlebnis gewesen sein. Und das ist es gewiss auch für das heutige Lauschpublikum. Wenn auch aus anderen Gründen.

Ich habe hier als Kostprobe das Kyrie in zwei sehr unterschiedlichen Interpretationen ausgewählt.

© Myriade

Kyrie
Messe de Nostre Dame
Guillaume de Machaut

Taverner Consort • Andrew Parrott (Leitung)

Ensemble Organum • Marcel Pérès (Leitung)


Titelbild © Random Randomsen

5 Gedanken zu “Alte Musik

  1. Stefan Kraus sagt:

    Lange habe ich solch frühe Musik nicht mehr gehört. In den 1990er-Jahren habe ich in Anlehnung an diese Musik eine Messe für meinen damaligen Chor geschrieben und aufgeführt. Die heute herb wirkende Vorherrschaft von Quinten und Quarten in der Harmonik, das Fehlen der gewohnten Dur-Moll-Tonalitat (die es im 14. Jahrhundert ja noch nicht gab) muss für meine Chorsänger genauso ungewohnt gewesen sein wie für deine Zuhörer heute.

    Der Anfang der zweiten Interpretation wirkt fast wie ein zeitgenössisches Werk, wobei mir die erste Fassung besser gefällt. Wenn man bedenkt, dass es damals noch keine so exakte Notation wie heute gab, ist die rhythmische Ausführung in beiden Fassungen doch recht übereinstimmend.

    Vielen Dank für’s Präsentieren und dir einen schönen Sonntag! 🙂🎶

    Gefällt 3 Personen

    1. Random Randomsen sagt:

      Lieben Dank für deine vielsaitige und kenntnisreiche Resonanz. 🙂
      Ja, ob Sänger oder Lauschpublikum – wer mit dieser Art von Musik nicht bereits sehr vertraut ist, wird ungewohnte Erfahrungen machen. Die erste Aufnahme ist genau jene, durch die ich das Werk in den 90ern kennen lernte. Als „Zweitmeinung“ habe ich bewusst eine Aufnahme ausgewählt, die für mich nun auch wieder ungewohnt wirkt. Der „zeitgenössische Klang“ wird wohl darin begründet sein, wie man die zur Aufführungspraxis des 14. Jahrhunderts vorhandenen Dokumente interpretiert. Wobei man ja nie sicher sein kann, ob man das heute so versteht, wie es damals gemeint war. Ich begrüsse zwar die Bemühungen um möglichst originalgetreue Aufführung. Nach meiner Auffassung ist Musik aber nicht das, was klingt, sondern das, was gehört wird. D.h. eine völlige Authentizität scheitert schon am naturgemäßen Fehlen eines „originalgetreuen“ Publikums. 😉

      Mit herzlichen Grüßen zum zauberhaften Sonntag 🐻

      Gefällt 3 Personen

  2. Myriade sagt:

    Leider sind meine Kenntnisse über Alte Musik nicht bescheiden sondern inexistent und ich kann somit nichts Ergänzendes dazu sagen. Dass aber das Kyrie, das Kartäuserhabit und dein spirituelles Himmelsfoto sich nahtlos zusammenfügen, sehe ich schon. Ein runder, im Detail gepflegter Beitrag. Herzlichen Dank dafür und einen ebenso abgerundeten Sonntag wünsche ich dir

    Gefällt 4 Personen

    1. Random Randomsen sagt:

      Lieben Dank für deine harmonische Resonanz. 🙂
      Genau darum geht es mir ja primär auch: dass, ausgehend vom Impulsfoto, ein erweitertes, in sich stimmiges Ganzes entsteht. Plus in diesem Fall der Reiz der „unerhörten,“ weil besonders alten Musik. 🙂
      Mit einem herzlichen Gruß zum zauberhaften Sonntag 🐻

      Gefällt 3 Personen

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