Obertonreich

Heute steht bei mir ein sehr bekanntes Werk in einer irgendwie exotischen Version auf dem Programm. Dabei sind die daran beteiligten Instrumente eigentlich überhaupt keine Exoten, sondern ganz einfach etwas aus der Mode geratene Vorläufer auch heute noch bei uns gebräuchlicher Instrumente. Aber die Kombination der beiden Instrumente ist wirklich nicht alltäglich und klingt bei dem von mir ausgewählten Werk sogar sehr ungewöhnlich. Und das, obwohl eines der Instrumente sogar zur Originalbesetzung gehört.

Dem Urheber des Werks würden aber möglicherweise auch unsere heutigen Klangversionen seltsam anmuten – oder zumindest zunächst etwas gewöhnungsbedürftig. Denn wenn wir „Sonate für Violine und Klavier“ lesen, denken wir fast automatisch an die Instrumente, die heute vorwiegend im Gebrauch sind. Aber die Instrumente zur Zeit des Komponisten klangen ja doch etwas anders. Dies ist im dritten Video zu hören.

Der Klang der Instrumente würde Wolfgang Amadeus Mozart bei der dritten Aufnahme also zweifellos vertraut vorkommen. Aber würde dies auch für die Interpretation gelten? Wir können es kaum ahnen, geschweige denn wissen. In diesem Zusammenhang zitiere ich einmal mehr einen der großen Pioniere der historisch informierten Aufführungspraxis mit authentischem Instrumentarium:
«Selbst wenn wir uns noch so bemühen, die Noten, die Bach oder Mozart geschrieben haben, auszulegen, wie sie damals verstanden wurden, ist das unmöglich. Das kann man gar nicht. Die Komponisten würden sich schieflachen.»
Nikolaus Harnoncourt


Sonate in A-Dur, K. 305
Wolfgang Amadeus Mozart

I • Allegro di molto

Aline Zylberajch • Fortepiano
Margit Übellacker • Psalterium

II • Thema. Andante grazioso — Variationen I–V — Variation VI. Allegro

Aline Zylberajch • Fortepiano
Margit Übellacker • Psalterium

Sonate in A-Dur, K. 305
Wolfgang Amadeus Mozart

I • Allegro di molto

Maria Bader-Kubizek • Violine
Richard Fuller • Hammerflügel

Titelbild © Random Randomsen

2 Gedanken zu “Obertonreich

  1. PPawlo sagt:

    Ein wunderbares Mozartstück hast du da ausgesucht. Das hab ich auch schon öfters gehört. Aber Ich bin zuerst ganz schön durcheinander gekommen mit Andante und Allegro. Mich spricht die Violine in der 3.- Version besonders an. Es ist für mich , als ob sie in höchsten Tönen ihre Lebensfreude heraussingen will. Eine ganz besondere Blume hast du da ja ausgesucht! Auch sie will hoch hinaus und ist zweigeteilt in Hell und Dunkler. Dir einen schönen ersten Advent! Liebe Grüße, Petra

    Gefällt 2 Personen

    1. Random Randomsen sagt:

      Lieben Dank für deine erfreute Resonanz. 🙂
      Ja, in der Originalversion für Violine und Klavier ist diese Sonate häufig zu hören. Dass jemand auf die Idee kommen würde, die Violine durch ein Psalterium zu ersetzen, hätte ich nicht erwartet. Die Klangwirkung finde ich spannend – aber dieses Jubilieren im ersten Satz kommt mit der Violine freilich besser zur Geltung.
      Wo das Andante bei der Einblendung im 1. Video herkommt, ist mir auch ein Rätsel. 😉
      Die schöne Blume schien mir überhaupt passend für die Musik. Und dass sich die Blüte von unten nach oben entfaltet passt ja auch zu den obertonreichen Klängen.
      Mit einem herzlichen Gruß zum ersten Adventssonntag 🐻

      Gefällt 2 Personen

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