Teddybärenlebensweisheitsweise

Bild Nr. 3 aus Myriades September-und-Oktober-Impulswerkstatt

© Myriade

… regt mich zur Vorstellung an, dass man hier in einem Kreisebüro eine Fahrt buchen kann, nach dem Motto: ich reise im Kreise.

Das klingt, zugegeben, verdächtig nach Alltag. Kann so etwas als Touristenattraktion funktionieren? Doch, doch – es kann. Denn bekanntlich ist ja des Menschen Psyche also gestrickt, dass man auch dann, wenn man sich etwas Besonderes gönnt, seinen Gewohnheiten möglichst treu bleiben möchte.

Dabei geschieht bei diesen Kreisereiseaktivitäten eines Tages etwas Bemerkenswertes. Ohne dass man jemals herausgefunden hätte, wie und warum dies geschehen konnte, findet sich ein aussteigender Fahrgast plötzlich an einem anderen Ort und in einer anderen Zeit wieder. Zunächst fällt ihm das nicht einmal sonderlich auf. Ihm deucht zwar, dass die Menschen irgendwie seltsam ausschauen und eigenartig reden. Das tun sie allerdings, wie er findet, eigentlich fast immer, so dass ihn das nicht weiter beunruhigt. Es herrscht auch um ihn herum ein Jubel und ein Trubel, wie er es an selbiger Stätte gewohnt ist. Schließlich wird er, was ihm bekannt vorkommt, eines Karussells ansichtig. Es ist allerdings, was ihn nun wieder etwas beunruhigt, nicht ein Karussell, das ihm bekannt vorkommt. Es scheint neu zu sein, sieht aber irgendwie alt aus – gerade so, wie man es von der Kleidermode kennt. Er geht näher. Da erregt eine Bude seine Aufmerksamkeit, bei der es einen Teddybären zu gewinnen gibt. Und wie er diesen Bären näher betrachtet, hört er plötzlich Musik…


Teddybjørnens vise
Alf Prøysen

Alf Prøysen • Gesang

Nun werden die Dinge etwas klarer. Unser Fahrgast hat offensichtlich einen 70-Jahre-Rückwärtssalto vollführt und ist in einem norwegischen Tivoli gelandet. Teddybjørnens vise ist eines der auch heute noch beliebten Kinderlieder von Alf Prøysen. Ganz ohne zeigefingerwedelnde Moralapostelei bringt er hier eine ganze Menge an Lebensweisheit unter.

Im Liedtext begegnen wir einem alten Teddybären, der immer lacht, wenn er brummen soll. Und er erzählt, wie er auf verwunderliche Weise zu Marian, die ihn das Lachen gelehrt hat, gekommen ist. Im Ausgangspunkt ist der Teddybär der Hauptgewinn in einem Tivoli. Des Bären größtes Verlangen ist es, Karussell zu fahren. Also möchte er von jemandem gewonnen werden, der auch über das dazu nötige Kleingeld verfügt. Auch Marian kauft eine Menge Lose, und der Teddy würde liebend gern mit ihr Karussell fahren. Als er aber erfährt, dass ihr ganzes Geld für die Lose draufgegangen ist, möchte er lieber von jemand Reicherem gewonnen werden. Dieser Wunsch geht in Erfüllung. Das Resultat ist allerdings nicht die gewünschte Karussellfahrt. Er wird in Packpapier gewickelt und liegt danach längere Zeit in einem Kellerregal. Nun wäre es ihm lieber, es hätte ihn jemand gewonnen, der ihm liebevoll zugetan ist. Gewonnen allerdings hat ihn niemand anderes als der Opa von Marian, die den Teddy letztlich als Geburtstagsgeschenk bekommt. Endlich geht es rund in seinem Leben. Manchmal fast mehr, als ihm lieb ist – aber dieser Preis ist ihm die liebevolle Zuwendung Marians allemal wert.


Ob unser Fahrgast wieder an seinen Ort und in seine Zeit zurückgefunden hat? Ich weiß es nicht. Ich kann nicht einmal mit Bestimmtheit sagen, ob es ihn je gegeben hat. Nur eines weiß ich ganz gewiss. An die Musik erinnert er sich immer noch. Heute klingt sie so…

Teddybjørnens vise
Alf Prøysen

Ingrid Olava • Gesang, Klavier

Und als Zugabe hier noch die erste Version, die ich kennengelernt habe – mit Bjørn (!) Eidsvåg.

Teddybjørnens vise
Alf Prøysen

Bjørn Eidsvåg • Gesang
Børge Petersen • Øverleir Gitarre
Håkon Iversen • Bass
Anders Engen • Schlagzeug

Das heutige Titelbild stammt aus dem frei verfügbaren Fundus von Pexels – ein Fundstück, das für mein Empfinden hier einfach perfekt passt. 🙂

9 Gedanken zu “Teddybärenlebensweisheitsweise

  1. kopfundgestalt sagt:

    Solche Versionsvergleiche sind immer ein Spaß.
    Ich erinnere mich auch an eine Webseite, die sich verdient gemacht hatte, die Originalversionen von Stücken herauszufinden. Oft sind ja Stücke verknüpft mit dem Namen eines bekannteren Interpreten.

    Gefällt 1 Person

    1. Random Randomsen sagt:

      Ja, manchmal gibt es eine so berühmte Version dass man gar nicht auf die Idee kommt, dass die Wurzeln anderswo liegen könnten.
      Hier ist damit auch noch eine Zeitreise verbunden. Denn die erste Aufnahme ist vor 70 Jahren entstanden und die neueste Version wurde letztes Jahr aufgenommen. 🙂

      Gefällt 1 Person

  2. Myriade sagt:

    Was für ein entzückendes Teddybjörnenepos!! Allein schon „Teddybjörn“ als Wort hat mir sehr gut gefallen. Das sind so die gelungenen Kulturmixe:das Riesenrad in düster und ein goldbraunes Bärchen. Wie lautet denn der Diminutiv für björn?
    Vielen Dank für diesen wieder einmal sehr gelungenen Beitrag!

    Gefällt 2 Personen

    1. Random Randomsen sagt:

      Lieben Dank für deine teddybjørnverzauberte Resonanz. 🙂
      Der Kontrast der Bilder könnte auch andeuten, dass die Zeitreise in der Erinnerung stattfindet. Ein alter Mensch, für den der „Rummel“ seinen Glanz verloren hat, dessen Kindheitserinnerung aber von einem goldenen Glanz überzogen sind.
      Einen Diminutiv gibt es im Norwegischen nicht. Für einen Bären kann der Ausdruck „bamse“ als Koseform gelten. Dieses Wort wird häufig für Teddybären verwendet. Man bezeichnet damit aber auch häufig Menschen, die groß und kräftig gebaut, aber von gutmütigem Charakter sind. 🐻

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  3. PPawlo sagt:

    Eine lebensweise Erzählung und ein stimmungsvolles Lied dazu in Variationen !
    Beim Anblick des knuddeligen Bären dachte ich beim Anblick des Seils hinter ihm: er will sich doch nicht das Leben nehmen? Und hab gelacht, weil solche Bären das doch nicht tun und aus trüber Stimmung bald in bester Laune sind, wenn sie einen Honigtopf erblicken! Da hab ich also an Pu, den Bären gedacht. Aber auch an Margarete Steiff , die die ersten Teddybären nach einer Idee ihres Bruders in ihrer Firma nähen ließ und deren Bioografie ich schon mehrmals im Film angeschaut habe. Auf Youtube gibt’s einen Trailer dazu: https://www.youtube.com/watch?v=al9gYXINNQI , vielleicht sogar den ganzen Film in einer Mediathek? So ein Teddybär wird wohl fast jeden in die Kindheit zurückführen. Mir ist gerade mein blauer eingefallen, den ich leider spontan einem Nachbarmädchen verschenkt hatte und ihn weinend wieder zurückhaben wollte! „Geschenkt, bleibt geschenkt, wiederholen ist gestohlen“, sagte die Mutter . Das fand ich damals grausam. 🧸

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    1. Random Randomsen sagt:

      Hab‘ ganz lieben Dank für deine „bärige“ Resonanz. 🙂
      Für mich war das Bild ein Symbol dafür, dass man auch mit einfachen Dingen zufrieden sein kann. Wenn das Drumherum passt, muss es kein Karussell und kein Riesenrad sein – da genügt auch eine einfache Schaukel. 🙂
      Für mich gehört ein Teddybär auch zu den Kindheitserinnerungen. Und es war auch einer, der mit der Zeit etwas mitgenommen aussah. 😉
      Deine Teddy-Geschichte ist in der Tat etwas zwiespältig. Auf der einen Seite ist es nicht verkehrt, auf Konsequenz zu beharren: geschenkt bleibt geschenkt. Auf der anderen Seite besteht zu so einem Teddy ja eine besondere Bindung, die ihn von gewöhnlichen „Sachen“ doch unterscheiden…

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  4. o)~mm sagt:

    Ach, wie herzallerliebst und schon habe ich einen schönen Ohrwurm für mein inneres Kind. Das freut sich und ich schaue hinüber zu meinen beiden Teddybären und hoffe, dass sie sich hier auch so wohlfühlen, wie der besungene.

    …grüßt Syntaxia mit Ges(br)umm

    Gefällt 1 Person

    1. Random Randomsen sagt:

      Einfach schön, wenn das innere Kind sich so freuen kann. 🙂 Und wenn das innere Kind so in seinem Element ist, darf man sich eigentlich sehr sicher sein, dass auch die Teddybären harmonisch mitschwingen. 😀
      Mit einem gar nicht brummbärigen Abendgruß 🐻

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