Selige Sehnsucht

Ein vertontes Gedicht von Goethe in der Interpretation von Hermann Prey. Da möchte man wohl an Schubert oder Wolf denken. Oder vielleicht an Schumann oder Brahms. Die Selige Sehnsucht aber hat einer vertont, der zwar durchaus kein Unbekannter ist, den man aber doch nicht zuvörderst mit Goethe-Liedern in Verbindung bringt.


Selige Sehnsucht
Johann Wolfgang von Goethe

Sagt es niemand, nur den Weisen,
Weil die Menge gleich verhöhnet,
Das Lebend’ge will ich preisen, 
Das nach Flammentod sich sehnet.

In der Liebesnächte Kühlung,
Die dich zeugte, wo du zeugtest,
Überfällt dich fremde Fühlung,
Wenn die stille Kerze leuchtet. 

Nicht mehr bleibest du umfangen
In der Finsternis Beschattung, 
Und dich reißet neu Verlangen 
Auf zu höherer Begattung. 

Keine Ferne macht dich schwierig,
Kommst geflogen und gebannt, 
Und zuletzt, des Lichts begierig, 
Bist du Schmetterling verbrannt.

Und so lang du das nicht hast, 
Dieses: Stirb und werde! 
Bist du nur ein trüber Gast 
Auf der dunklen Erde.


Selige Sehnsucht
Friedrich Gulda

Hermann Prey • Gesang
Friedrich Gulda • Klavier
Toni Insalaco • Perkussion

Titelbild © Random Randomsen

8 Gedanken zu “Selige Sehnsucht

    1. Random Randomsen sagt:

      Auch wenn für meinen Geschmack durchaus nicht alles glänzt, was Gulda ist – ihre Vielsaitigkeit ist bewundernswert. 🙂 Dieses Goethe-Lied kenne ich auch nur deshalb, weil es das 446. und letzte Lied einer Edition ist, in der Hermann Prey sich von der Vogelweide bis weit ins 20. Jahrhundert singt.

      Gefällt 2 Personen

        1. Random Randomsen sagt:

          Das freut mich sehr. 🙂
          Für mich hat sich auch das Prinzip der „Zufallslenkung“ immer wieder bewährt. Eben wie bei der Lied-Edition mit Hermann Prey. Nicht nur aus purer Gewohnheit Schubert oder Wolf auswählen, sondern dem erfahrenen Sänger auch in weniger bekanntes „Gelände“ folgen. 🙂

          Gefällt 2 Personen

  1. PPawlo sagt:

    Raus aufs Meer des Lebens und nicht nur am Ufer bleiben- das finde ich hier in deinem Bild und in dem Musikstück, das du uns heute ausgesucht hast. Es gibt z.B. auch das Gedicht „Bitte“ von Hilde Domin, das das weite Thema ganz anders umkreist. Was bedeutet die schlagzeugähnliche Untermalung hier für dich? Innere Unruhe? Das knistern des Feuers? Der Spott der anderen? Oder etwas ganz anderes?

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    1. Random Randomsen sagt:

      Hab´Dank für deine spannende Resonanz. 🙂 Ja, ein Aufbruch im weitesten Sinne – das war durchaus ein Hintergedanke bei meiner Bildauswahl. Das Schlagwerk ist in so einem Lied durchaus eher merk-würdig. Primär ist es für mich so etwas wie ein innerer Antrieb, der immer mal wieder anklopft und daran erinnert, über die persönliche Komfortzone hinauszuwachsen. Ein Stück weit kann es aber auch die Unruhe im Außen symbolisieren, wenn jemand gleichsam die Eierschale der Lebensgewohnheit durchbricht.

      Gefällt 2 Personen

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