Lieder aus Terezín

Zu Bild Nr. 3 aus Myriades Juli-und-August-Impulswerkstatt

© Myriade

…ist die Information zu lesen: Das Bild stammt von einer Ausstellung „Portraits von KZ-Überlebenden“. 

Mein erster Impuls dazu führt zu einem Werk des Komponisten Pavel Haas:
Čtyři písně na slova čínské poezie
(Vier Lieder nach Worten chinesischer Poesie)

Den Liedern liegen chinesische Texte zugrunde, die von Bohumil Mathesius ins Tschechische übertragen wurden. Die Lieder hat Pavel Haas im KZ Theresienstadt komponiert, wo sie auch uraufgeführt wurden. Der Komponist wurde im Oktober 1944 in Auschwitz ermordet. Aber diese vier Lieder sind erhalten geblieben. Und obwohl Haas‘ Musik zunächst in Vergessenheit geriet, gibt es von diesen Liedern eine hochkarätige Aufnahme aus dem Jahr 2007.


Zaslech jsem divoké husy
Ich vernahm Wildgänse
Pavel Haas

Christian Gerhaher • Gesang
Gerold Huber • Klavier

V bambusovém háji
Im Bambushain
Pavel Haas

Christian Gerhaher • Gesang
Gerold Huber • Klavier

Daleko měsíc je domova
Fern ist der Mond der Heimat
Pavel Haas

Christian Gerhaher • Gesang
Gerold Huber • Klavier

Probděná noc
Durchwachte Nacht
Pavel Haas

Christian Gerhaher • Gesang
Gerold Huber • Klavier

13 Gedanken zu “Lieder aus Terezín

  1. PPawlo sagt:

    Diese Musik ist tief erschütternd und deprimierend! Sie verbildlicht die Situation in den Ghettos schmerzlich: Kein Entkommen, Resignation, Machtlosigkeit, Aufgeben. Im vierten ist am Schluss trotzdem noch so etwas wie kraftvoller Protest zu hören? Myriades Bild zeigt das auch mit dem leidgeprüften Gesicht der Frau. Liebe, traurige Grüße, Petra

    Gefällt 2 Personen

    1. Random Randomsen sagt:

      Lieben Dank für dein nachdenkliches Echo. 🙂
      Leider kenne ich den Wortlaut der Liedertexte nicht. Aber ich gehe eindeutig davon aus, dass Musik und Texte von der Ausstrahlung her übereinstimmen – und die Musik spricht ja eine deutliche Sprache…
      Mit einem herzlichen Abendgruß 🐻

      Gefällt 2 Personen

  2. Karin sagt:

    Das Titelbild der CD – so zauberhaft und zugleich tieftraurig – immer wieder ist es so schwer zu fassen, was diese Zeit den Menschen angetan hat und doch haben sie komponiert, etwas Unzerstörbares hinterlassen. Ich höre mir die Lieder nach und nach an – auf einmal ist es zuviel.
    Dank zu Dir, dass Du sie aus der Versenkung geholt hast und Myriades Bild eine zusätzliche Tiefe gibst.
    Herzlicher Gruß, Karin

    Gefällt 3 Personen

    1. Random Randomsen sagt:

      Lieben Dank für dein feingestimmtes Echo. 🙂
      Ja, dieses Titelbild widerspiegelt meines Erachtens auch die Ambivalenz im Zusammenhang mit dieser Musik. Auf der einen Seite die faszinierenden musikalischen Werke – auf der anderen Seite alles, was da sonst noch mitschwingt. Es ist sicher klug, das zu dosieren. Aber es sind eben doch wertvolle Klangschöpfungen, die klingen und gehört werden wollen.
      Mit einem herzlichen Abendgruß 🐻

      Gefällt 2 Personen

  3. Myriade sagt:

    Ein wahrhaftig schwieriges Thema. Musik, Schauspiel, Kreativität in einem mörderischen, menschenverachtenden Regime. Teilweise als Tarnung für die ganze Vernichtungsmaschinerie, außerdem gab es sicherlich bei der SS Musikliebhaber. Für mich gehört es zu den verstörendsten Aspekten des „Tausendjährigen Reichs“, dass viele hochrangige Nazis abgesehen von ihrer Ideologie so „normale“ Menschen waren, dass sie Liebe zu Kunst und Musik mit der Beteiligung an einem Genozid vereinbaren konnten, irgendwie …
    Ein wirklich guter Text über Theresienstadt, in dem man auch erfährt, dass der Komponist Pavel Haas gemeinsam mit anderen Musikern 1944 doch nach Ausschwitz deportiert und ermordet wurde: https://holocaustmusic.ort.org/de/places/theresienstadt/
    Vielen Dank für diesen wirklich denkwürdigen Beitrag

    Gefällt 4 Personen

    1. Random Randomsen sagt:

      Lieben Dank für deine denk-würdige Resonanz und den Link zu den weiterführenden Informationen.
      Ja, das ist ein in verschiedener Hinsicht schwieriges Thema. Auch was die Musik anbelangt. Auf der einen Seite ist es ja ein Jammer, wenn solche Werke in der Versenkung verschwinden. Auf der anderen Seite schwingen die Schatten immer mit – man kann das nicht einfach unbefangen hören.
      Die von dir angesprochene Janusköpfigkeit ist in der Tat ausgesprochen verstörend – eben weil die zwei Gesichter in derart krassem Gegensatz zueinander stehen, dass man es nicht für menschenmöglich halten würde, dass sie in ein- und derselben Person unterzubringen sind.
      Mit einem herzlichen Abendgruß 🐻

      Gefällt 3 Personen

      1. Myriade sagt:

        Janusköpfigkeit passt sehr gut in den Zusammenhang ! Du hast vollkommen recht, dass man diese Musik als Mitteleuropäer*in nicht kühl anhören kann, dennoch können sie wahrscheinlich Angehörige anderer Kulturkreise ohne Vorbelastung hören und genießen. …

        Gefällt 2 Personen

        1. Random Randomsen sagt:

          Ja, der „Schatten“ stammt ja nicht von der Musik, sondern entsteht durch unsere Kenntnis der Hintergründe. Ich denke, es würde sehr hilfreich sein, diese Musik häufiger aufzuführen, weil man sich zunehmend auf die musikalischen Aspekte konzentrieren würde.

          Gefällt 2 Personen

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