Långt jässpôd på bârgom

Heute erklingt hier eine festliche Musik aus Schweden. Und weil im Titel ein hübsches aber recht eigentümliches Wort vorkommt, krame ich nebenbei noch ein wenig in der Sprachkiste. Denn jässpôd ist zwar ein schwedisches Wort – in den Wörterbüchern der Svenska Akademien kommt der Ausdruck jässpôd allerdings nicht vor, denn er entstammt einem in der Gegend Ångermanland gesprochenen Dialekt. In der offiziellen Schriftsprache ist von einem gästabud die Rede. Darunter kann man sich ein Gastmahl in etwas größerem Rahmen vorstellen. Also etwa eine Hochzeitsfeier mit vielen Gästen. Das gästabud ist ein Wort mit germanischen Wurzeln, das sich Deutschsprachigen leicht erschließt. Vor diesem sprachverwandtschaftlichen Hintergrund mag es ganz interessant sein, des Wortes Hinterteil bud etwas näher zu betrachten. Denn dahinter steckt das Verb bjuda, das wir als bieten in der deutschen Sprache kennen. Ausgehend von einer gemeinsamen Wurzel hat sich im Lauf der Jahrhunderte nicht nur die äußere Erscheinung verändert, sondern vor allem auch die Anwendung. Unser jässpôd setzt natürlich voraus, dass wir Gäste einladen. Im Schwedischen gibt es dazu gleich mehrere Möglichkeiten: bjuda, bjuda in, inbjuda. Richtig lustig wird es allerdings, wenn wir bjuda mit ut (aus) kombinieren. Es könnte naheliegend erscheinen, dass bjuda ut oder utbjuda einfach das Gegenteil von einladen bedeuten würde. Tut es aber nicht. Bjuda ut bedeutet auch einladen. Allerdings nur unter der besonderen Voraussetzung, dass man jemanden zum Ausgehen einlädt. Utbjuda hingegen ist dann wieder ganz was anderes – es bedeutet, dass man etwas zum Verkauf anbietet.

Und damit kommen wir zurück zum jässpôd. Denn wer Gäste einlädt, sollte auch etwas zu bieten haben. Essen, Trinken, Musik… Und auch hier versieht das Verb bjuda treu seinen Dienst. Mit der Formulierung bjuda på lässt sich jede Aufzählung von Angeboten einleiten – ob es nun reich gedeckte Tische sind oder vielleicht auch eine abwechslungsreiche Landschaft, die viel zu bieten hat. Und mit dem Ausruf „jag bjuder!“ kann sich jemand als „Spendierhosenträger“ zu erkennen geben. 

Naturgemäß gibt es bei einem vielseitigen Verb wie bjuda bzw. bieten eine ganze Reihe von Gemeinsamkeiten oder auch Unterschieden zwischen nordischen und deutschen Sprachgepflogenheiten, die ich an dieser Stelle nicht ausufernd erörtern möchte.  

Nun aber zur Musik. Von dem Traditionsstück Långt jässpôd på bârgom habe ich hier drei Versionen anzubieten. Alle drei sind eigentlich eher luxuriös – wobei sich das kontinuierlich steigert. Traditionell dürfte das Stück wohl häufig von einem einzelnen „spelmann“ vorgetragen worden sein. Bei einer Veranstaltung von etwas größerem Format kann man sich Duo-Versionen aber durchaus vorstellen. Bei der dritten Aufnahme handelt es sich aber doch um eine ganz ausgefeilte Konzert-Version. Dieses Zusammenwirken der Manuale und des Pedals der Orgel mit der Nyckelharpa ist vom Feinsten. Ich empfehle, hier mit Kopfhörern oder guten Lautsprechern zu lauschen, damit man all die feinen Details auch mitbekommt.


Långt jässpôd på bârgom
Trad. Schweden

Lisa Rydberg • Violine
Anders Nygårds • Violine

Gunnar Idenstam • Harmonium
Lisa Rydberg • Violine

Gunnar Idenstam • Orgel
Johan Hedin • Nyckelharpa

Titelbild © Random Randomsen

7 Gedanken zu “Långt jässpôd på bârgom

  1. Karin sagt:

    Ganz so feierlich , gemessenen Schrittes spielt heute die Musik auf dem Dach nicht auf, das werden eher Trippel-Trappenschritte -:))) an gästabud habe ich Etliches zum Anbieten, muß aber abwarten, was dem kleinen Mann schmeckt.
    Wollte schon mahnen, wo Dein Sonntagseintrag geblieben ist -:))) Eigentlich müßtest Du uns diese Sprachspielereien auch mal phonetisch, von Dir gesprochen, vorführen?
    Sonnengrüße vom rosig erblühenden Dach, Karin

    Gefällt 2 Personen

    1. Random Randomsen sagt:

      Diese feierlich gemessenen Schritte werden auch ganz bestimmt nur zu Beginn vorkommen – wenn sich das „jässpôd“ weiter entwickelt, wird es lebhafter. Auch dazu hätte ich freilich eine passende Musik anzubieten. Da braut sich ja auch der Wirbelsturm schon zusammen:

      So ein schönes Wort wie „jässpôd“ müsste man eigentlich wirklich auch zu Gehör bringen. Allerdings zeichnen sich meine Pläne für akustische Beitragsergänzungen bisher noch durch gänzliches Unvorhandensein aus. 😉
      Mit einem sonnigen Mondtagsgruß 🐻

      Gefällt 2 Personen

    1. Random Randomsen sagt:

      Ja, dieses „på“ ist eine Präposition – noch dazu eine von phänomenaler Vielseitigkeit. 🙂
      Sprachlich ist diese Präzision auch deshalb interessant, weil sie sich in den verschiedenen Sprachen aus gemeinsamen Wurzeln sehr unterschiedlich entwickelt hat.

      Gefällt 1 Person

  2. versspielerin sagt:

    so so schön, die musik, beschwingt, und irgendwie ganz und gar schwedisch, für meine ohren. aifjeöö – äh die falschen tasten erwischt – aufhellend sollte das heißen! 😀 vielen dank auch für die kleine sprachliche exkursion, sehr interessant! sonnige und harmonische grüße von diana

    Gefällt 2 Personen

    1. Random Randomsen sagt:

      Ja, das hat schon eine sehr schwedische Aura. Mir gefällt hier auch der Ausdruck „aufhellend“ – denn das passt schön zu vielen dieser alten Schwedischen Stücke, und zu diesem hier ganz besonders. 🙂 Es dauert ja auch nicht mehr lange, bis es wieder heißt: „nu är det mittsommar och dans.“
      Mit einem sonnenhellen Gruß 🐻

      Gefällt 2 Personen

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