Verklärtes Nachtklavier

Verklärte Nacht dürfte eines der meistgespielten Werke Arnold Schönbergs sein. Ursprünglich als Streichsextett komponiert, hat Schönberg selbst eine Fassung für Streichorchester geschaffen. Nun gibt es von diesem Werk seit Neuestem auch eine Klavierversion. Beatrice Berrut hat dabei zunächst versucht, auf Grundlage des Streichsextetts eine Klaviertranskription zu schaffen. Allerdings kam auf diese Weise kein „funktionierendes“ Klavierstück zustande. Also unternahm sie einen zweiten Anlauf, bei dem sie wesentliche Elemente des Originals sozusagen auf pianistische Weise verarbeitete. Deshalb bezeichnet sie das so entstandene Werk als Paraphrase.

Schönbergs Werk bezieht sich auf ein Gedicht von Richard Dehmel. Und obwohl es sich um eine einsätzige Komposition handelt, beziehen sich in der Musik fünf klar unterschiedene Abschnitte auf die Strophen des Gedichts. Deshalb habe ich beim Gedichttext jeweils den Zeitpunkt eingetragen, an welchem die Musik in der hier eingefügten Aufnahme zur jeweiligen Strophe übergeht.

Verklärte Nacht
Richard Dehmel

Zwei Menschen gehn durch kahlen, kalten Hain;
der Mond läuft mit, sie schaun hinein.
Der Mond läuft über hohe Eichen,
kein Wölkchen trübt das Himmelslicht,
in das die schwarzen Zacken reichen.
Die Stimme eines Weibes spricht:

[7:15]
Ich trag ein Kind, und nit von dir,
ich geh in Sünde neben dir.
Ich hab mich schwer an mir vergangen;
ich glaubte nicht mehr an ein Glück
und hatte doch ein schwer Verlangen
nach Lebensfrucht, nach Mutterglück
und Pflicht – da hab ich mich erfrecht,
da ließ ich schaudernd mein Geschlecht
von einem fremden Mann umfangen
und hab mich noch dafür gesegnet.
Nun hat das Leben sich gerächt,
nun bin ich dir, o dir begegnet.

[15:36]
Sie geht mit ungelenkem Schritt,
sie schaut empor, der Mond läuft mit;
ihr dunkler Blick ertrinkt in Licht.
Die Stimme eines Mannes spricht:

[18:34]
Das Kind, das du empfangen hast,
sei deiner Seele keine Last,
o sieh, wie klar das Weltall schimmert!
Es ist ein Glanz um Alles her,
du treibst mit mir auf kaltem Meer,
doch eine eigne Wärme flimmert
von dir in mich, von mir in dich;
die wird das fremde Kind verklären,
du wirst es mir, von mir gebären,
du hast den Glanz in mich gebracht,
du hast mich selbst zum Kind gemacht.

[24:33]
Er faßt sie um die starken Hüften,
ihr Atem mischt sich in den Lüften,
zwei Menschen gehn durch hohe, helle Nacht.


Verklärte Nacht (Klavierparaphrase)
Arnold Schönberg
Arr. Beatrice Berrut

Beatrice Berrut • Klavier

Titelbild © Random Randomsen

2 Gedanken zu “Verklärtes Nachtklavier

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