vedʒtəbəl ɔːʳkɪstrə

Erwachen heiterer Gefühle bei der Ankunft der Karotten im Suppentopf. Das wäre vielleicht eine Assoziation, die zum zweiten Bild aus Myriades März-Impulswerkstatt passen könnte.

Allerdings hat Ludwig van Beethoven (volkstümlich auch Beethoven genannt) dem ersten Satz seiner sechsten Sinfonie einen etwas anderen Untertitel verpasst. Also gilt es, zum Bild passende Klänge anderswo zu suchen. Und vor allem zu finden. Darauf kommt es ja recht eigentlich an.

Und es gibt sie natürlich (vielleicht sogar bio), die passenden Klänge.

Mein Kopfkino erzählt dazu folgende Geschichte: Eine Gruppe von Menschen lebt irgendwo am Ars Ende der Welt. Es ist eine typische wennmannichtallesselbermacht-Gegend. Das bedeutet, dass das Gemüse eigenhändig kultiviert wird. Das bedeutet aber auch, dass kultivierte Menschen, die nicht vom Gemüse allein leben möchten, beispielsweise ihre Musikinstrumente eigenhändig herstellen müssen. Und da kann es doch ganz naheliegend sein, etwaige Gemüseüberschüsse klangkunstvoll zu verarbeiten. 😀

Ob diese Kopfkinogeschichte genau der Wirklichkeit entspricht? Wer weiß? The Vegetable Orchestra (auch das erste wiener gemüseorchester genannt) gibt als Domizil „Vienna, Austria“ an, was mir jetzt so spontan und auf nüchternen Magen herzlich wenig sagt. Austria? Etwas mit Austern? Also kein Gemüse?
Lieber verzichte ich auf weitere Spe(c)kulationen und gehe direkt zu den vegetabilen Klangbildern über…


Portulak
The Vegetable Orchestra

The Vegetable Orchestra • ɡəˈmyːzə

Szemenye
The Vegetable Orchestra

The Vegetable Orchestra • ɡəˈmyːzə

Ambiente verde
The Vegetable Orchestra

The Vegetable Orchestra • ɡəˈmyːzə

Wer meiner Kopfkinogeschichte nicht so ganz traut (ich kann es niemandem verdenken), findet hier eine etwas andere Version:
https://vegetableorchestra.org/index.php

18 Gedanken zu “vedʒtəbəl ɔːʳkɪstrə

  1. Karin sagt:

    Das hebt doch gleich die Laune, die sich im Keller versteckt hatte, und weckt Bewunderung für den Einfallsreichtum dieser Gemüsekomponisten , zwar nicht melodisch, es quietscht, heult ,bellt und pfeift zwischendurch , da sind auch gemüsige Tiere mit im Spiel, aber ganz schön verrückt -:))
    Für ihre Auftritte böten sich als Vortragsstoff zwischendurch diese Oden von Neruda an, die es zu Tomaten, Artischoken, Zitronen usw.usf. gibt.
    https://11sternschnuppe11.wordpress.com/2017/03/03/die-ode-an-die-kartoffel/
    https://11sternschnuppe11.wordpress.com/2017/03/01/ode-an-die-zwiebel/

    Dir einen Schmunzelgruß und ein Dankeschön für diese Entdeckung, die sie nächste Woche auf jeden Fall dem Enkelfratz vorführen wird, Karin

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    1. Random Randomsen sagt:

      Lieben Dank für dein gutgelauntes Echo. 🙂
      Ja, es ist vor allem ein Fest des kreativen Einfallsreichtums aber auch eine Einladung zum Lauscherlebnis jenseits gewohnter Hörpfade.
      Die Idee, das Hörerlebnis mit Neruda noch weiter zu verdichten finde ich großartig.
      Auf der Seite des Orchesters kann man auch einige der Instrumente bestaunen und es gibt Videos wie dieses hier:

      Mit einem heiteren Gruß aus dem Klangsuppentopf 🐻

      Gefällt 4 Personen

  2. PPawlo sagt:

    Deine Idee ist toll und amüsant! Mich erinnert das etwas an meine Frage an einen kleinen Bub:“Was macht denn die Mama in der Küch?“ Antwort: „Krach“. Aber es ist ja weit mehr. In den ersten Videos höre ich schon einige Küchengeräusche wie Reiben, Klopfen, Wasser, Rühren etc , aber es wird ja immer zu Musik oder Lautmalerei. Im 4. habe ich den Eindruck, im Dschungel zu sein. Das letzte Video in der Antwort an Karin erklärt dann vieles! Spannend, was für Töne aus und mit Gemüse gezaubert werden. Ob’s wohl danach noch im Suppentopf landet und gegessen wird?
    LG,Petra 🥕🌽🥔

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    1. Random Randomsen sagt:

      Lieben Dank für deine erfreute und interessierte Resonanz. 🙂
      Ja, es ist schon Geräusch und Lautmalerei jenseits unserer musikalischen Hörgewohnheiten. Aber der musikalische Aspekt ist eben auch da. Das macht das Projekt so spannend.
      Ich habe absichtlich zunächst nur akustische Beispiele eingebaut. Denn es gibt ja diese ersten Eindrücke, wenn man so etwas ganz unbefangen hört – und das erlebt man so nicht mehr wieder, wenn man erst mal mehr darüber weiß.
      Es gibt ja bereits bei der Fertigung der Instrumente Abschnitte, die durchaus für den Kochtopf geeignet sind. Und auch die Instrumente lassen sich teilweise noch kulinarisch verwerten. Das eine oder andere landet allerdings schon in der Biotonne.
      Herzliche Grüße 🐻

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  3. Myriade sagt:

    Lieber Random, das ist ja phantastisch ! Ich bin ganz hingerissen von den Instrumenten und ungewöhnlichen Klängen! Und aus Wien sind sie auch noch. Bei Konzerten habe ich gerade gelesen, wird außerdem Gemüsesuppe verteilt, gekocht von einem Mitglied des Ensembles. Vielleicht etwas pietätlos, die Verwandtschaft zu verspeisen *grins*
    Im Wiener Konzerthaus sind die Gemüseleute schon aufgetreten, vor den abonnierten Großbürgern. Alle Achtung !
    Vielen Dank für den tollen Beitrag über diese Verbindung von Musik, Kulinarik und Instrumentenbauerkunst.
    PS: die Pastorale hätte ja zu den Schafen gepasst 😉

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    1. Random Randomsen sagt:

      Lieben Dank für dein begeistertes Echo. 🙂
      Ja, es passt sogar von der Heimat des Gemüseorchesters her zum Bild. Und als Hörerlebnis ist es schon faszinierend. Zusätzlich spannend wird es, weil die Instrumente ja nicht genormt sind und immer wieder etwas anders klingen.
      Die Sache mit der Suppe ist freilich ein Sahnehäubchen – da merkt man erst, was für ein ausgekochtes Ensemble das ist. 😉
      Die Pastorale wäre als Rundumschlag über drei Bilder hinweg gedacht gewesen: Schafe, Gemüse und noch viel Meer… Aber auf die Gemüsemusik hätte ich ungern verzichtet. 😀

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      1. Myriade sagt:

        Es wäre wirklich schade um die Gemüsemusiker gewesen !! Die Lautschrift schaut übrigens auch sehr dekorativ aus, was ich ihr gar nicht zugetraut hätte 🙂
        Gegen die Pastorale als Rundumschlag ist ja aber auch gar nichts einzuwenden !

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        1. Random Randomsen sagt:

          Ja, die Lautschrift kann – je nach Wort – ganz attraktiv wirken. Dennoch bin ich tendenziell eher froh, im Alltag nicht so schreiben zu müssen. 😉
          Die Pastorale könnte sogar für alle vier März-Bilder passen. Es wäre aber ein arg eckiger Rundumschlag. In der Partitur werden ja verschiedene Notenschlüssel verwendet – eigentlich ein ganzer Notenschlüsselbund. Aber das wäre bei jedem Orchesterwerk so. Und dass „und mehr“ als „und Meer“ gedeutet werden kann, geht sich auch nur gesprochen aus. Es wäre also alles etwas gesucht. Gefunden ist mir lieber. 😉

          Gefällt 3 Personen

  4. Olpo Olponator sagt:

    Ach welch‘ tolle, bildbezogene Idee … ;-!!
    Mir selbst kam sie leider erst, als ich deinen Text der hinführenden Beschreibung der Selbstanbauer/n las und dachte, ich könnte mit genau damit bei dir stehlen wie eben bei Buchalov bzw eventuell impulsiv musikbeiträgerisch weiterarbeiten, doch siehe da – der betrügerische Gedanke trog … … … 😉
    Matthias, der Gründer des Gemüseorchesters ist Student bzw verdient er das Brot zum Gemüse zum Teil als Orchesterwart (momentan also eher nix). Es ist der Mensch links oben in deinem letzten Beispiel.
    Und ja, es wird nach meiner Beobachtung alles verwertet, was durch das laufende Spiel ‚verbraucht‘ ist – zu diesem Behufe war früher ein richtiger Koch engagiert wie man ihn sich vorstellt (der hat nach meinen Informationen jedoch bereits vor Jahren das Geschirrtuch geworfen): etwas beleibt und mit Kochmütze, der die ihm dargereichte Kaputtware umgehend weiter verfeinernd zubereitete und in einem Kupferkessel, der das Volumen etwa einer 17″-Pauke hatte, auf der Bühne zur Suppenreife kochte. Bei zB Silvesterfeierlichkeiten wurde tatsächlich -und nicht bloß großbürgerlichem Abonnementpublikum ;-)- das Ergebnis zur Verkostung dargereicht. Der Mozartsaal des Wiener Konzerthauses wurde dann jeweils zur Beethoven-Lounge … (gelungenes Wortspiel ;-!!!) … oder auch zu einer Strawinskys in nicht nur neuem Musik-Gewand: Les Massacre du Printemps … 😉

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    1. Random Randomsen sagt:

      Das ist freilich ungelegen, wenn man einen Impuls auf dem Silbertablett präsentiert bekommt – und im nächsten Augenblick ist die geplante impulsive Aktion schon gegessen… :/
      Lieben Dank für deine positive Resonanz und die vielen Insiderinformationen. 🙂
      Der Koch war möglicherweise gar ein Genesis-Fan, der sein vollendetes Werk mit den Worten „Suppe is ready“ angepriesen hat. 😉
      Und da wir uns hier ja mitten in einer Impulswerkstatt befinden: vielleicht gibt’s eines Tages einen Studiengang mit einem Abschluss als Gemüse- und Instrumentenbauingenieur. 😀

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      1. Olpo Olponator sagt:

        Also eigentlich hab‘ ich mich gleich über deine Bandbreite gefreut – wer kennt schon das Gemüseorchester, wenn nicht zufällig wie ich; selbst wenn er beruflich in Musik stark involviert ist ;-?
        Die Idee des Studienlehrganges greife ich auf und werde sie einem Bekannten unterbreiten: der unterrichtet Tontechnik 😉 …

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        1. Random Randomsen sagt:

          Grundsätzlich mag ich es sehr, mich in immer wieder neuen Klangwelten umzuhören (da kommt mir unter anderem auch die Plattform „Bandcamp,“ bei der auch das Gemüseorchester zu finden ist, sehr gelegen). Ich mache bei Entdeckungsklangreisen (oder Klangentdeckungsreisen) zwar ausgiebig von der Freiheit Gebrauch, das Gehörte halt auch mal nicht so toll zu finden. Aber es gibt eben auch immer wieder interessante Fundstücke. 🙂
          Tontechnik wäre eh eine ideale Ergänzung – zwischendurch ein paar Gefässe töpfern, die den Gemüseinstrumenten ein längeres Leben ermöglichen… 😉 😀

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  5. o)~mm sagt:

    Oh, wie lange habe ich hier nicht lauschen können. Leider reichte die Zeit nicht. Jetzt kann ich auch nur kurz verweilen und habe viel verpasst, gut dass frau nachhören kann.

    Portukak gefällt mir gut. Dabei denke ich sofort an Stomp. Ich kann das lange mitanhören, aber mitzappeln zum Rhythmus muss sein. Als Jugendliche habe ich schon gern im Fanfarenzug getrommelt, die Affinität ist wohl nicht verlorengegangen. 🙂

    …grüßt Syntaxia

    Gefällt 1 Person

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