Wenn das Verbotene…

…gar zu reizvoll erscheint.

Unter diesem Motto unternehme ich einen ersten Anlauf, Myriades märzialischer Einladung zur Impulswerkstatt zu folgen. Zu diesem Behuf habe ich mir unter den vier Vorgaben ein Bild ausgesucht, das auf den ersten Blick durchaus nicht harmvoll erscheint.


© Myriade

Der kleine Haken bei der Sache: diese Schlüssel werden jemandem ausgehändigt mit der Bitte, sie in sichere Verwahrung zu nehmen und mit der Warnung, sie aber unter gar keinen Umständen zu benutzen. Diese(r) Jemand nimmt das auch durchaus sehr, sehr, sehr ernst.

Aber.

Es spräche doch, denkt sich diese(r) Jemand, recht eigentlich irgendwie überhaupt gar nichts dagegen, in rein wissenschaftlichem Forscher(innen)drang einfach mal herauszufinden, was denn diese Schlüssel aufzusperren imstande wären, wenn sich jemand (jemand anderer, natürlich) – jetzt mal so rein theoretisch – ihrer zu bedienen gedächte. In der Praxis ist es allerdings so, dass „rein theoretisch“ seine Reinheit ganz unselten auch schon mal verlieren kann. Der langen Rede kurzer Sinn: die verschlüsselten Türchen werden geöffnet, lassen sich auch mit keiner Anstrengung wieder zusperren, und was zuvor in aller Heimlichkeit verborgen war, wird nun…

…un-heimlich. 😉


Sinfonie Nr. 10, Op. 93 – II. Allegro
Dmitri Schostakowitsch

Moscow State Symphony Orchestra • Pavel Kogan (Leitung)

The Gnome (Gnomus)
Modest Mussorgski (Arr. Emerson, Lake & Palmer)

Keith Emerson • Keyboards
Greg Lake • Bassgitarre
Carl Palmer • Schlagzeug

Suggestion diabolique
Sergei Prokofjew

Katharina Treutler • Klavier

17 Gedanken zu “Wenn das Verbotene…

  1. gkazakou sagt:

    Seit Pandora trotz Warnung und Verbot die „Büchse“ öffnete … In Märchen kommt es wieder und wieder zu solchen Versuchungen, verschlossene Räume (Flaschen u.a.) zu öffnen. Natürlich auch in der Psychoanalyse und der Naturwissenschaft (Atomenergie, genetische Forschung)

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    1. Random Randomsen sagt:

      Lieben Dank. 🙂
      Ja, genau so war das gedacht. Dieser „Pandora-Effekt,“ der auch in zahlreichen Märchen in den verschiedensten Varianten anzutreffen ist. Hier war es nun der Versuch, das irgendwie akustisch darzustellen, wie ein sinistres Geschehen, einmal ausgelöst, nicht mehr aufzuhalten ist…

      Gefällt 4 Personen

  2. Myriade sagt:

    Oh, eine Blaubart Geschichte mit Selbstreflexion ! Die musikalische Untermalung finde ich auch sehr gut dazu passend, das langsamere Herantasten und dann …. Dramatik.
    Foto-Text-Musik-Kompositionen sind großartig, das Beleuchten eines Impulses von verschiedenen Seiten, mit verschiedenen Sinnen. Danke für die Bereicherung !!

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    1. Random Randomsen sagt:

      Lieben Dank für dein positives Echo. 🙂 Ja, genau das fand ich reizvoll, dass es verschiedene Ebenen gibt. Der Text gibt der Vorstellung ja doch eine deutliche Richtung – und die Musik lässt der „vorgewärmten“ Fantasie dann wiederum freieren Lauf. 😉

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  3. PPawlo sagt:

    Das Unheil bricht sich Bahn, kam’s mir beim Allegro. Und der Gnom ist eine ganz eigenwillige Version. Klasse! Erinnert mich spontan an Rumpelstilzchen. Das Ende ist wie ein Spuk. Im dritten Stück wird man mitgerissen in einen gewaltigen Sog. Die Schlüsselgewalt hat man verloren, die Schlüssel aus der Hand gegeben. Der, der glaubte, einen Schlüssel bekommen zu haben, verleirt wie der Zauberlehrling oder wie ein Süchtiger die Kontrolle über sich und gerät in eine Unglück bringende , unheimliche Abhängigkeit. Spooky!

    Gefällt 2 Personen

    1. Random Randomsen sagt:

      Lieben Dank für deine anschaulichen Beschreibungen deiner Impressionen. 🙂 Deine Eindrücke kann ich gut nachvollziehen. Und so wird ja auch eine zusammenhängende Geschichte daraus. Man wird in ein martialisches Räderwerk gezogen, sieht sich plötzlich einer unberechenbaren Spukgestalt gegenüber und gerät am Ende vollends in einen unheilvollen Strudel.
      Die hier „eingebaute“ Version des „Gnomus“ kenne ich seit über vier Jahrzehnten. Und ich finde sie nach wie vor faszinierend.

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  4. Olpo Olponator sagt:

    Shostakovich, imposant wie häufig…
    ELP nerven mich hier, konnte bloß die ersten 24 Takte vertragen (geschätzt ;))…
    Musikalisch am Stimmigsten zu deiner Geschichte fand ich Prokofiev, da hat’s einen Aufbau zur Dramatik hin und ein kurzes, aber definitives Ende… Das Spiel hackt nicht, ich bessere mich offenbar, was meine Meinung über Klavier betrifft … 😉 – und merke mir Katharina Treutler.

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        1. Random Randomsen sagt:

          Es gibt ja durchaus verschiedene Mittel und Wege, einem Menschen die Freude an einem Instrument zu vergällen. Und es gibt Zu- und Abneigungen, die einfach in der persönlichen Natur liegen.
          Bei der „Suggestion“ habe ich Katharina Treutler sehr bewusst ausgewählt. Um es in einem bildlichen Satz auszudrücken: sie schafft bravourös diese Gratwanderung zwischen „deutlicher Aussprache“ und „spannendem Erzählen der Geschichte.“

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          1. Olpo Olponator sagt:

            Ach ja; durch Befehl gequälte, amusikalische Kindskreaturen sind mir in Erinnerung. Dieses Schicksal blieb mir erspart, mein musikerziehender Hintergrund war einsichtig und meine individuelle Abneigung gegen schlechtklingenden Anschlag bereits ziemlich ausgereift … ;}
            Eine sehr schöne Beschreibung für Laien ist dir mit jener von Katharinas Ausdruck gelungen. Somit wird es noch eine Spur deutlicher, weshalb der Filmschnitt zum Teil die Kamera aus der Perspektive links der Protagonistin wählt: der Einsatz des Überkreuz-Handspieles zeigt lässige Leichtigkeit wie Präzision gleichermaßen und verstärkt damit auch optisch den Eindruck, hier großartiges Interpretieren von vorgegebenen Klangbildern miterleben zu dürfen. Dankeschön.

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            1. Random Randomsen sagt:

              Das ist ja schon mal beruhigend, dass diese Abneigung sozusagen eine Eigenkreation ist. Leider sind an den kindlichen Anlagen völlig danebenzielende elterliche Ambitionen wohl nicht auszurotten. Der Sprössling mag längst eingesehen haben, dass er kein Horowitz redivivus ist, während die Eltern unbeirrt meinen, dass es lediglich am Übungsfleiß mangle…
              Ich mag solche „Sprachbilder,“ weil man damit recht einfach die Aufmerksamkeit auf etwas Wesentliches lenken kann. Wirklich hören muss es dann eh jede(r) selbst. Und, ja, hier kann man es sogar sehen – das ist besonders fein. 🙂

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