Du bist die Ruh‘ (I)

Die Musik zum Lied Du bist die Ruh‘ hat Franz Schubert auf ein Gedicht von Friedrich Rückert komponiert.

Du bist die Ruh‘,
der Friede mild,
die Sehnsucht du,
und was sie stillt.

Ich weihe dir
voll Lust und Schmerz
zur Wohnung hier
mein Aug‘ und Herz.

Kehr‘ ein bei mir,
und schließe du
still hinter dir
die Pforten zu.

Treib‘ andern Schmerz
aus dieser Brust!
Voll sei dies Herz
von deiner Lust.

Dies Augenzelt,
von deinem Glanz
allein erhellt,
O füll es ganz!

Musikalisch ist dieses Lied schlicht gestaltet – und doch von zauberhafter Schönheit. Gesanglich stellt es durchaus eine Herausforderung dar. Über weite Strecken wird ein pianissimo verlangt – noch dazu in langsamem Zeitmaß (larghetto). Ungekünstelte Klangschönheit ist hier nicht ganz einfach zu erreichen. Und die Klavierbegleitung ist insofern „ungnädig,“ als sie nicht die mindeste gesangliche Schwäche kaschiert. Es gibt keine Stelle, bei der ein auch nur geringfügiger Makel im Tastengewühle untergehen würde. 

Aus einer Fülle von Aufnahmen habe ich fünf ausgewählt, die mich interpretatorisch und aufnahmetechnisch überzeugt haben und die mich – jede auf ihre eigene Weise – besonders berührt haben. Das soll aber keine Bestenliste sein. Denn „die Besten“ küren zu wollen, würde ja die Anmaßung implizieren, dass der dabei angelegte eigene Maßstab das Maß aller Dinge sei. Es geht mir hier eher um ein klingendes Panorama: so, als würde man einen Edelstein bei unterschiedlichem Licht beschauen. 

Heute sind hier nur zwei der ausgewählten Aufnahmen zu hören. Denn ein „zu viel“ bekommt diesem Lied in verschiedener Hinsicht überhaupt nicht. [Fortsetzung folgt.]


Du bist die Ruh‘ (D. 776)
Text: Friedrich Rückert
Musik: Franz Schubert

Hermann Prey • Gesang
Leonard Hokanson • Klavier

Du bist die Ruh‘ (D. 776)
Text: Friedrich Rückert
Musik: Franz Schubert

Ian Bostridge • Gesang
Julius Drake • Klavier

Titelbild © Random Randomsen

5 Gedanken zu “Du bist die Ruh‘ (I)

  1. Karin sagt:

    Wenn Schubert dieses Gedicht von Rilke schon gekannt hätte, ich bin mir fast sicher, er hätte es musikalisch untermalt?

    Ich möchte jemanden einsingen,
    bei jemandem sitzen und sein.
    Ich möchte dich wiegen und kleinsingen
    und begleiten schlafaus und schlafein.
    Ich möchte der Einzige sein im Haus,
    der wüßte: die Nacht war kalt.
    Und möchte horchen herein und hinaus
    in dich, in die Welt, in den Wald.
    Die Uhren rufen sich schlagend an,
    und man sieht der Zeit auf den Grund.
    Und unten geht noch ein fremder Mann
    und stört einen fremden Hund.
    Dahinter wird Stille. Ich habe groß
    die Augen auf dich gelegt;
    und sie halten dich sanft und lassen dich los,
    wenn ein Ding sich im Dunkel bewegt.

    Gefällt 2 Personen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.