XXI • Det hev ei rose sprunge

Vor ziemlich genau einhundert Jahren ist ein norwegisches Lied aus einer Wurzel entsprungen, die im Deutschland des 16. (musikalisch wohl sogar 15.) Jahrhunderts liegt. Die erste gedruckte Fassung dieses Lieds fand sich im 1599 erschienenen Buch „Alte Catholische Geistliche Kirchengeseng auff die fürnemste Feste“ (landläufig bekannt als Speyerer Gesangbuch). Diese Fassung besteht aus zwei Textstrophen und der heute gebräuchlichen Melodie (möglicherweise von einer deutschen Volksweise aus dem 15. Jahrhundert stammend). Die älteste bekannte Version des Liedes stammt aus einem handschriftlichen Eintrag (1587/88) im „Gebetbüchlein des Frater Conradus.“ Textlich gibt es eine ganze Reihe unterschiedlicher Fassungen, die vom Umfang her zwischen zwei bis 23 Strophen liegen. Die norwegische Version umfasst drei Strophen. Die ersten beiden liegen vom Wortlaut her nahe bei der bekannten deutschen Fassung von Michael Praetorius.

Und nun Vorhang auf für die Morgenröte am Tag der Wintersonnenwende… 


Det hev ei rose sprunge

Text • Unbekannter Autor – Deutschland (16. Jh.)
Norwegischer Text • Peter Hognestad (1919/21)
Musik • Trad. Deutschland (ev. 15. Jh.)

Aurora • Gesang, Tastenwerk
(mit zwei nicht genannten Begleiterinnen)

Über folgenden Link ist die Gesamtübersicht der bisher veröffentlichten Julekalender-Beiträge verfügbar:
Julekalender 2016 • 2017 • 2018 • 2020


Titelbild © Random Randomsen

10 Gedanken zu “XXI • Det hev ei rose sprunge

  1. Karin sagt:

    Du hattest uns diese junge Sängerin schon einmal vorgestellt, da sang sie meiner Erinnerung nach in einer Kirche und glich selber einem Engel. Sternenmäßig ist heute auch ein besonderer Tag: die Konjunktion von Jupiter und Saturn und Wintersonnenwende – nur werden wir es hier nicht sehen können, ab heute Nachmittag soll der jetzt klare Himmel wieder wolkenbedeckt sein.
    Bei diesem Lied hatte ich als Kind immer Verständigungsschwierigkeiten, mochte es sogar nicht, weil ich mit dem Ross nichts anfangen konnte – dass es eine Rose ist, ging mir erst später auf. Ich hatte auch nie gefragt, was ein Ross darin zu suchen habe, obwohl ich doch sonst so neugierig bin und war.
    Innig lauschende Grüße vom Dach, Karin

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    1. Random Randomsen sagt:

      Lieblichen Dank für deine facettenreiche Resonanz. 🙂
      Ja, Aurora hatte ich schon mal mit einem umfangreichen Programm aus dem Nidarosdom in Trondheim (und als Klangbildnerin beim letzten Rätsel). Das Konzert im Dom ist sogar nach wie vor bei NRK verfügbar: https://tv.nrk.no/program/DMTL21280017
      Ja, sternenmäßig ist es ein besonderer Tag – witterungsmäßig leider nicht. Man wird also von der himmlischen Zusammenkunft nichts sehen.
      Dieses Detail im Text fand ich als Kind auch höchst eigentümlich. Allerdings kam dies bei älteren Texten öfters vor – und mein Interesse galt ohnehin eher den Melodeien als den Wortwebereien. 😉
      Mit einem herzlichen Gruß zum klangverzauberten Tag 🐻

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  2. Judith sagt:

    Schön und sehr zart gesungen dieses altvertraute Lied! Man sieht förmlich die Rose vorsichtig aus dem Schnee wachsen. Eine Blume in all diesen trüben Tagen (zumindest hier am Bodensee) ist auch etwas sehr Schönes und passt natürlich auch zur Wintersonnenwende.

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    1. Random Randomsen sagt:

      Lieben Dank für deine harmonische Resonanz. 🙂 Ja, das ist eine zauberhafte Blume, die hier emporwächst. Und ganz schön bei dieser Interpretation finde ich, dass die Blume Zeit und Raum bekommt, sich zu entfalten.
      Mit einem klangvollen Gruß aus dem Nebel in den Nebel 😉

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  3. Ulrike Sokul sagt:

    Auch ich hatte mich, wie Karin, als Kind immer still gefragt, was dieses Ross im Lied zu suchen habe.
    Manchmal dauert es, bis die Erkenntnis dämmert. 😉
    Die Göttin der Morgenröte erscheint hier – in meinem Ohren – mit einem zugleich kindlichen und erwachsenen Klang voller zärtlicher Klarheit und sanftmütiger Innigkeit.
    🎶 ❄ 💫 ❄🎶 🌌

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    1. Random Randomsen sagt:

      Das Weihnachtslied mit dem ich-glaub‘-mich-tritt-ein-Pferd Effekt… 😉

      Ja, deine Beschreibung des aurorischen Gesangs trifft gut diese Mischung zwischen musikalischer Reife und irgendwie fast kindlichem Staunen, als ob ihr das Lied in eben diesem Moment offenbart würde. Und sie tut das, was sie häufig fertigbringt: sie macht das Lied zu ihrem eigenen, ohne es zu vereinnahmen. 🙂

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  4. Videbitis sagt:

    Ich muß gestehen, ich bin gar kein Freund von Weihnachtsstimmung und -liedern, das berührt mich alles nicht, tendenziell stößt es mich sogar ab. Aber was Du uns hier seit Tagen an schönen Stimmen präsentierst, das höre ich mir wirklich sehr gern an. Und Dein Wissen um die jeweiligen Zusammenhänge ist bewundernswert.

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    1. Random Randomsen sagt:

      Lieben Dank für dein höchst erfreuliches Echo. 🙂 Es gibt ja leider auch Unmengen von weihnachtsverbrämtem Wühltischsound der einem penetrant aufgedrängt wird und bei dem ich nicht mal die Ironie, dass man in der Vorweihnachtszeit (also unmittelbar nach den Sommerferien) mit einem Höllenlärm eine besinnliche Stimmung hervorrufen will, wirklich schätzen kann.
      Auf der anderen Seite habe ich eben festgestellt, dass Musiküsse, die ich sehr schätze, besonders schöne und musikalisch hochwertige Weihnachtsalben herausgegeben haben. Das sind dann eben die Quellen für meinen Julekalender. In dieser Ecke wurzelt auch das Interesse für die Hintergründe. 🙂

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