Perfektion

Manchmal ist Perfektion so offensichtlich, dass sie einem gleichsam ins Angesicht springt. Dies ist etwa bei einem frisch entpuppten Schmetterling der Fall. Manchmal erkennt man die Perfektion aber auch erst auf den zweiten Blick. So wie bei dem hier titelbildlich gezeigten Falter, beispielsweise. Diese arg ramponierten Flügel schauen ganz so aus, als wäre die Perfektion längst in Rente gegangen. Wie die Bezeichnung „Flügel“ aber diskret andeutet, haben diese „Teile“ ja etwas mit Fliegen zu tun. Und da zeigte sich eine ganz andere Art der Perfektion. Denn dieser Falter erwies sich als ganz und gar flugfähig. Natürlich in der arttypisch falterflatterhaften Weise. Aber ohne erkennbare Einschränkungen.

Auch die „Musik des Tages“ hat etwas mit Perfektion zu tun. Da ist es möglicherweise wenig originell, ein Werk von Johann Sebastian Bach auszuwählen. Zwar ist dabei zu beachten, dass wir es hier mit einer Transkription zu tun haben. Aber Bach hat ja so raffiniert komponiert, dass selbst die aberwitzigsten Arrangements meist noch irgendwie gut klingen. Das folgende Transkription für Gitarre ist aber doch eine Ausnahmeerscheinung. Denn sie klingt so, als wäre die Komposition von Anfang an für ein Lauteninstrument gedacht gewesen.


Johann Sebastian Bach • Partita Nr. 1 (BWV 825)
Arr. Błażej Sudnikowicz

· Praeludium
· Allemande – 02:24
· Corrente – 06:13
· Sarabande – 09:48
· Menuett I – 16:03
· Menuett II – 17:44
· Gigue – 18:35

Błażej Sudnikowicz • Gitarre


Titelbild © Random Randomsen

8 Gedanken zu “Perfektion

  1. PPawlo sagt:

    Dass der Falter noch fliegen kann ist ja erstaunlich und wunder-voll!
    Und bei der Musik kam mir der Ausdruck „das rechte Maß“, nicht nur durch Bach. Sondern dieser junge Musikus spielt es mit dem rechten Maß an Konzentration, Hingabe, Gefühl und Begabung .
    Liebe Sonntagsgrüße, Petra

    Gefällt 2 Personen

    1. Random Randomsen sagt:

      Lieben Dank für deine stimmige Resonanz. 🙂 Man sieht ja öfters mal etwas ramponierte Falter, aber hier fehlt doch einiges an Flügelfläche. Dass dies die Flugkünste nicht beeinträchtigte war echt staunenswürdig.
      Bei dieser Musikaufnahme ist vieles so schon goldwaagenfein ausbalanciert, dass sie zu einer besonderen Art von Kunst-Werk wird. 🙂
      Mit einem klangvollen Sonntagabendgruß 🐻

      Gefällt 2 Personen

  2. o)~mm sagt:

    Was für ein toller Musikbogen von besinnlich strukturiert über beschwingt melodisch zum sättigenden Gigue. So empfand ich es. Ich verbinde Präludien odr Menuette oft mit Klavier, aber es ist wirklich auch sehr fein auf der Gitarre anzuhören.Jedes hat seinen Reiz.

    Der Falter (so traurigschön) zeigt, wie stark die Natur ist. Der perfekte Unperfektionissmus, wie die Hummel, die eigentlich gar nicht fliegen können dürfte.

    …grüßt Syntaxia, die all diese kleinen Wunder mag und gern darüber staunt

    Gefällt 1 Person

    1. Random Randomsen sagt:

      Lieben Dank für diese harmonisch schwingende Resonanz. 🙂
      Ja, solche Präludien, Menuette, usw. wurden ja oft auch für Tasteninstrumente geschrieben. So auch diese Suite (oder Partita). Allerdings hat Bach ja auch selbst hin und wieder eigene (und fremde) Werke für andere Instrumente arrangiert und adaptiert. Das hat also auch eine gewisse Tradition. 😉 Und es stimmt eben schon: jedes hat seinen Reiz. 🙂

      Die Natur hat eben oft ihre eigene Vorstellung von Perfektion. Und erst noch eine, die dann – o Wunder! – auch noch funktioniert. 😀
      Mit einem wunder-vollen Abendgruß 🐻

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