Fischerweise auf Fischer-Dieskau Weise

Interpretationsvergleiche in der Musik sind für mich immer wieder eine Quelle der Freude. Denn es geht mir ja nicht darum, verschiedene Interpretationen gegeneinander auszuspielen. Wer meint: so und nicht anders ist es richtig, liegt höchstwahrscheinlich falsch. Vielfalt ist für mich hier ein Zauberwort, dass es eben unzählige Versionen geben kann, bei denen man das Gefühl bekommt: genau so muss das klingen.

Bei Schubert-Liedern gibt es für mich allerdings eine Zwickmühle. Dietrich Fischer-Dieskau setzt bei vielen Liedern einen Maßstab, der nahezu unerreichbar ist. Das kann dazu führen, dass die jüngeren Interpreten vergleichsweise alt aussehen, was für mich eben nicht der Zweck eines solchen Panoramas ist. Oder ich könnte sagen: DFD lasse ich weg – der ist zu gut! Aber wie bescheuert wäre das denn?

Nun hat mir aber der Meistersinger eine Brücke gebaut. Denn er hat ja etliche Schubert-Lieder mehrfach aufgenommen. Und das ergibt durchaus ein spannendes Lauschvergnügen. Eine Zeitreise von einem Vierteljahrhundert (was für eine Gesangsstimme ja keine Kleinigkeit ist) und vier verschiedene Begleiter (und was für welche). Einziger Wermutstropfen: die Aufnahmequalität ist halt schon höchst unterschiedlich. Aber um die gesanglichen und pianistischen Nuancen zu hören, reicht es allemal. Und das ist ja auch eine gute Übung: sich auf das Wesentliche konzentrieren. Also letztlich nochmals ein Gewinn. 🙂 


Fischerweise D 881
Musik: Franz Schubert
Text: Franz Xaver Schlechta von Wschehrd

Dietrich Fischer-Dieskau • Bariton

1969 (mit Gerald Moore am Klavier)


1972 (mit Benjamin Britten am Klavier)


1978 (mit Svjatoslav Richter am Klavier)


1995 (mit Hartmut Höll am Klavier)


Titelbild © Random Randomsen

5 Gedanken zu “Fischerweise auf Fischer-Dieskau Weise

    1. Random Randomsen sagt:

      Lieblichen Dank. 🙂 Eigentlich ist die Aus-Wahl ja auch schon getroffen und man kann sich dem Fluss der Darbietungen hingeben. 🙂
      Ja, vielen Dank, das war nun wirklich eine schöne und sehr reiche Zeit. 🙂
      Mit einem herzlichen Abendgruß 🐻

      Liken

  1. PPawlo sagt:

    Na, da müsste ich schon häufiger hinhören um wesentliche Unterschiede der Fassungen herauszuhören. Was mir auffällt, ist wieder einmal die unterschiedliche Spiellänge und damit Dehnung, ein rollendes R vor allem anfangs ? vielleicht noch Obacht auf genaueres Artikulieren bis zu einer Lässigkeit und spitzbübischen Freude in der 3.Fassung, die ich am liebsten mag: l es ist da einfach faszinierend , wie sehr und locker er in seinem Element ist, singend und horchend zugleich. Und dieses Schubertlied , so wie er es vorträgt, bereitet mir große Freude! Liebe Abendgrüße, Petra

    Gefällt 1 Person

    1. Random Randomsen sagt:

      Lieben Dank für deine facettenreiche Resonanz. 🙂
      Ja, das ist eben schon ganz interessant, welche Unterschiede da zutage treten. Das hängt sicher damit zusammen, dass so ein Sänger sich in verschiedener Hinsicht auch immer weiterentwickelt. Dann spielen sicher auch die Begleiter eine Rolle (gerade, was die Tempi angeht).
      Die dritte Aufnahme ist schon was ganz Besonderes. DFD und Richter haben auch unglaublich harmoniert. Es gibt da eine Aufnahme eines Liederabends in Salzburg, die bei mir ganz wesentlich die Freude an Schubert-Liedern gefördert hat. Das Lauschen spiegelt sich in der Mimik von DFD immer wieder, das ist ganz spannend. Das hier ist ohnehin ein frohes bis schelmisches Schubert-Lied, was ja auch ganz schön ist.
      Mit einem herzlichen Abendgruß 🐻

      Gefällt 1 Person

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