Streichlautenlaute im Klängegarten

Heute gibt es an dieser Stelle ein recht umfangreiches Musikprogramm mit Kayhan Kalhor, einem aus dem Iran stammenden kurdischen Meister der Kamantsche, einer traditionsreichen Form der Stachelgeige oder auch Streichlaute. Kayhan Kalhor spielt dabei häufig auf einer traditionellen viersaitigen Kamantsche. Er benutzt aber auch immer wieder eine von ihm maßgeblich entwickelte, Shah Kaman genannte Sonderform der Kamantsche. Dieses Instrument verfügt über vier oder fünf Spielsaiten und sieben Resonanzsaiten, die unter dem Griffbrett verlaufen (wie man dies auch von der Viola d’amore oder der Hardangerfiedel kennt).

Zur Einstimmung ist eine eher ungewohnte Kombination zu hören (und sehen), die auch ein ungewöhnlich schönes und faszinierendes Klangerlebnis bietet. Hier trifft die klassische, viersaitige Kamantsche auf eine afrikanische Kora.

Konzertaufnahme
Morgenland Festival Osnabrück (2016)

Kayhan Kalhor • Kamantsche
Toumani Diabaté • Kora


Es folgt ein rein akustisches Erlebnis, und zwar mit der Shah Kaman in Gesellschaft einer Bass-Santur (dieses Instrument verfügt über einen größeren Tonumfang als die klassische Santur).

Where are you?

Kayhan Kalhor • Shah Kaman
Ali Bahrami Fard • Bass-Santur


Eine wiederum völlig andere Klangwelt entsteht, wenn die klassische Kamantsche auf die indische Tabla trifft.

Konzertaufnahme
Music Bridges Around the World

Kayhan Kalhor • Kamantsche
Sandeep Das • Tabla


Klanglich interessant ist auch die Kombination einer Streichlaute mit einer Langhalslaute.

Mevlâm birçok dert vermiş

Kayhan Kalhor • Kamantsche
Erdal Erzincan• Bağlama


Wer sich für das Schaffen Kayhan Kalhors interessiert, wird zudem unter dem Suchbegriff Ghazal Ensemble einiges finden. Hier ein Klangbeispiel.

Pari Mahal

Ustad Shujaat Husain Khan • Sitar 
Kayhan Kalhor • Kamantsche
Pandit Swapan Chaudhuri • Tabla


Vielsaitigkeit scheint Kayhan Kalhors zweiter Vorname zu sein. Jedenfalls greift er hier gleich selbst zu einer Langhalslaute.

Konzertaufnahme
Waterfront Theatre, Vancouver

Kayhan Kalhor • Setar
Kiya Tabassian • Setar


Und als Ausklang des „offiziellen“ Programms wieder die Kamantsche – diesmal eingebettet in ein klassisches Streichquartett.

Beloved, Do Not Let Me Be Discouraged

Kayhan Kalhor • Kamantsche
Brooklyn Rider • Johnny Gandelsman (Violine), Colin Jacobsen (Violine), Nicholas Cords (Viola), Michael Nicolas (Cello)


Als Zugabe gibt es nun noch das Album I Will Not Stand Alone, das leider als CD nicht mehr im Handel erhältlich ist.

1 · Between the Heavens and Me
2 · Where Are You? [14:20]
3 · The Laziest Summer Afternoon [26:15]
4 · Dancing Under the Walnut Tree [33:00]
5 · Hear Me Cry [40:15]
6 · Pluck a Star From the Sky [44:19]
7 · Here I Am Alone Again [45:59]
8 · I Will Not Stand Alone [53:15]

Kayhan Kalhor • Shah Kaman
Ali Bahrami Fard • Bass-Santur


Titelbild © Random Randomsen

16 Gedanken zu “Streichlautenlaute im Klängegarten

        1. Random Randomsen sagt:

          Die Vorbereitung hat doch einige Zeit in Anspruch genommen, da ich ja ein möglichst vielfältiges Panorama der Musik Kayhan Kalhors zeigen wollte. Während dieser Zeit haben mich die Kriegstreiber sozusagen auf dem Pannenstreifen überholt.
          Der Musikbeitrag wäre also so oder so dieser Tage erschienen. Vor dem aktuellen weltpolitischen Hintergrund bin ich aber dem Gedanken nicht abhold, dies sozusagen als Kontrastprogramm unter dem Motto „Kultur statt Krieg“ zu betrachten. 🙂

          Gefällt 2 Personen

  1. Karin sagt:

    Oha, vor dem Lauschen werde ich mich erst einmal schlau über diese mir unbekannten Instrumente machen, allein die Aussprache sind schon Zungenbrecher und dann nacheinander die dargebotenen Leckerbissen goutieren. In meinem Musikinstrumentelexikon von annodunnemal ist keines davon verzeichnet – das stammt noch aus der Zeit vor der Globalisierung -:))
    Der Spaziergang im neujährlichen Klängegarten erfolgt also erst einmal über Umwege.Da das in realen Gärten zu bummeln bei dem Dauergeplätscher bei uns draussen wenig verführerisch ist, hast Du hier genug Hörstoff geliefert, um sich die Zeit drinnen zu versüssen.
    Ich werde die Musik sogar weiterreichen, weil eine entzückende neue Eigentümerin in unserer Wohngemeinschaft ihre Wurzeln im Iran hat und Soleimani heißt-:))).Sie sagte mir aber, Soleimani sei im Iran wie Müller in Deutschland, der Ermordete gehört nicht zu ihrer Familie.
    Mit lernwilligen Grüßen vom Dach, Karin und der Fellpudding -:)))) .

    Gefällt 2 Personen

    1. Random Randomsen sagt:

      Lieben Dank für deine harmonische und wissbegierige Resonanz. 🙂
      Ja, die Musikinstrumentenlexika früherer Tage haben sich auf das konzentriert, was dem Lesepublikum aller Wahrscheinlichkeit nach irgendwann würde begegnen können (was ja auch nicht wenig ist).
      Bei einem „Hausarrest“-Wetter kommt das ja sehr gelegen, dass das Musikprogramm etwas umfangreich ist. Es ging auch gar nicht anders, weil es bei Kayhan Kalhor so viele Facetten gibt.
      Es freut mich besonders, wenn du die Musik weiterreichen willst und damit die Lauschfreude vermehrst. 🙂
      Mit einem harmonischen Abendgruß an dich und den fellnasigen Mitbewohner 🐻

      Gefällt 2 Personen

  2. PPawlo sagt:

    Heute wartest du wieder mit fesselnden Musikern und hinreißender, herzerwärmender Musik auf! Kayhan Kalhor ist im Reich der Musik daheim und entlockt seinem Instrument die unterschiedlichsten, faszinierenden Klänge, ob er nun streicht oder klopft . Er zieht alle Register der Stimmungen, wie dein herrliches Bild ja auch Licht und Dunkel in verschiedenen Farbtönen rüberbringt. Das wollte ich nun mehrmals hören. Ob ich dazu komme, wer weiß? Mal schaun.

    Gefällt 3 Personen

    1. Random Randomsen sagt:

      Lieben Dank für deine begeisterte Resonanz. 🙂
      Ja, Kayhan Kalhor bewegt sich wie ein Delphin im Meer der Musik. Zweifellos gibt ihm die Musik sehr viel – und hier scheinen Geben und Nehmen in Balance zu sein.
      Sein musikalisches Ausdrucksspektrum ist enorm. Und ebenso seine Anpassungsfähigkeit im Zusammenspiel mit anderen Musikern.
      Nicht zuletzt mit dem Gedanken an ein vertiefendes Lauschen habe ich die Zugabe eingefügt. Zumal sich ja das einstündige Klangerlebnis ohne bewegte Bilder auch als Begleitung zu geeigneten Aktivitäten verwenden lässt. 🙂
      Mit einem herzlichen Abendgruß 🐻

      Gefällt 2 Personen

    1. Random Randomsen sagt:

      Doch, ja, man findet sie beispielsweise bei discogs. Allerdings steht man dabei dann meist unbekannten Anbietern gegenüber (und je nachdem auch horrenden Versandkosten). Da besteht also ein gewisser Katze-im-Sack-Effekt. 😉
      Wer Streaming-Dienste nutzen mag, findet das Album allerdings auf Spotify.

      Gefällt 1 Person

      1. kopfundgestalt sagt:

        Ich hatte vor Jahren einige seltene CDs gekauft dort und hatte keine Probleme.
        Streaming nutze ich nicht.
        Wie ich schon mal erwähnte, möchte ich 2020 wieder mehr Musik kennenlernen, nicht nur auf meinem originären Gebiet der Elektronik, sondern auch auf solchen Feldern wie von dir so fein dargebotenen.

        Gefällt 1 Person

    1. Random Randomsen sagt:

      Die Bandbreite wäre sogar noch umfangreicher – so gibt es z.B. auch Aufnahmen mit einem Jazz-Trio (Rembrandt Trio).
      Im Trio mit Sitar und Tabla sind (unter dem Namen „Ghazal“) auch mehrere Alben aufgenommen worden. Eines davon (The Rain) ist bei ECM erschienen.

      Gefällt 1 Person

  3. Karin sagt:

    Im Laufe der vergangene Woche habe ich mir nach und nach die verschiedenen Stücke angehört, bleibe aber ausgerechnet immer wieder an Deiner Zugabe hängen – vielleicht liegt es am Video, das zu der Musik in dieses faszinierende Land zusätzlich hineinzieht.
    Als ich in den 60er Jahren anfing, mich für die Kulturgeschichte fremder Länder zu interessieren, war ich hingerissen von den Berichten über Mesopotamien, der Wiege unserer Kultur und dem riesigen.. Gebiet zwischen Euphrat und Tigris , das die heutigen Länder Irak, Iran, Syrien und Kurdistan umfaßt, ist es doch eines der an Kulturschätzen reichsten Gebiete der Welt.In Hildesheim sah ich die Bronzemaske König Sargons des bis heute schönsten Mannes in Bronze für mich.
    So schlägt Deine Musik wieder einen Bogen zu meinen Büchern und läßt mich alte Schätze ausgraben.
    Lieber Gruß zu Dir, Karin

    Gefällt 1 Person

    1. Random Randomsen sagt:

      Ja, wenn man über den musikalischen Tellerrand hinausblickt (was nicht unbedingt meine stärkste Seite ist), schwingt mit diesen Streichlautenlauten freilich eine lange und reiche Kulturgeschichte mit. Und es freut mich besonders, wenn hier nun die Blätter alter Buchschätze ebenfalls harmonisch mitschwingen dürfen. 🙂
      Mit einem herzlichen Sonntagabendgruß 🐻

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