Klangschaften • Die Orgel der Basilika Ste-Clotilde

Heute machen wir einen klangschaftlichen Ausflug in die Basilika Sainte-Clotilde in Paris. Hier befindet sich seit 1859 eine Orgel des legendären Orgelbauers Aristide Cavaillé-Coll. Erster Titularorganist war César Franck. Einer seiner Nachfolger war Charles Tournemire. Und der Jüngste in dieser illustren Reihe ist der heutige Titularorganist Olivier Penin. Vor diesem Hintergrund habe ich zwei (akustisch und optisch überzeugende) Videos ausgewählt, bei denen zwischen Komponist, Instrument und Interpret eine außergewöhnliche Verbindung besteht.

César Franck • Pièce héroïque, M37

Olivier Penin • Orgel


Charles Tournemire • Improvisation über „Victimæ Paschali laudes“
(Transkription: Maurice Duruflé)

Olivier Penin • Orgel


Titelbild © Random Randomsen

22 Gedanken zu “Klangschaften • Die Orgel der Basilika Ste-Clotilde

  1. Karin sagt:

    Gibt es Zufälle?: ein tierisches Orgelsammelsurium habe ich heute zur Teatime vorgesehen als Überraschung für eine meiner Followerin, die so einem Konzert voller Begeisterung neulich lauschte. In einem spielt auch Penin.
    Ich bewundere Orgelspieler sehr, denn gleichzeitig mit 10 Fingern und zwei Füßen Tasten und Pedalen zu treten, das gäbe bei mir ein heilloses Durcheinander.
    Mit heroischer Klangfülle den Morgen begonnen zu haben, grüßt Dich sommerlich gestimmt Karin

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    1. Random Randomsen sagt:

      Lieben Dank für deine heroisch-klangfüllige Resonanz. 😉
      Auf das tierische Orgelsammelsurium bin ich schon mal gespannt. 🙂 Ja, die Zu-Fälle. Auffallend, wie sie manchmal zufallen. Ohne dass man genau wüsste, wie und warum…
      Ja, wenn Organisten ihr Hand-Werk verstehen, ist das gleichsam nur die halbe Miete. Diese koordinierte Hand- und Fußarbeit ist wirklich bewundernswürdig. Und es ist überaus spannend, wenn man in Videos bestaunen kann, was im Orgelkonzert den Publikumsblicken verborgen bleibt. Geradezu unglaublich finde ich übrigens, dass Olivier Penin dieses „abgefahrene“ Stück von Tournemire auswendig spielt.
      Mit einem sonntäglichen „Morgen“gruß 🐻

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  2. gkazakou sagt:

    O, so liebe ich die Orgel: Ur-Welt-Musik. kennst du Hans Henny Jahnn? Sein Verhältnis zur Orgel war mir in der Jugend wegweisend (ich verschlang sein gesamtes literarisches Werk). So ganz anders als die Orgel der pietistischen Frömmigkeit.

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    1. Random Randomsen sagt:

      Lieben Dank für dein freudiges Echo. 🙂 Da trifft es sich ja gut, dass ich für die nächste Zeit noch mehr orgelmusikalische Beiträge in Planung habe. 😀
      Hans Henny Jahnn kenne ich nur dem Namen nach, womit gesagt ist, dass „kennen“ recht eigentlich eine Übertreibung lügenverwandten Ausmasses wäre. 😉
      [Ich habe gleich im Netz gestöbert, und festgestellt, dass es über ihn eine recht neue Biografie gibt, die ausgesprochen spannend wirkt: „Der gestrandete Wal“ von Jan Bürger]

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      1. gkazakou sagt:

        Danke, Ransom! Meine Begeisterung für Hans Henny Jahnn war sehr ausgeprägt in den letzten Schuljahren, wahrscheinlich schon deshalb, weil er unbekannt oder sogar verpönt war. Vielles las ich wieder und wieder. Nun aber schon lange nicht mehr. Ich weiß gar nicht, ob ich heute noch in resonnanz dazu käme. Meine Liebe zur gewaltigen Stimme der Orgel hat sich aber nicht verloren.

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          1. Random Randomsen sagt:

            Ja, das ist ein schönes Beispiel für solche Wellen. Man verliert etwas aus den Augen (bwz. Ohren). Und irgendwann begegnet es einem wieder – und die Resonanz ist unmittelbar da. 🙂
            Daryle Ryce kannte ich übrigens bis zu besagtem Beitrag nicht. Eine schöne Entdeckung. 🙂

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    1. Random Randomsen sagt:

      Lieben Dank für diesen Link zu einem ausgesprochen informativen Artikel. 🙂
      [Ganz nebenbei stelle ich fest, dass diese Biografie doch nicht so neu ist, wie ich annahm, sondern offensichtlich vor zwei Jahren in einem anderen Verlag neu aufgelegt wurde.]

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    2. gkazakou sagt:

      Danke Karin und Random! ich hab die Rezension gleich gelesen. ich gebe zu, dass sich alles in mir sträubt, einen literaturwissenschaftlich-objektiven Blick auf Hans Henny Jahnn zu werfen, den ich 16jährig, 1958, für mich entdeckte. Er war alles das für mich, was in der scheinheiligen ordentlichen norddeutschen Nachkriegsprovinz unter Verschluss gehalten wurde. Ein Buchhändler, der von Hamburg in meine Heimatstadt an der Ostsee verschlagen wurde (und dort durch Selbstmord endete), besorgte mir die Bücher, nachdem ich durch Deschner (Kitsch, Konvention, Kunst.) auf ihn gestoßen wurde, beginnend mit dem Holzschiff, das als Einzelband erschien. Es folgten Perudja, alle Bände von Fluss ohne Ufer, Erzählerisches Werk , Dramen – alles, alles veschlang ich und hatte es durch, bis ich 1961 zum Studium aufbrach . Natürlich war ich mit dieser Lektüre vollkommen allein, und es wäre auch schwer möglich gewesen, darüber zu sprechen. Ist es bis heute. Sie ist lebensgeschichtlich zu tief verwoben.
      Und so werde ich die Biographie wohl nicht lesen, denn den biographischen Hintergrund, den ich im groben natürlich kannte, möchte ich gar nicht so genau in Augenschein nehmen, schon gar nicht in distanzierter Philologenmanier. Ab wie denn sonst?
      Jedenfalls ist durch diese Orgelmusik und durch euren Biografie-Hinweis meine ganze fast verschollene Jugend lebendig geworden. Vielleicht schaue ich mal wieder in die blassgelben Bände, die ganz ganz oben im Regal stehen. Einige Passagen kann ich fast auswendig, zB den Gilgamesch-Text aus „Fluss ohne Ufer“: „Sag an, mein Freund, die Ordnung der Unterwelt“. Und ich merke, wie es mein Herz berührt.
      Danke euch beiden.

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      1. Random Randomsen sagt:

        Das ist auf jeden Fall, wie ich das verstehe, ein höchst spezielles Erlebnis, wenn hier nun plötzlich Saiten zum Klingen gebracht wurden, die lange weitgehend oder gänzlich verstummt waren. Vor diesem Hintergrund erscheint es mir durchaus fraglich, ob der distanzierte Philologenblick einer solchen Biographie nicht eher Dissonanzen bringt in einen Gesamtklang, der organisch gewachsen und sehr persönlich ist. Da scheint es wohl eher angezeigt, die wieder in Schwingung versetzten Saiten nach- und ausklingen zu lassen und dabei nachzuspüren, welche Impulse sich allenfalls daraus ergeben.
        Mit einem klangvollen Abendgruß 🐻

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  3. PPawlo sagt:

    Dein Bild wirkt sehr einladend auf mich. Erinnern die Bäume hier doch an eine Kathedrale und an die Musik, die darin erklingt. Ganz majestätisch kommt die Orgelmusik daher. Doch die gewaltige Musik hier kann auch ganz zart werden, was mich immer wieder fasziniert. Die raumgreifende Klangfülle im Kirchenschiff ist sehr beeindruckend. Sonntäglich eben. Noch einen bezaubernden Tagesausklang! Liebe Grüße, Petra

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    1. Random Randomsen sagt:

      Lieben Dank für deine sonntagsklangverzauberte Resonanz. 🙂
      Ja, das ist auch tatsächlich nicht nur eine Frage der fotografischen Perspektive – dieser wirkt tatsächlich wie eine Kathedrale, aber gleichzeitig mit der natürlichen Ausstrahlung des Waldes.
      Die klangliche Bandbreite der Orgel ist immens. Und in diesen Aufnahmen kommt das auch wunderbar zur Geltung. 🙂
      Auch dir noch einen feinen Sonntagabend. Mit herzlichen Grüßen 🐻

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  4. kopfundgestalt sagt:

    Orgel erinnert mich immer an Kirche – und damit habe ich dank meiner Lebensgeschichte Probleme.
    Klingt stellenweise auch sehr düster!
    Man kann schlicht nichts hören ohne den Background., den man hat: DEn lebensgeschichtlichen und den der musikalischen Sozialisation über die Jahre.

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    1. Random Randomsen sagt:

      Ja, Musik berührt einen in der Tiefe des Wesens. Und da spielen dann auch die außermusikalisch-lebensläufigen Faktoren eine ganz entscheidende Rolle. Jeder Versuch, auf einer rein musikalischen Ebene mit einem Klangerlebnis in Resonanz zu gehen, dürfte wohl kläglich scheitern.

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      1. kopfundgestalt sagt:

        Meine Frau etwa mag harten, stampfenden Beat nicht. Ich bin da weniger negativ beeindruckt.
        Das sehr vordergründige Stampfen raissoniert für manche mit Agression. Insofern ist man da, wenn solche Trigger anlaufen, aussen vor.
        Das nur als ein Beispiel.

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