Kleine Tanzmusik • Chaconne BWV 1004

Der Chaconne aus der Partita für Violine solo in d-Moll BWV 1004 von Johann Sebastian Bach habe ich vor einiger Zeit bereits einen umfangreichen Beitrag gewidmet. Nun taucht sie also auch in meiner Tanzmusik-Serie auf. Zwar ist diese Chaconne nicht unbedingt das, was man sich landläufig unter „Tanzmusik“ vorstellt. Dennoch ist die Chaconne eine Tanzform. Vor allem aber – und das ist hier der entscheidende Punkt – ist diese Version hier wirklich ein Tanz mit dem ursprünglichen musikalischen Material. Es ist eine von zahlreichen sehr unterschiedlichen Bearbeitungen – aber sie ist anders als die meisten. Gustav Leonhardt hat aus einem Werk für Solovioline ein lupenreines Cembalowerk geschaffen. Den Möglichkeiten des Instruments entsprechend ist diese Version etwas üppiger als das Original – und dennoch klingt sie bis in jede Einzelheit nach Bach.

Johann Sebastian Bach • Chaconne
aus der Partita Nr. 2 in d-moll, BWV 1004
(Arr. Gustav Leonhardt)

Gustav Leonhardt • Cembalo

Transcription-Leonhardt.jpeg


Titelbild © Random Randomsen

18 Gedanken zu “Kleine Tanzmusik • Chaconne BWV 1004

    1. Random Randomsen sagt:

      Genau so ist es. 🙂 Wir können immer wieder von Neuem staunen – als ob die Musik just in diesem Augenblick neu entstünde. Auch, wenn man das Werk in- und auswendig zu kennen glaubt. 😉
      Für diese kühne Fassung hatte Gustav Leonhardt freilich die besten Voraussetzungen. 🙂
      Mit einem klangvollen „Morgen“gruß 🐻

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      1. finbarsgift sagt:

        Dankeschön fürs Einstellen dieser grandiosen Fassung des großartigen Bachwerks, die ich noch nicht kannte (im Gegensatz zu den Scarlatti-Aufnahmen des tastenfliegenden Holländers, die mir sehr gefallen!)
        Herzliche Musikgrüße
        from me to you, Lu

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        1. Random Randomsen sagt:

          Das war mir eine große Freude, lieber Musikfreund. 🙂 Leider führen diese Transkriptionen eher ein Schattendasein – obwohl es bei Bärenreiter eine Notenausgabe gibt. Jedenfalls ist es eine faszinierende Version, weil sie sowohl die spieltechnischen als auch die klanglichen Möglichkeiten des Cembalos wunderbar auskostet. So erscheint diese Chaconne in einem ganz neuen Licht.
          Ja, der gepflegte Scarlatti des Monsieur Leonhardt sagt mir auch sehr zu. 🙂
          Mit einem harmonischen Musikfreundegruß 🐻

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          1. finbarsgift sagt:

            Die originale Chaconne für Violine hat eine grandiose Wirkung!

            Aber auch die Leonhardtsche Transkription weiß enorm zu beeindrucken!

            Zur Zeit beschäftigt mich die neue Scarlatti-Scheibe von Jean Rondeau. Er veranstaltet ein ziemliches Tabula rasa unter Fachleuten mit seinen sehr eigenwilligen Interpretationen …

            Liebe Musikgrüße vom Lu

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            1. Random Randomsen sagt:

              Ja, diese Leonhardt-Transkription ist eine sehr hörenswerte Stimme im Chor der (originalen und adaptierten) Interpretationen dieser Chaconne. 🙂
              Lieben Dank für den Hinweis – das neue Scarlatti-Album kannte ich noch nicht. Zwei Sonaten daraus gibt’s ja sogar auf YT. Die anderen habe ich nun erst in 30-Sekunden-Häppchen gehört. Auf mich wirken die Interpretationen (je nach Werk) sehr poetisch bzw. erfrischend spielfreudig. Dass dies nicht allen Kritiküssen schmeckt, liegt auf der Hand. 😀 Man müsste denen hochgelahrten Musik-Akademikern die denkwürdige Feststellung von Nikolaus Harnoncourt ins Stammbuch schreiben: «Selbst wenn wir uns noch so bemühen, die Noten, die Bach oder Mozart geschrieben haben, auszulegen, wie sie damals verstanden wurden, ist das unmöglich. Das kann man gar nicht. Die Komponisten würden sich schieflachen.»
              Mit einem klangvollen Nachmittagsgruß 🐻

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            2. finbarsgift sagt:

              Hab Dank für deine feinen zutreffenden Worte und das Klassezitat!
              ICH finde Rondeaus Interpretationen seehr interessant. Vor allem auch seine eigenwilligen Variationen der Wiederholungen. Und wie er die Stille integriert…
              ein echter Scarlatti-Interpretations-Zugewinn!
              Liebe Abendgrüße vom Lu

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            3. Random Randomsen sagt:

              🙂
              Diese Aussage von Nikolaus Harnoncourt fand ich sehr bemerkenswert – der hat ja wirklich gewusst, wovon er spricht.
              Einfallsreichtum bei den Wiederholungen bekommt diesen Sonaten bestimmt sehr gut. 😀 Einfach nur „Noten abklimpern“ – das kann’s ja nicht sein. 😉 Das Album habe ich mir jedenfalls vorgemerkt.
              🌟🎶

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  1. Karin sagt:

    Fingertanzmusik -:))) Ich hatte mir beim Anhören die lebhafte Bachfamilie vorgestellt, die Kinder, die durchs Haus tanzen, die Besucher, die zum Levée kommen, seine Frau usw. dieser Wirbel einer vielköpfigen Familie und habe eben erst beim Nachlesen über die Chaconne entdeckt, dass er sie nachdem er vom Tod seiner Frau erfahren hatte, komponiert hat. Der Meister wird mir hoffentlich meine Gedanken nicht verübeln.
    Endlichregengruß vom Dach, Karin

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    1. Random Randomsen sagt:

      Herzlichen Dank für deine positive Resonanz und deine, wie ich finde, sehr stimmigen Impressionen. 🙂 Ich halte sie aus zwei wesentlichen Gründen für sehr stimmig. Es ist schon so, dass der Tod seiner Frau bei dieser Komposition eine Rolle spielt. Bei einigen Interpretationen in der Originalversion für Violine solo kommt das auch herzzerreißend deutlich rüber. Aber wie zum Leben unausweichlich der Tod gehört, gehört zum Tod eben auch das zuvor gelebte Leben. Und es ist schön, wenn das hier in so deutlichen Bildern erwacht. Kommt hinzu, dass diese Version von Gustav Leonhardt dem Werk eine ausgeprägt lebensfreudig-lichte Note verleiht. Erfrischend und hell – genau deswegen auch dieses Titelbild.
      Auch hier ist die Natur inzwischen ausgiebig regenerfrischt. 🙂
      Mit einem herzlichen Nachmittagsgruß 🐻

      Gefällt 4 Personen

    1. Random Randomsen sagt:

      Lieben Dank für dein harmonisches Echo. Ja, es ist auf jeden Fall große Musik – das „klein“ bei den Tanz- und Nachtmusiken ist ja eh cum grano salis zu verstehen. 😉
      Diese atemberaubende Klang-Kunst lässt einen innehalten, tiefer und ruhiger atmen. Da bekommt das Wort Kunst-Pause eine neue Bedeutung. 🙂
      Die Version von Jean Rondeau ist auch zauberschön und sehr speziell. Das ist auch wieder eine eigene Art von Kühnheit: das Brahms-Arrangement für „linkshändiges“ Klavier spielt er beidhändig auf dem Cembalo. 😀

      Gefällt 4 Personen

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