Kleine Tanzmusik • Marais: Sarabande

Die Sarabande gehört heutzutage nicht zu den populärsten Tänzen. Bei den Komponisten des Barock hingegen war sie ausgesprochen beliebt. In vielen barockmusikalischen Suiten gehört die Sarabande sozusagen zur Grundausstattung, wobei sie einen Ruhepol zwischen lebhafteren Sätzen bildet. Das ist insofern bemerkenswert, als die Sarabande ursprünglich in raschen Tempi gespielt wurde. Die klassische 😉 Sarabande des Barock allerdings begegnet uns in würdevoll gemessenen Schritten. So wie diese hier:

Marin Marais • Sarabande
(aus: Pièces de violes • 3ème livre • Suite Nr. VII in G-Dur)

Liam Byrne • Viola da Gamba
Jonas Nordberg • Theorbe


Zu diesem Video gibt es einen sehr bemerkenswerten Kommentar eines Musikers, der übrigens auch mit eigenen Musikaufnahmen auf YT vertreten ist:

amazed


Diese Musik ist einfach zu schön, um sie in nur einer Interpretation zu hören. Hier also eine weitere klangfeine Version:

Marin Marais • Sarabande
(aus: Pièces de violes • 3ème livre • Suite Nr. VII in G-Dur)

Josh Cheatham • Viola da Gamba
Skip Sempé • Cembalo


Und als Zugabe ein weiteres Wohnzimmervideo mit den Interpreten der ersten Aufnahme – diesmal mit einem Prélude aus einer der Gambensuiten von Marin Marais.

Marin Marais • Prélude
(aus: Pièces de violes • 3ème livre • Suite Nr. III in F-Dur)

Liam Byrne • Viola da Gamba
Jonas Nordberg • Theorbe


Titelbild © Random Randomsen

 

9 Gedanken zu “Kleine Tanzmusik • Marais: Sarabande

  1. Karin sagt:

    Darf ich zu dieser Musik ein Gedicht von John Ashbery posten? Ich hatte es im März 2015 in der Frankfurter Anthologie gefunden und damals auf meinen alten Blog eingestellt

    Spätes Echo

    Allein mit unserer Verrücktheit und Lieblingsblume
    wissen wir, dass nichts wirklich bleibt, über das man noch schreiben könnte.
    Oder vielmehr ist es nötig, über die gleichen alten Dinge zu schreiben,
    in der gleichen Weise, die gleichen Dinge immer wiederholend,
    des Weitermachens und der allmählichen eigenen Veränderung willen.

    Bienenstöcke und Ameisen müssen ständig von neuem betrachtet werden
    und die Farbe des Tages, Hunderte von Malen
    eingebracht und wechselnd vom Sommer zum Winter,
    an ihr, sich auf den Schritt einer echten Sarabande
    zu verlangsamen und dort zu sammeln, lebendig und beruhigt.

    Nur dann kann die chronische Unachtsamkeit
    unserer Leben sich in Falten um uns hängen, versöhnlich
    und mit einem Auge auf jene langen hellbraunen luxuriösen Schatten,
    die so tief in unsere unvorbereitete Kenntnis unserer selbst
    hineinsprechen, die Sprechmaschinen unseres Tages.

    John Ashbery
    Aus dem Amerikanischen von Joachim Sartorius

    Mit einem herzlichen Gruß an Dich, Karin

    PS: wenn Du Bedenken bezüglich des Copyright hast, dann bitte wieder löschen.

    Gefällt 3 Personen

    1. Random Randomsen sagt:

      Herzlichen Dank für diesen Beitrag zum Beitrag. 🙂 Ich finde, dass dieses Poem wunderbar passt und auch unabhängig von der Musik lesenswert ist. Also bleibt es so stehen (ich habe es dafür noch ein wenig „nachformatiert“).
      Übrigens passt es auch zum eingeblendeten YT-Kommentar. Speziell dieses „I do like to be amazed by the world…“ ist ja auch eine Entscheidung, die es immer wieder neu zu treffen gilt. Was betrachten wir und wie betrachten wir es…
      Mit einem herzlichen Morgengruß 🐻

      Gefällt 3 Personen

  2. PPawlo sagt:

    Diese Sarabande kommt mir voll bekannt und sonntäglich vor ! 🙂
    Sehr berührend finde ich auch die Art der Interpretationen. Das Prélude passt bestens dazu und verzaubert ebenfalls. Schön auch dein meditatives, eindringliches Bild, das die Stimmung hier im Beitrag vorwegnimmt. Schön, wie du die Musik in den All-Tag bringst. Danke!

    Gefällt 2 Personen

    1. Random Randomsen sagt:

      Herzlichen Dank für dein feines Echo auf den heutigen Tanzmusik-Beitrag. 🙂
      Das Titelbild hätte man vielleicht eher bei einer „Nachtmusik“ erwartet. Dennoch schien es mir hier passend, weil es die Stimmung dieser Art von Tanzmusik doch sehr genau trifft.
      Es gibt von Marin Marais einen recht umfangreichen Katalog an Stücken für Viola da Gamba. Viele davon sind zu Suiten gruppiert, machen aber (wie man hier hört) auch als Einzelstücke eine gute Figur (und sind zur Alltagsverzauberung wunderbar geeignet). 🙂

      Gefällt 2 Personen

        1. Random Randomsen sagt:

          Das freut mich sehr, wenn die isländischen Klangwellen wohltuend weiter wogen. 🙂
          Es lohnt sich bestimmt, bei Marin Marais einfach mal auf Stöber-Entdeckungsreise zu gehen. Die wohl umfangreichste Einspielung auf CD (zwar längst nicht das gesamte Werk – aber immerhin 83 pièces de viole auf 5 CDs) gibt es mit Jordi Savall.
          Auch dir einen zauberhaften Tag. 🙂

          Gefällt 1 Person

    1. Random Randomsen sagt:

      Lieben Dank für dein positives Echo. 🙂
      Ja, solche „Zweitmeinungen“ können das musikalische Erlebnis oft sehr vertiefen.
      Das ist ganz cool, wenn die „Kleine Tanzmusik“ die DisTANZ zwischen Arbeitsplatz und Zuhause verschönert. 😀

      Gefällt mir

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