Wassermusik XI • L’apprenti sorcier

Man stelle sich folgende Situation vor:
Es ist Sommer. 😐
Dummerweise hat man grad kein Meer zur Hand. 😑
Auch keinen See. 😔
Und zu allem Überfluss ist kein Regen nicht in Sicht. 😦 

Was tun?
Richtig! – Wassermusik hören. 😀 

Der Titel des heutigen wassermusikalischen Werks mag auf den ersten Blick nicht sonderlich wässerig erscheinen. Aber das täuscht. In diesem Werk kommt Wasser vor – deutlich hörbar. Viel Wasser. Mehr als gewünscht… 😉

Paul Dukas • L’apprenti sorcier

NHK Symphony Orchestra Tokyo • Vladimir Ashkenazy

 

Bei einem so bekannten Werk kann es ganz spannend sein, es zur Abwechslung in ungewohnter klanglicher Gewandung zu hören. Zwar sind die feinen Details in der originalen Orchesterversion besser zu hören. Aber die Dramatik der Orgelversion ist unübertroffen:

Emmanuel Duperrey • Orgel

 


Wassermusikalische Galerie
Die bisherigen Wassermusiken sind hier zu finden:
Wassermusik I • Boote & Schiffe
Wassermusik II • Telemann
Wassermusik III • Jūra
Wassermusik IV • La tempesta di mare
Wassermusik V • De Zee
Wassermusik VI • Wasserspiele
Wassermusik VII • Bridge & Britten
Wassermusik VIII • Vltava
Wassermusik IX • Liszt
Wassermusik X • Fête des belles eaux

 


Diesem sinfonischen Scherzo von Paul Dukas habe ich bereits in meiner Blog-Frühzeit einen Beitrag gewidmet. Das damals Geschriebene hat auch heute noch seine Gültigkeit. 🙂 Und – o Wunder! – sogar die Links funktionieren noch. 😀 Also füge ich hier kurzerhand die wesentlichen Passagen aus dem damaligen Beitrag ein:

Es handelt bei „L’apprenti sorcier“ nicht einfach um eine Komposition, bei der eine literarische Vorlage als Inspiration gedient hätte. Vielmehr zeichnet Paul Dukas die in der Ballade von Goethe erzählte Geschichte musikalisch nach. Zu diesem Zweck hat er musikalische Motive erfunden, die er im Verlauf des Werks auf sehr unterschiedliche und teils dramatische Weise einsetzt. Damit gelingt es ihm, ein sehr lebendiges Bild der Handlung zu gestalten.

Und das Schöne an der ganzen Sache: Es ist einfacher, sich diese musikalischen Motive einzuprägen und sie im Werk wieder zu erkennen, als es für einen Franzosen ist, das Wort ‚Zauberlehrling‘ auszusprechen. Es bedarf keiner eingehenden Analyse und es ist auch keine Beschreibung nötig, die Takt für Takt erklärt, was sich im musikalischen Geschehen abspielt. Es genügt absolut, sich mit den verwendeten Motiven kurz vertraut zu machen. Zu diesem Zweck habe ich einige Stellen herausgesucht (und im Text verlinkt), an denen das jeweilige Motiv in charakteristischer Form erscheint.

Besenmotiv
Dieses rhythmisch und melodisch einprägsame Motiv stellt den Wasser tragenden Besen dar. Es erscheint an dieser Stelle erstmals in seiner vollständigen Form und ist – auch in fragmentarischen Varianten am Anfang und Ende des Stücks – leicht zu erkennen. Das Motiv erscheint bereits in der Introduktion als Andeutung und zieht sich in zunehmender Intensität durch das ganze Stück – zeitweise unter Einbezug fast des gesamten Orchesterapparates. Nach dem Axthieb werden sogar die beiden Wasser schleppenden Besenteile durch dieses Motiv dargestellt.

Wassermotiv
Das vom Besen herbeigeschleppte Wasser ist durch ein kurzes und prägnantes Wellenmotiv dargestellt, das in leicht erkennbarer Form kurz nach dem Besenmotiv erscheint. Auch dieses Motiv nimmt im weiteren Verlauf an Intensität zu und illustriert, wie der ganze Raum von Wasser überfließt.

Meister-/Zaubermotiv
Über die Benennung dieses Motivs scheiden sich die Geister. Während die einen darin das Motiv des Meisters sehen (den der Lehrling zunächst erfolgreich, später aber vergeblich) nachahmt, sehen andere darin eine musikalische Darstellung des Zauberspruchs. Wie auch immer. Das Motiv erscheint hier als Auslöser des ganzen Zaubers. Später erscheint es zunehmend verzweifelt in immer höheren Lagen und zuletzt von Wassermassen nahezu erstickt. In reiner Form taucht das Motiv schließlich wieder auf, als der Meister mit seiner Autorität dem Spuk ein Ende bereitet.

Lehrlingsmotiv
Das musikalische Motiv des Lehrlings ist vielleicht nicht an jeder Stelle ganz so leicht zu erkennen. Sehr schön zeigt sich das Motiv an jener Stelle, an der sich der Lehrling über sein (bisher) gelungenes Zauberwerk ausgelassen freut. Es erscheint in der Folge zunächst erneut in dieser fröhlichen Form. Später nimmt es zunehmend einen verzweifelten, klagenden Ausdruck an. Ganz am Ende erscheint es, zumindest andeutungsweise, dann nochmals ganz kleinlaut als Solo einer Bratsche.

Mit diesen ‚musikalischen Grundbausteinen‘ im Ohr dürfte die in diesem sinfonischen Scherzo dargestellte Geschichte relativ leicht zu erkennen sein.

4 Gedanken zu “Wassermusik XI • L’apprenti sorcier

    1. Random Randomsen sagt:

      Den ersten Satz würde ich glatt unterschreiben (allerdings – aus Gründen die ich gar nicht so genau erklären kann – nicht auf dem Bildschirm). 🙂
      Ich wünsche frohes Eintauchen in diese wässerige Geschichte, die hier mit musikalischen Mitteln wirklich lebendig erzählt wird. 🙂

      Gefällt 2 Personen

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