★ Vintereplet

Titelbild © Laila

 

Vintereplet

Erik Bye • Text
Henning Sommerro • Musik

Et vintereple ble jeg visst
som hang for lenge på sin kvist,
men falle måtte jeg til sist
-da vinden fant meg.

Nå ligger jeg blant strie strå
med frosne nattetårer på
og undres; vil du komme nå
-og kanskje se meg?

Og løfte meg i hånden din
og legge meg mot hals og kinn
og kanskje helt på barmen inn?
-man kan jo drømme.

En drøm som kan bli sterk og sann
når solen er en isnet brann
imot en irrgrønn himmelrand
-og alt liv fryser.

Så tar du meg til reisens mål:
ditt nattbord og en sprukken skål.
Jeg lenges så, men må gi tål,
-for tyss, du sover.

Ja, sov min hvite vinterbrud!
En sommer sitrer i din hud
og anger mot meg milde bud
-om alt jeg elsket.

Så våkner du vel av din blund
og løfter meg opp mot din munn.
Fortær meg du – å, salig stund!
-Slik vil jeg ende!

Henning Sommerro • Gesang, Klavier
Annbjørg Lien • Hardangerfiedel
Hans Fredrik Jacobsen • Gitarre, Flöte
(im zweiten Teil ist zudem Audun Erlien als Bassbalalaika-Perkussionist zu hören)


Seit meinem letzten Sternstunden-Beitrag sind doch tatsächlich mehr als sieben Wochen vergangen. Höchste Zeit, daran etwas zu ändern. Immerhin gehören die Sternstunden sozusagen zu den Ureinwohnern auf meiner Saite. Heute möchte ich endlich ein Lied vorstellen, das ich bereits vor geraumer Zeit für diese Rubrik ausgewählt habe. Dass ich es genau jetzt präsentiere ist nicht ganz zufällig. Denn thematisch hat die hier besungene Geschichte vom Winterapfel eine gewisse Verwandtschaft mit dem kürzlich veröffentlichten «piparmey» Beitrag. Auch von diesem Liedtext habe ich – wie bei meinen nordischen Sternstunden fast schon Tradition – meine eigene Freistil-Übertragung angefertigt.


Der Winterapfel

Ein Winterapfel wurde ich gewiss
Zu lange blieb ich an meinem Zweig hängen
Dennoch musste ich schließlich fallen
Als der Wind mich fand

Nun liege ich zwischen erstarrten Gräsern
Von frostigen Nachttränen bedeckt
Und frage mich: Wirst du nun kommen
Und mich vielleicht sehen?

Wirst du mich in deine Hand nehmen
Mich an Hals und Wange legen
Oder vielleicht gar an deine Brust?
Man darf doch wohl träumen…

Ein Traum, der stark und wahr werden kann
Wenn die Sonne wie ein eisklirrender Brand
Über einem spangrünen Horizont steht
Und alles Leben in Frost erstarrt

Nun nimmst du mich zum Ziel der Reise
Eine ramponierte Schale auf deinem Nachttisch
Sehnsucht verzehrt mich – doch ich muss geduldig sein
Denn – still! – du schläfst

Ja, schlafe, meine weiße Winterbraut
Ein Sommer bebt noch in deiner Haut
Und Reue mir Sanftmütigen gegenüber
Der ich von all meiner Liebe künde

Dann erwachst du wohl aus deinem Schlummer
Und führst mich endlich zu deinem Mund
Verzehr’ mich, du – o seliger Augenblick!
So will ich enden…

 


Als Zugabe folgt eine weitere Text-Musik-Komposition von Erik Bye und Henning Sommerro. 

Pilgrimssang
Erik Bye • Text
Henning Sommerro • Musik

Henning Sommerro • Gesang, Klavier
Magnhild Skomedal Torvanger • Violine
Bjørn Kjellemyr • Bass

11 Gedanken zu “★ Vintereplet

    1. Random Randomsen sagt:

      Lieben Dank für deine positive Resonanz. Erik Bye war ein Poet von ganz speziellem Format, mit einer besonderen Begabung, seine Beobachtungen in ausgefeilt-bilderreicher Sprache auszudrücken. Seine Texte bedürfen der Musik nicht – und doch kommen sie vor dem musikalischen Hintergrund besonders gut zu ihrer Geltung. 🙂

      Gefällt 3 Personen

  1. PPawlo sagt:

    Zwei sehr berührende Sternstundensonntagslieder, so schön vorgetragen!
    Auch der instrumentale Teil ist mitreißend!
    Das zweite Lied kommt sehr ernst, ja schwermütig daher. Man könnte dazu gut schreiten…allene=alleine? gehen alle alleine?? Danke fürs passende Vorstellen!
    Du schreibst im letzten kommentar : er war ein Poet…? Singt oder lebt er denn gar nicht mehr?

    Gefällt 2 Personen

    1. Random Randomsen sagt:

      Lieben Dank für dein begeistertes Echo. 🙂 Erik Bye wäre heute 91 Jahre alt geworden. Allerdings ist er 2004 verstorben. Die erste Aufnahme stammt von einem Erinnerungskonzert im April 2005.
      Die Tanzmusik im zweiten Teil gibt dem Winterapfel eine unerwartete aber sehr passende Wendung. 🙂
      Das zweite Lied ist nachdenklicher. Aber ganz typisch Erik Bye in seiner reichen Lebensweisheit und sprachlichen Schönheit. Möglicherweise werde ich es noch als eigene Sternstunde mit Übersetzung präsentieren. Auf jeden Fall geht es in der letzten Zeile um einen Pfad, den wir alle alleine gehen müssen. 🙂

      Gefällt 2 Personen

    1. Random Randomsen sagt:

      🙂
      Die poetischen Perlen gibt es bei Erik Bye dutzendweise (viele vertont, andere „nur“ als Gedicht). Übersetzungen sind dagegen kaum zu finden. Eigentlich schade, wenn man bedenkt, dass auf der anderen Seite nordische Kriminalromane am laufenden Band übersetzt werden.
      Also werde ich mir den „Pilgrimssang“ als kommende Sternstunde vormerken. Allerdings wird das wohl eine gewisse Reifezeit benötigen. Die inhaltliche Übersetzung ist dabei nicht das Problem – aber die wortwählerischen Feinheiten gelingen besser, wenn man ihnen Zeit lässt.

      Liken

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