♫ 25/7 (Chopin)

Eines seiner allerschönsten Nocturnes hat Frédéric Chopin zwischen seinen Etüden versteckt. Man findet es unter dem Decknamen «Etiuda cis-moll op. 25 nr 7.» Dafür hatte er natürlich seine Gründe. Da es sich lohnt, dieses Juwel – ganz unabhängig von den etüdentypischen pianistischen Anforderungen – hörgenießerisch zu entdecken, habe ich ein Format wieder ausgegraben, das ich erstmals beim Beitrag SixBach verwendet habe. Dieses Format habe ich damals mit folgenden Worten vorgestellt:

Ich möchte ein musikalisches Werk sozusagen als ‚Bildergalerie‘ präsentieren. Denn genau so, wie ein einzelnes Foto das Sujet nie in seiner Gesamtheit abbilden kann, wird eine einzelne Interpretation nie alles ausdrücken, was in einer musikalischen Komposition angelegt ist. Erst die Abbildung aus verschiedenen Perspektiven vermittelt eine klarere Vorstellung des Sujets.

Nun lässt sich eine solche akustische Bildergalerie auf ganz und gar individuelle Weise genießen. Selbst die von mir gewählte Reihenfolge ist nicht zwingend (obwohl ich sie natürlich nicht zufällig so gewählt habe). Dennoch möchte ich erwähnen, dass für mich bei dieser Auswahl weniger die technischen Details der Interpretationen im Vordergrund standen. Tempi, Phrasierungen, Nuancen im Anschlag und Pedalgebrauch haben mich hier weniger interessiert als die Gesamtstimmung, die in einer Interpretation zum Ausdruck kommt. Insofern kann es – dies jedoch nur als Anregung – hier besonders attraktiv sein, sich nicht auf die Unterschiede zu konzentrieren, sondern die Erinnerung möglichst jeweils wieder „auf Null zu stellen“ und einfach möglichst tief ins Klangbild einzutauchen. Deshalb erscheint dieser Beitrag an einem Samstagabend, weil diese „Noctüde“ sich wunderbar als „kleine Nachtmusik“ eignet, aber auch ein stilvoller Auftakt für den Sonntag sein kann (oder idealerweise beides). 🙂

Die Auswahl habe ich nach rein akustischen Kriterien getroffen. Dass es hier auch optisch abwechslungsreich zugeht – ein Video mit Noten, zwei mit Bildaufnahme der Interpreten und zwei reine Audios – ist ein fast zufälliger (aber deswegen nicht unwillkommener) Nebeneffekt. 😉

 

Maurizio Pollini


Nikita Magaloff


Valentina Lisitsa


Ivan Moravec


Daniil Trifonov

24 Gedanken zu “♫ 25/7 (Chopin)

  1. Mallybeau Mauswohn sagt:

    Lieber Random!
    Chopins Nocturnes sind immer wieder ein Genuss. Egal in welcher Zusammenstellung höre ich sie sehr gerne. Vielen Dank für diese musikalische Bildergalerie. Eine lohnenswerte Kunstausstellung 🙂
    Herzliche Grüße
    Mallybeau

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    1. Random Randomsen sagt:

      Lieben Dank für diese zustimmende Resonanz. 🙂 Primär habe ich für die heutige Galerie überhaupt nur Favoriten ausgewählt. Dies, obwohl auch eine Sammlung besonders gegensätzlicher Interpretationen ihren Reiz haben könnte. Dennoch – obwohl hier jede Darbietung ihre Vorzüge hat, ist für mich Daniil Trifonov der Favorit unter den Favoriten. Er spielt mit unglaublichem Feingefühl, sehr nuanciert und vor allem mit einer Intensität, als gäbe es im ganzen Universum nur dieses eine Musikstück (was für ihn in jenem Moment bestimmt auch zutreffend war).
      Dir einen schönen Sonnabend und -Tag. 🙂

      Gefällt 6 Personen

  2. finbarsgift sagt:

    Sehr schön…

    Neulich habe ich mir mal wieder alle Nocturnes von Chopin in einer älteren Vinyl-Aufnahme von Anton Rubinstein angehört, bis auf ein paar erschreckend laute Knackser, war das eine absolute Ohrenweide…

    Liebe Morgengrüße vom Lu

    Gefällt 4 Personen

    1. Random Randomsen sagt:

      Lieben Dank. 🙂 Ja, Rubinsteins Chopin ist ein Traum – und ganz besonders die Nocturnes. Die Etüden scheint er allerdings nie aufgenommen zu haben – und damit auch dieses zwischen den Etüden versteckte „Nocturne“ Op. 25/7 nicht. Einen lieben Sonntagsgruß 🙂

      Gefällt 2 Personen

      1. finbarsgift sagt:

        Ich habe mir nochmal ein paar Interpretationen angehört, toll allesamt, vor allem Pollini und Lisitsa *g*
        Ein sehr modern klingendes Stück für damals! Es könnte auch gut 50 Jahre später komponiert sein, so zu Zeiten eines Skrjabin, von dem es ja Etüden gibt, die wie später Chopin klingen…
        Hab einen schönen Abend, Lu

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        1. Random Randomsen sagt:

          Das stimmt. Das Stück klingt durchaus nach „Zukunftsmusik“ (aus damaliger Perspektive). Bemerkenswert ist ja auch, dass dieses Werk eines (zwangsläufig) noch jungen Menschen so „altersweise“ wirken kann. Da meint man, die Reife eines langen Lebens zu spüren.
          Die ausgewählten Aufnahmen haben für mich alle eine spezielle Bedeutung. Maurizio Pollini ist für mich so etwas wie eine Referenz für die Etüden. Jedem Einsteiger würde ich heute noch seine DG-Gesamtaufnahme der Etüden ans Herz legen.
          Valentina Lisitsa wiederum ist diejenige, die mich überhaupt dazu gebracht hat, in dieser Etüde ein Nocturne zu hören. Ihre pianistische Sensibilität geht hier mit dem Bösendorfer eine besonders glückliche Verbindung ein.
          Auch dir einen schönen Abend. 🐻

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  3. PPawlo sagt:

    Das ist wieder ein wunderschöner Sonntagsbeitrag! Alles großartige Fassungen! Mit herrlichem Bild, das Kraft und Wehmut dieser Musik in sich birgt. Sie scheint von Schmerz, aber auch vom Licht zu wissen. Manchmal wie ein Lied von einer wissenden Mutter, die ihr Kind in den Schlaf wiegt mit Für-Sorge und doch Ermutigung, so kommt’s mir spontan vor… Lieben Dank!

    Gefällt 2 Personen

    1. Random Randomsen sagt:

      Herzlichen Dank für dein feines Feedback. 🙂 Jede dieser Interpretationen erlaubt auf ganz eigene Weise ein Eintauchen in die Tiefen dieser Musik. Und das Bild sollte andeuten, wie ich diese Musik „sehe“. Eben Fülle und lichtvoller Lebensreichtum umweht von diesem Hauch von Wehmut, dieses befreiend-erschreckende Wissen um die Vergänglichkeit alles Seienden. Auch das Bild der Mutter mit dem Kind scheint mir der Stimmung sehr angemessen. 🙂

      Gefällt 2 Personen

  4. Sternchen sagt:

    Endlich kann ich Deine wunderbare Musik genießen. Leider lässt mein altersschwaches Smartphone Deine Beiträge gern einfrieren.

    Du findest immer wieder besondere Fassungen und machst das Hören zu einem Erlebnis!

    Gefällt 1 Person

    1. Random Randomsen sagt:

      Vielen Dank für deine harmonische Resonanz. 🙂 Wahrscheinlich versucht das Smartphone, alle Videos auch gleich zu laden – kein Wunder, dass es dabei „verreckt“. Früher hatte ich die Videos nicht eingebettet, sondern hinter einem Link „versteckt“ – nur funktionierte das für Nutzer der WP-App nicht.
      Manchmal hat man einfach Glück und die Wunschinterpreten sind auf YT zu finden. So wie hier. 🙂

      Gefällt 1 Person

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