XII • Tað eru jól

Titelbild: Engler i snøen © Anita Lund • Digitalt Fortalt

 

Heute öffnet sich das zwölfte Klangadventskalenderfenster. Damit sind wir in der Mitte unserer Reise angelangt und bestimmt reif für die Inseln. Die Färöer-Inseln, um genau zu sein. Zwar kann ich von dem Lied Tað eru jól nur eine einzige Version anbieten. Aber dieses Video gehört definitiv zu meinen YT-Favoriten. Talent und Charme der Darbietenden – stimmungsvolle Färöer-Impressionen – Humor – und die Magie der Sprache. Färöisch gehört zu den ursprünglichsten nordischen Sprachen. Die färöische Sprache liegt in dieser Hinsicht wahrscheinlich noch eine Nasenlänge vor dem Isländischen. Deshalb habe ich unten den Text eingefügt. Denn es ist wirklich spannend, die Verwandlung von Schrift in Sprache mitzuverfolgen. Allen, die sich selber an der Aussprache versuchen möchten, kann ich besonders folgende zwei Zeilen zum Üben empfehlen:
Hví lýsa kertur í vindeygum (0:25)
[Warum leuchten Kerzen im Fenster?]
Í myrkri bleiktra stjørnurnar (1:21)
[In der Dunkelheit glitzern die Sterne]

Leider kann ich den Urheber von Text und Musik nicht angeben (ich habe da lediglich eine Vermutung). Aber einige Informationen zum Inhalt könnten vielleicht von Interesse sein? Grundsätzlich ist hier viel bekannte Advents- und Weihnachtsromantik enthalten. Originell ist dabei aber, dass dies über weite Strecken im Frage-Antwort Modus gestaltet ist. Auf Fragen, was die Vorfreude der Menschen zu bedeuten hat, weshalb die Fenster kerzenbeleuchtet sind, warum die gute Stube mit Engeln, Herzen und schönen Tannen geschmückt ist, weshalb die Kinder von Frieden und vom Weihnachtsmann singen, warum Weihnachtsmänner mit Säcken von Haus zu Haus gehen, weshalb die Menschen Briefe schreiben und Grüße senden, usw. gibt der Refrain die (um ehrlich zu sein nicht völlig überraschende) Antwort: Es ist Weihnachtszeit, Weihnachten ists am Land und in der Stadt.

Unter folgendem Link gibt es eine Übersicht aller zum Julekalender 2016 gehörenden Beiträge: 
Julekalender 2016

 

Tað eru jól

Beinir Troest Rasmussen • Gesang
Rakul Ró Steintórsdóttir • Gesang

Tað eru jól

Hví ganga øll og gleða seg
og hava loyndarmál?
Hví lýsa kertur í vindeygum
og spent er barna-sál?
Hví eru einglar í stovunum
og hjørtur, vakurt grann?
Og børn syngja hátt um jólini
um frið og jólamann?

Tað eru jól, tað eru jól
Tað eru jól, tað eru jólatíð
Tað eru jól, tað eru jól
Tað eru jól, í bygd og bý

Hví fara øll til jólahald
til fest og nissu-gleim?
Og jólamenn við posa ganga
ímillum hús og heim?
Í myrkri bleiktra stjørnurnar
hoyr reinan gentu-song
Og vísmenn bera gávurnar
til undurfullan drong

Tað eru jól, tað eru jól
Tað eru jól, tað eru jólatíð
Tað eru jól, tað eru jól
Tað eru jól, í bygd og bý

Hví eru fólk so vinablíð
so gávumild og fró?
Og móti hvørjum øðrum kappast
um at vera góð?
Senda brøv og heilsanir
og lata heimin í?
Føgur orð um jólini
og eydnuríka tíð

Tað eru jól, tað eru jól
Tað eru jól, tað eru jólatíð
Tað eru jól, tað eru jól
Tað eru jól, í bygd og bý

31 Gedanken zu “XII • Tað eru jól

  1. Mitzi Irsaj sagt:

    Zugegeben die Antwort ist nicht überraschend. Muss sie aber auch nicht sein.
    Überhaupt ist Weihnachten die Zeit Inder ruhig alles so sein darf wie immer. Während ich tippend überbrücke stelle ich fest keine Kopfhörer in der Tasche zu haben das klangstück muss leider bis heute Abend warten.

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    1. Random Randomsen sagt:

      Stimmt. Ein überraschender Refrain, der dafür den Weihnachtszauber ruiniert, wäre nun wirklich nicht das Gelbe vom Ei. Und eine gewisse Überraschung mag ja vielleicht in der sehr speziellen Aussprache des Färöischen liegen. 😉

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  2. sternenkind11 sagt:

    Ich habe das Gefühl, es handelt sich hier sowohl um eine Zauberschrift als auch um eine Zaubersprache ;-). Ganz zauberhaft auch die beiden Darbietenden :-)! Der Refrain klappt schon ganz gut ;-), der Rest klingt bei mir eiernd bis lallend 😉 und wird dem Lied nicht gerecht. Aber Freude machen tut’s :-). Hab‘ einen guten Start in die Woche ⭐

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    1. Random Randomsen sagt:

      Das hat auf jeden Fall etwas Magisches. Und wir können hier sozusagen einen Blick in die Wiege der nordischen Sprachen werfen. Natürlich hat es auch Veränderungen gegeben im Lauf der Jahrhunderte. Aber näher kommen wir dem Ursprung kaum. 🙂
      Die Strophen sind sowieso eher für Sologesang geeignet. Ganz unabhängig von der Aussprache. Dafür lädt der Refrain umso mehr zum Mitmachen ein.
      Auch dir eine zauberhafte Woche. 🙂

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  3. sternenkind11 sagt:

    Das ist tröstlich ;-). So kann ich mich freudig auf den Refrain konzentrieren. Liebsten Dank für Deine Ausführungen bzgl. der sprachlichen Wiege. Sehr interessant! Siehst Du da auch eine Verwandtschaft zu den Sprachen der Samen? Ich finde überhaupt haben „Ursprachen“ eine ganz spezielle Magie und Kraft.

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    1. Random Randomsen sagt:

      Ja, und beim Refrain kann man erst noch ein wenig harmonisch ergänzen. Der verträgt das. 🙂
      Diese altnordischen Anklänge sind im Isländischen auch ausgeprägt vorhanden. Und man begegnet ihnen in etwas „milderen“ Formen in einigen norwegischen Dialekten. Was mir bisher von den samischen Sprachen untergekommen ist, zeigt dagegen keine erkennbare Verwandtschaft in diese Richtung. Die scheinen aus einer anderen Wiege zu stammen. Aber klangschön und kraftvoll sind sie auch. 🙂

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      1. sternenkind11 sagt:

        Herzlichen Dank für Deine interessanten Ausführungen. Ich bin völlig fasziniert. Die isländische Sprache spricht mich sehr an. Auch die samischen Sprachen bringen Saiten in mir zum klingen, vor allem die Joik-Gesänge, die wahrscheinlich nochmal aus einer anderen Wiege stammen 🙂

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        1. Random Randomsen sagt:

          Ja, das ist ein grenzenlos faszinierendes Gebiet. Und wo mag der Joik wohl herkommen? Vielleicht sind ähnliche Gesänge an verschiedenen Orten unabhängig voneinander entstanden. Und vielleicht hat er eine weite Reise mit vielen Veränderungen hinter sich?
          Isländisch – da habe ich ein hübsches Klangbeispiel für dich. Ein überragendes Gesangstalent mit einem bekannten Song:

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          1. sternenkind11 sagt:

            Mein Gefühl ist, dass der Joik aus der Seele der Menschen kommt die ihn singen. Die Liebe und Wertschätzung für die Natur inkl. der Elemente, der Tiere und nahestehender Menschen finden so einen fast non-verbalen Ausdruck. Was meinst Du? Ich habe mal einen Joik gehört, in dem die Trauer um einen lieben Freund verarbeitet wurde. So berührend. Das ist jetzt natürlich ganz weit weg von irgendwelchen sprachwissenschaftlichen Theorien ;-). Herzlichsten Dank für das bezaubernde Klangbeispiel :-). Ich bin ganz hin und weg von der kleinen Björk! Die hat sich ja schon früh an ein Meisterwerk gewagt und es brillant gemeistert :-)! Also, ich habe jetzt einen guten Vorsatz für’s neue Jahre und freue mich riesig 🙂 ⭐💕

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            1. Random Randomsen sagt:

              Ja, ich meine, dass der Joik (und verwandte Gesangsformen) einen wesentlichen Teil seiner Energie sehr direkt aus dem vielschichtigen Umfeld der Singenden bezieht (Menschen, Naturgeister, Tiere, Pflanzen, mineralische Lebensformen, Sonne, Mond, Sterne, Wind und Wetter…). Der Wille der Singenden ist letztlich wohl mehr auf ein „geschehen lassen“ gerichtet und nicht auf ein „Tun“ im herkömmlichen Sinne. Ich habe auch mal einen Obertonsänger aus der Altai-Region erlebt, der auf genau diese Weise „funktioniert“ hat. 🙂

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            2. sternenkind11 sagt:

              Oh, das beschreibst Du wunderschön. Ja, da wird der Singende wohl zum Gefäß für den Klang. So als würden die Energien der Menschen, Elemente etc. durch ihn singen…. Obertongesang ist für mich eine ganz speziell urkräftige Form des Singens…

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            3. sternenkind11 sagt:

              Wow! Sehr beeindruckend!! Ein wahrer Meister des Ober- und Untertongesangs! Und er kombiniert beide Gesangsformen zur gleichen Zeit. Hab‘ ich so noch nicht gehört! Herzendank 💜 🙂

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            4. Random Randomsen sagt:

              Ja, ich fand/finde ihn auch sehr beeindruckend. Als Persönlichkeit und als Musiker. Seltsamerweise bin ich bis heute nicht auf die Idee gekommen, ihn auf YT zu suchen. 🙂

              Liken

            5. sternenkind11 sagt:

              Das ist er in der Tat. Ihn persönlich zu erleben ist mit Sicherheit noch eindrucksvoller. Danke, dass Du heute auf diese wundervolle Idee gekommen und auch noch fündig geworden bist 🙂

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  4. PPawlo sagt:

    Heute gibt’s das Like von mir vor allem für ein glanzvolles Erreichen der Halbzeit!!! Ich finde es erstaunlich, was Du bisher alles zusammengestellt hast und dass Du bis hierher ohne ein Türchen zu übersehen oder als verschlossen zu melden durchgehalten hast ! 😉 Die Melodie heute finde ich nett und die Sprache mit einer „Urkraft“ , wie Sternenkind ja schon anführt, aber so ganz warm werde ich trotz 3maligen Abspielen nicht damit…Muss ja auch nicht sein! 🙂

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    1. Random Randomsen sagt:

      Vielen Dank. 🙂 Ein für mich wichtiger Punkt dieses Klangkalenders ist eine gewisse stilistische Bandbreite. Natürlich geht es in erster Linie darum, unbekannte Perlen ins Licht zu rücken. Aber da soll auch Vielfalt sein. Und da wird kaum alles immer gleichermaßen ins Herz treffen. Aber ich habe ja noch einiges mehr an Lager – da wird bestimmt auch für dich noch der eine und/oder andere Volltreffer mit dabei sein. 🙂

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  5. Ulrike Sokul sagt:

    Ganz herrlich diese konzentriert-ausgelassenen, wichtelbemützten kindlichen Sänger.
    Der Wortklang ist sehr ungewohnt und durchaus magisch-zauberspruchig, aber für mich unaussprechlich. Vielleicht braucht es mehr Hörübung … 🙂

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    1. Random Randomsen sagt:

      Ja, das bringst du schön auf den Punkt. Es steckt wirklich beides drin: Konzentration auf das Musikalische und die kindlich-ausgelassene Spielfreude. Auf jeden Fall wäre da ausreichend Hörübung notwendig. Ungewohnte Schriftzeichen und eine sehr eigene Aussprache bekannter Schriftzeichen – das lässt sich nicht in fünf Minuten aneignen. Aber den Hörgenuss trübt das ja zum Glück nicht. 🙂

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