RaWel 6 • Verbote

 

Verbote gehören zwar nicht verboten. Aber sie sind auf jeden Fall eine äußerst heikle Angelegenheit. Auf Verbote zu verzichten bedeutet ja, dass man auf gesunden Menschenverstand und Eigenverantwortung setzt. Und das erscheint mir manchmal ungefähr so realitätsbezogen, als würde man als wahrscheinlich voraussetzen, dass eine Seegurke nicht bloß das Klavierspiel erlernen könne, sondern dass sie sogar imstande sei, es sich selbst beizubringen.

Unmengen von Verboten scheinen also unumgänglich. Was wiederum die Vorstellung nährt: Was nicht ausdrücklich verboten ist, ist erlaubt. Verbote sind also gleichsam aktive Sterbehilfe für die Eigenverantwortung. Wobei dies wohl recht eigentlich ein Akt der Gnade wäre…

Anderseits ist da der Reiz des Verbotenen. 😉
Schwierig.
Verbote sind also auf jeden Fall eine äußerst heikle Angelegenheit. So oder so. 🙂

 


Klangbild: Liszt • Après une lecture du Dante

Franz Liszt • Après une lecture du Dante – Fantasia quasi Sonata
Yulianna Avdeeva • Klavier

13 Gedanken zu “RaWel 6 • Verbote

  1. gann uma sagt:

    Es gibt Verbote, die sollten noch viel mehr verboten sein, sich quasi von selbst verbieten. Beispiel Mietpreisbremse. Da „gesunder Menschenverstand“ und „Eigenverantwortung“ oft finden, dass das Gesetz (?) von Angebot und Nachfrage wichtiger ist, und so lange keiner kontrolliert, machr man „eigenverantwortlich“ (ich will viel, keinesfalls weniger!) mit dem „gesunden Stammtischverstand“ (Mein Haus, Meine Regeln!), was man will. (jaja, ich bin verbittert).
    Ein Glück, dass es dem Regen verboten ist, nach oben zu regnen, sonst wären wir alle ausgetrocknet.

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    1. Random Randomsen sagt:

      Die freie Marktwirtschaft illustriert das Problem ja überdeutlich. Gesunder Menschenverstand und Eigenverantwortung werden gehandhabt, als wären es Scherzartikel (was dann für viele Betroffene zum Schmerzartikel wird). Rein theoretisch würde ich mir auch wünschen, dass der Staat möglichst wenig dazwischenfunken muss. Das Problem ist nur, dass mit der immer wieder geforderten Deregulierung auch die letzte dürftige Grundlage einer zumindest ansatzweise zivilisationsähnlichen Koexistenz den Bach runter geht.
      Eigentlich hatte ich dem Regen ja erlaubt, nach oben zu regnen. Aber der Regen hat mir nachdrücklich verboten, ihm Dinge zu erlauben, die ihm von Naturgesetztes wegen ausdrücklich verboten sind. 😉

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  2. PPawlo sagt:

    Danke für’s amüsant-kritische Gedankenfutter, dem ich voll zustimme…
    Wichtig für mich ist die Auflage, dass Verbote sich ändern, verbessern oder auch aufgehoben werden können.
    Wir sollten außerdem mitdenken und wachsam sein: Wer erlässt sie? Wem nützen sie? Wem schaden sie? Für wen gelten sie? Nutzen sie den Menschen, der Gemeinschaft oder nur Einzelnen und wem eigentlich? So waren Verbote unter den Nazis oft schlichtweg Unrecht, genau so wie unter der amerikanischen Rassentrennung.
    Wir sollten trotz Verboten Ausnahmen gelten lassen und wendig bleiben: Das folgende Beispiel aus einem Cartoon veranschaulicht das: Es wäre z.B. ein Unding, um einen Riesenrasen mit einem Schild „Betreten verboten“ zu rennen, wenn auf der anderen Seite jemand um Hilfe ruft, d.h. man ist wendig genug, im Zweifelsfall schnell mal drüber zu rennen…;)

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    1. Random Randomsen sagt:

      Oh, ja. Da hast du eine ganze Zeile wichtiger Fragen genannt und mit wesentlichen Bedingungen verknüpft. Manche Verbote schränken viele ein und nützen nur wenigen Privilegierten. Und man muss in der Weltgeschichte nicht weit zurückblättern um Gesetze zu finden, die in Tat und Wahrheit juristisch legitimierte Ungerechtigkeiten sind. Aber auch wenn alle Voraussetzungen für ein sinnvolles und gemeinnütziges Gebot oder Verbot gegeben sind, muss dieses regelmäßig hinterfragt werden. Vielleicht wird es durch veränderte Umstände sinnlos. Oder sie greifen nicht mehr und müssen angepasst werden, um ihren Sinn zu behalten.
      Es führt kein Weg daran vorbei – der gesunde Menschenverstand ist doch immer und immer wieder gefragt. Vielleicht lernt die kleine Seegurke ja doch noch Klavier spielen?

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  3. PPawlo sagt:

    🙂 Die fühlt sich auf dem Meeresboden wohler ….
    Zumindestens können wir in die saure Gurke beißen und unsere Hausaufgaben machen: kleine Bereiche schaffen, die keine Verbote brauchen, weil dort das Miteinander rücksichtsvoll und achtsam ist. ..oder dadurch für weniger Vorschriften und Verbote sorgen, dass das nicht zum beengenden Gitterwald wird.
    Wenn ich partout mit 240km/h Stunde über die Autobahn rasen will oder in einer Berliner Hauptstraße herausfinden möchte, wer am schnellsten ist, verursacht vielleicht ein neues Verbot und es kommt wohlmöglich wieder ein Verbotsschild dazu…

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    1. Random Randomsen sagt:

      Vielleicht findet die Seegurke ja in einem untergegangen Luxusdampfer ein Klavier?
      Meine Erfahrung ist die, dass es im kleinen Rahmen mit dem gesunden Menschenverstand oft sehr gut funktioniert. Ich habe in verschiedenen beruflichen Stationen immer wieder Auszubildende betreut. Und ich bin in der Regel gut damit gefahren, auf Eigenverantwortung zu setzen. Die meisten Menschen reagieren positiv darauf, wenn man Vertrauen in sie setzt. Möglicherweise ist es oft so, dass das verantwortungslose Verhalten weniger den Vorschriftenwust für viele heraufbeschwört.

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  4. PPawlo sagt:

    Dann habe ich vielleicht das letzte Mal am Meer nicht die versunkene Kathedrale sondern die Seegurke am Klavier gehört?? 😉
    Noch ein Gedanke dazu. Da könnte man ja ewig „weiterspinnen“: Ich habe ganz ähnliche Erfahrungen gemacht wie du. Aber der Mensch, noch immer ein Herdentier, verhält sich allein oder zu zweit, in der Gruppe oder gar in der Masse ganz anders.Das ist Gefahr und Chance zugleich: Ein Beispiel:
    Früher wurden Nichtraucher wie ich in abendlicher Runde oft als Spielverderber angesehen und fast gezwungen mitzurauchen. Was für ein Unterschied zur heutigen Situation! Es gibt jetzt zwar überall Rauchverbote, doch bei dem vorherigen Bewusstseinswandel ist es doch auch möglich, dass die Schilder irgendwann mal wegkommen und freiwillig nicht mehr geraucht wird, wo es stört…
    Sicher geht’s ein andermal weiter um das Thema…. Eine erfreuliche Woche! Bis dann!

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    1. Random Randomsen sagt:

      Ja, der Faktor Herdentier ist nicht zu unterschätzen. Ein Extremfall davon ist ein entfesselter Mob. Und der Herdeninstinkt wird sogar wirksam, wenn die Herde nicht am Stück ist. Beispielsweise, wenn irgendwo die Natur vermüllt wird. Je mehr Müll herumliegt, desto geringer wird die Hemmschwelle. Von Einzelfällen geht es über „andere machen’s ja auch“ bis zu „das tun doch alle“. Der Effekt funktioniert tatsächlich auch im positiven Sinn. Dennoch habe ich oft den Eindruck, beim Niederreißen zivilisatorischer Verhaltensmuster seien mehr Hände eifriger mit von der Partie als bei deren Aufbau. (aber das ist jetzt keine „beste Meinung“)
      Auch dir eine lichtvolle Woche. 🙂

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