♫ Petruche

Titelbild: Michel Petrucciani © LOOKS Filmproduktionen GmbH

 

Im ersten Augenblick hatte ich Bedenken. Ist der Titel dieses Beitrags überhaupt angebracht? Denn Petruche wurde Michel Petrucciani von seinen Freunden genannt. Und ist es nicht taktlos, eine private Anrede öffentlich zu verwenden? Nun, wer sich die folgenden Klangbeispiele anhört, wird entweder bereits zu den Freunden von Michel Petrucciani gehören, oder es nach wenigen Takten werden. Also liege ich mit der Überschrift Petruche doch goldrichtig? 🙂

Seit bald zwei Jahrzehnten gibt es keine Auftritte, keine neuen Kompositionen und keine neuen Aufnahmen von Michel Petrucciani. Aber Petruche lebt. Dank zahlreicher Ton- und Bildaufnahmen können wir auch heute noch die wunderbaren Geschenke eines einzigartigen Musikers erleben. 

In Harmonie mit der privaten Überschrift habe ich für diesen Beitrag aus dem umfangreichen Œuvre von Michel Petrucciani lauter Aufnahmen mit zahlenmäßig kleiner Besetzung ausgewählt. Das hier ist also sozusagen ein Portrait des kammermusikalischen Michel Petrucciani, d.h. Michel Petrucciani solo • im Duo mit Niels-Henning Ørsted Pedersen, Jim Hall, Eddy Louiss, Louis Petrucciani • im Trio mit Jim Hall & Wayne Shorter.

Das Programm besteht aus drei Teilen. Zunächst ein Panorama einzelner Stücke. Anschließend ein Klangbild. Das muss sein. Auch bei einem reinen Musikbeitrag. Wer es hört, wird verstehen, warum. Und zuletzt eine Zugabensektion mit einigen Konzertmitschnitten.


Silence

(Charlie Haden)

Michel Petrucciani • Klavier

 


A Nightingale Sang in Berkeley Square

(Manning Sherwin • Eric Maschwitz)

Michel Petrucciani • Klavier
Niels-Henning Ørsted Pedersen • Bass

 


In a Sentimental Mood

(Duke Ellington)

Michel Petrucciani • Klavier

 


Les Grelots

(Eddy Louiss)

Eddy Louiss • Orgel
Michel Petrucciani • Klavier

 


Love Letter

(Michel Petrucciani)

Michel Petrucciani • Klavier

 


Bimini

(Jim Hall)

Michel Petrucciani • Klavier
Jim Hall • Gitarre
Wayne Shorter • Saxophon

 


Satin Doll

(Duke Ellington)

Michel Petrucciani • Klavier

 


Stella By Starlight

(Victor Young)

Michel Petrucciani • Klavier
Niels-Henning Ørsted Pedersen • Bass

 


Klangbild: One Hundred Hearts

Michel Petrucciani • Komposition & Klavier

 


Zugaben

Michel Petrucciani Solo • Jazz in Marciac

1) My Favorite Songs:
     – Les Grelots
     – Les Feuilles Mortes
     – Take The A Train
2) Trilogy in Blois / Caravan
3) Estate 
4) Manhattan 
5) Besame Mucho 
6) Looking Up 

 

Louis & Michel Petrucciani • Flashback

1) Someday My Prince Will Come
2) Looking Up
3) Turn Around
4) Autumn Leaves
5) In a Sentimental Mood
6) Mike P Blues
7) Giant Steps
8) Stella By Starlight

 

Michel Petrucciani, Jim Hall, Wayne Shorter • Power of Three

1) Beautiful Love
2) In a Sentimental Mood
3) Careful
4) Waltz New
5) Limbo
6) Morning Blues
7) Bimini

 

8 Gedanken zu “♫ Petruche

  1. Zeilenende sagt:

    Ich habe deinen Beitrag geöffnet und ohne so genau hinzuschauen immer mal wieder auf Play gedrückt, während ich nebenbei Beiträge geschrieben habe. Das ging mir sehr beschwingt von der Hand. Erst bei der ersten Zugabe habe ich dann auch die Videos gesehen und war noch ein wenig beschwingter, weil da so viel sichtbare Energie im Spiel liegt … Vielen Dank dafür. 🙂

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    1. Random Randomsen sagt:

      Lieben Dank für deine Resonanz. 🙂 Petruche am Flügel beflügelt eine kreative Tätigkeit – das würde ihm bestimmt gefallen. Deine Vorgehensweise ist eigentlich sehr empfehlenswert. Zunächst akustisch akklimatisieren – und den optischen Energiebündelgenuss sozusagen als Gipfelerlebnis. 🙂

      Gefällt 1 Person

  2. Mitzi Irsaj sagt:

    Ich schreibe dir, nachdem ich auf wunderbare Weise abgetaucht bin. Danke!
    Noch längst nicht alles gehört, aber einen Namen in mein „Daran will ich mich erinnern / alles was mir wichtig erscheint“ Büchlein geschrieben. Noch mal danke.

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    1. Random Randomsen sagt:

      Vielen Dank – das freut mich sehr. 🙂 Michel Petruccianis „Musiversum“ ist groß genug für viele faszinierende Tauchgänge. Deshalb ist es mir wichtig, dass sein Name nicht in den Tiefen der musikgeschichtlichen Vergangenheit untergeht. 🙂

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  3. PPawlo sagt:

    Michel Petruchiani ist schlichtweg ein Phänomen. „Wenn es damals schon das Fernsehen gegeben hätte, keine Chance…“ hieß es immer wieder mal in Rückblicken auf verstorbene Musiker… Er tritt den Gegenbeweis an. Seine voll begeisterte, mitgerissene Art zu musizieren steckt mit seiner Energie voll an! Er braucht nicht zu gefallen, weil er um seine Erscheinung weiß und bleibt so ganz bei sich und seiner Musik, in der er völlig aufgeht! Und erlebt so erfüllte Momente und nimmt die Hörer wie auf deinem Foto oben mit! 🙂
    Ob er überhaupt alle Tasten des Klaviers erreichen konnte? Brauchte er nicht sogar seine ganz eigene Musik?
    Dir mit lieben Grüßen den Schatz einer erfüllten Woche ! 🙂

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    1. Random Randomsen sagt:

      Herzlichen Dank für deine begeisterte Resonanz. 🙂 Ein Phänomen – das trifft es genau. Ich hatte das Glück, ihn einmal live zu erleben. Solo. Vom ersten Ton an existierte nur noch Musik. Nichts anderes zählte mehr. Weder für ihn, noch für das Publikum. Ein Füllhorn. Ich bin nicht einmal mehr sicher, wie lange die Vorstellung dauerte. Es dürften an die zwei Stunden gewesen sein. Ich bin mir auch nicht sicher, ob er wirklich alle Tasten erreichte. Aber auf jeden Fall hat er einen ganz eigenen Ausdruck erreicht – bei seinen eigenen Kompositionen und bei Werken anderer Urheber.
      Ich wünsche dir eine Eindrucks-volle Woche. 🙂

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  4. PPawlo sagt:

    Ein Leuchtturmerlebnis also! 🙂
    Ich versuche hier immer wieder durchzukommen, bleibe aber meist am ersten Stück hängen…
    Da erscheint auch das Bild, das ich als „Foto oben“ bezeichnet habe. Es klappen nicht alle Videos, aber die, die klappen haben alle ihren eigenen Charm. Bimini und 100 Hearts habe ich gerade entdeckt und sie sprechen mich sehr an! Einen schönen Tag!

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    1. Random Randomsen sagt:

      🙂 Das erste Stück habe ich bewusst als Einstieg ausgewählt, weil man damit besonders gut in die Klangwelt von Michel Petrucciani eintauchen kann. Dass das Videobild aber auch im Reader erscheint, war nicht geplant (scheint eine neue WP-Mode zu sein).
      100 Hearts hat auch extra den Sonderstatus als „Klangbild“ bekommen. Denn diese Eigenkomposition von Petruche kommt mir irgendwie wie ein musikalisches Selbstporträt vor.
      Bimini ist, wenn man so will, nochmals eine Welt für sich. Ein musikalisches Gipfeltreffen.

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