★ Engler i sneen

Titelbild: Engler i snøen © Anita Lund • Digitalt Fortalt

 

Engel im Schnee

Engel im Schnee haben ihr eigenes Lied
In schwärzester Nacht
Singen sie vom Sonnenaufgang
Ich stand im Schatten, in Regen und Wind
Ich war ein Fremder, bis du dich öffnetest
Und mir Einlass gewährtest

Ich stand alleine da, bis du erschienst
Heimatlos war ich, doch du machtest mich zu einer Heimat
Du schenktest mir Wärme, als alles in Frost erstarrt war
Engel im Schnee haben ihr eigenes Lied
Für Menschen wie uns

Darum halte mich fest, bleib bei mir und sei einfach da
Schlafe bei mir und sei mir nah
Als Flüchtling, Liebhaber und Freund
Und lass mich zu einem Teil von dir werden
Körper und Seele von dir ausleihen
Bis der Himmel wieder aufreißt
Und die Engel im Schnee heimkehren

Engel im Schnee haben ihr eigenes Leben
Ihr Gesang erklingt zur Winterzeit
Doch wenn der Frühling kommt, schwinden sie dahin
Engel im Schnee haben ihr eigenes Lied
Sie singen davon, dass alles, was lebt
Was hier und jetzt ist, einmal enden wird

Engel im Schnee verwandeln Wind in Gesang
Sie singen für jede und jeden
Für alle, die sich öffnen und sie einlassen
Engel im Schnee singen ohne Worte
Und wenn der Frühling kommt
Gehen sie spurlos und ohne Trauer

Darum halte mich fest, bleib bei mir und sei einfach da
Schlafe bei mir und sei mir nah
Als Flüchtling, Liebhaber und Freund
Und lass mich zu einem Teil von dir werden
Körper und Seele von dir ausleihen
Bis der Himmel wieder aufreißt
Und die Engel im Schnee heimkehren

 


Heute steht die Sternstunden-Welt anscheinend kopf. Denn ich besitze tatsächlich die Frechheit, meine eigene Freestyle-Übertragung an den Anfang zu stellen. So furchtbar kopfständig ist das allerdings gar nicht. Es entspricht dem, was ursprünglich ohnehin der Plan bei den Sternstunden war. Erst die Poesie – dann die Musik. Und es steckt viel Poesie in diesem Lied. 

Ole Paus und Jonas Fjeld haben während vielen Jahren auf sehr vielfältige Weise zusammengearbeitet. Das 1989 entstandene Lied «Engler i sneen» ist eines der schönsten Ergebnisse dieser Kooperation. Ole Paus ist ja ein begnadeter und versierter Textverfasser. Und mit «Engler i sneen» hat er – sozusagen auf Engel kommt raus 😉 – einen wunderschönen und lebensweisen Text geschrieben. Und Jonas Fjeld ist nichts schuldig geblieben und hat dieses poetische Meisterwerk mit der passenden Musik ausgestattet.

Für diese Sternstunde habe ich erneut eine Aufnahme mit Lene Marlin ausgewählt – diesmal im Duett mit Kurt Nilsen.

Und hier wiederum der bekannte Deal. Eine etwas bessere (da nicht so stark komprimierte) Tonqualität – dafür Werbung am Anfang:
http://dbtv.no/2184965075001

Lene Marlin und Kurt Nilsen treten üblicherweise nicht gemeinsam auf. Sollten sie aber. Finde ich. Nicht immer, vielleicht. Aber oft. Ihre Stimmen ergänzen sich auf eine Weise, die für dieses Lied einfach perfekt ist. Aber diese Kombination würde auch bei anderen Songs eine gute Figur abgeben. 🙂

Ein grosses Kompliment verdient, einmal mehr, die Band. Ihr Arrangement schafft einen stimmungsvollen Hintergrund für die Engel im Schnee, denen dabei aber genug Raum bleibt, um ihre Flügelspannweite ungehindert zu entfalten. Bemerkenswert auch der Band-Sänger, der den Refrain harmonisch bereichert, ohne dem Duo im Vordergrund in die Quere zu kommen.

Eine so eindrückliche Darbietung lässt sogar das Unverzeihliche verzeihen. Nämlich die Tatsache, dass diese Version unvollständig ist. Natürlich möchten wir dieses Lied doch in seiner ganzen Länge hören. Vielleicht findet sich ja noch eine Lösung. Hier kommt vorerst der Originaltext. Vollständig.

 


Engler i sneen

Text • Ole Paus
Musik • Jonas Fjeld

Engler i sneen har sin egen sang.
Når natta er som svartest,
synger de om soloppgang.
Jeg stod i skyggen, i regn og vind.
Jeg var en fremmed til du åpnet deg og lot meg inn.

Jeg sto aleine helt til du steg frem.

Jeg var en hjemløs, men du gjorde meg til et hjem.
Du ga meg varme da alt var frost.
Englene i sneen har sin egen sang for folk som oss.

Så hold meg, bli hos meg og vær her,
sov hos meg og vær her
som flyktning og elsker og venn!
Og la meg bli til en del av deg,
låne kropp og sjel av deg
til himmelen revner igjen.
Englene i sneen vender hjem.

Engler i sneen har sitt eget liv.
De synger om vinteren,
men når våren kommer, visner de.
Engler i sneen har sin egen sang.
De synger at alt som lever
her og nå tar slutt en gang.

Engler i sneen lager sang av vind.

De synger for hvem som helst
som åpner seg og tar dem inn.
Engler i sneen synger uten ord,
og når våren kommer,
går de uten sorg og uten spor.

Så hold meg, bli hos meg og vær her,
sov hos meg og vær her
som flyktning og elsker og venn!
Og la meg bli til en del av deg,
låne kropp og sjel av deg
til himmelen revner igjen.
Englene i sneen vender hjem…

 


Glücklicherweise reicht der Platz noch für eine Zugabe (Sonntagskinder in Aktion). Hier kommt nämlich ein Ensemble, das uns unbedingt die vollständige Version von Engler i sneen vortragen möchte. Und das trifft sich supergut – weil wir die ja unbedingt hören wollen. 🙂

The Real Choir mit den Solisten Marianne Haugen und Hans Ole Hansen

 


Und nach diesem schönen Klangbild noch ein Bildbild – nämlich das zum ersten Video passende Gruppenbild • ©TV2

hvgm2-2
Kurt Nilsen • Ole Paus • Marion Ravn • Lene Marlin • Morten Abel • Anita Skorgan • Magnus Grønneberg 

 

15 Gedanken zu “★ Engler i sneen

  1. sternenkind11 sagt:

    Wunderschön – Poesie – Deine „freestyle“ Übersetzung 🙂 – das musikalische „Klanggefüge“ und die wunderbar harmonierenden Stimmen von Lene Marlin und Kurt Nilsen – alles in allem ein Traum :-)! Ein engelhaftes Dankeschön

    Gefällt 3 Personen

    1. Random Randomsen sagt:

      Herzlichen Dank für deine harmonische Resonanz. Es ist ja eigentlich erstaunlich, dass dieses Juwel nicht schon längst – in Dutzende Sprachen übersetzt – auf Weltreise gegangen ist. Allein der Text – so viel Herzensweisheit in einem einzigen Lied. Jedenfalls freue ich mich über jedes Herz, das sich von diesem poetisch-musikalischen Kleinod berühren lässt. 🙂

      Gefällt 3 Personen

      1. sternenkind11 sagt:

        So ist es oftmals mit Juwelen – sie erschließen sich oftmals einem kleineren Kreis, bis ihre Schönheit freigiebig geteilt und erkannt wird. Herzensdank für dieses herzensweise, berührende Juwel. 🙂

        Gefällt 1 Person

  2. Ulrike Sokul sagt:

    Der poetische Text hat mich sogleich angenehm berührt und umflügelt, und die musikalische und gesangliche Darbietung finde ich sehr harmonisch, klar und stimmig.
    Ich finde auch, daß alleine schon der herzenswarme, lebenstiefe und weisheitstransparente Text Weltbekanntheit verdient hätte.
    Was bin ich froh, daß ich Dank Deiner Websaite solche Juwelen nun nicht mehr verpasse!
    Schneeflügelberauschte Grüße von mir zu Dir 🙂

    Gefällt 2 Personen

    1. Random Randomsen sagt:

      Lieben Dank für deine beflügelte Resonanz. Was du über Text und Musik hier schreibst, würde ich – wenn dies kommentarfeldmöglich wäre – fett hervorheben und doppelt unterstreichen. 🙂
      Ursprünglich waren ja die Sternstunden als Ausnahmebeiträge gedacht. Inzwischen stellen sie wahrscheinlich bereits die umfangreichste Kategorie dar. Und das wird wohl vorläufig so bleiben. Es gibt noch viele Schätze, die ein dankbares Publikum verdienen – und natürlich ganz klar auch umgekehrt. 🙂
      Mit einem windgesangraunenden Gutenachtgruß. 🐻

      Gefällt 1 Person

  3. PPawlo sagt:

    Schon das Bild, das ich bezaubernd finde, und der Titel lassen etwas Poetisches erahnen…Gern bleibe ich bei einzelnen Zeilen hängen:
    Engel im Schnee haben ihr eigenes Lied…ihr eigenes Leben…verwandeln Wind in Gesang
    In schwärzester Nacht singen sie vom Sonnenaufgang
    Sie singen davon, dass alles, was lebt

    Was hier und jetzt ist, einmal enden wird
    … sei einfach da…

    Heimatlos war ich, doch du machtest mich zu einer Heimat
    Und dazu habe ich auch Zugang.
    Aber es gibt einige andere Passagen, die für mich geheimnisvoll und rätselhaft bleiben.
    Die Melodie kommt mir dann fast zu leicht herüber… Am meisten beeindruckt mich die tiefe, liebevolle Freude von Ole Paus dabei und für ihn wird das ja vollkommen passen… Und er muss es ja wissen!
    Auf jeden Fall ganz herzlichen Dank für diese berührende Sternstunde!

    Gefällt 1 Person

    1. Random Randomsen sagt:

      Herzlichen Dank für deine ausführliche Resonanz. Das Bild ist insofern ein Glücksfall, weil es, obwohl in einem anderen Zusammenhang entstanden, so wunderbar zu diesem Lied passt.
      Der Text wirkt auf mich wie eine Bildergalerie in Worten. Es besteht zwar ein Grundzusammenhang, ein verbindendes Thema. Aber es sind eben sehr starke Einzelbilder – und ich stelle mir vor, dass das ganz bewusst so gemacht ist. Einiges be- und verzaubert unmittelbar. Und ist auch sehr ein-leuchtend. Und anderes ist weit weniger fassbar. Muss es aber auch nicht sein. Das, zumindest, scheint mir die Musik auszudrücken. Das Hoffnungsvolle, Warme und Lichte selbst angesichts von Finsternis und Kälte. Und das, was – man weiß es ja von vornherein – nicht ewig sein kann, Sorg-los wieder loszulassen.
      Ja, diese offen-sichtliche Freude bei der Begegnung mit seinen Engeln – da kommen Dinge zum Ausdruck, die Worte kaum ausdrücken könnten. 🙂

      Gefällt 1 Person

  4. PPawlo sagt:

    Auch Dein letzter Satz ist ja ein Bild. Was das nun genau beinhaltet, kann ich nur erahnen und das ist auch gut so 😉 Die Macht der Bilder…vor allem, wenn Worte fehlen…
    Bilder sind überall, weil wir sie brauchen.
    Malerei speist sich ja auch aus diesen Quellen und ist nicht immer in Worte zu fassen.
    Bilder sind eine kraftgebende Quelle. Vielleicht sind Bilder meine Engel im Eis?
    Mich erinnern die Engel im Eis aber auch an Nixen, an Feen, eher Frauengestalten in unserer (noch männlich geprägten Fantasie), bezaubernd, geheimnisvoll, nicht greifbar, vergänglich, Freiheit einfordernd und versprechend, meist im Plural …
    Auch mit dem Internet hat es für mich zu tun…Was rüberkommt und was man mitteilt, ist Leben und eben doch nicht. Die Kontakte, soweit man sich nicht persönlich kennt, bleiben „Engel im Schnee“, für viele einsichtbar, für viele geltend, beliebig, z.T. anonym, aber sie können sehr bereichernd sein.

    Dir einen sonnenwarmen Tag! Mit lieben Grüßen, Petra

    Gefällt 1 Person

    1. Random Randomsen sagt:

      Herzlichen Dank für deine „englischen“ Nachgedanken. 🙂
      Etwas zu erahnen bedeutet ja, sich bewusst zu sein, dass man nie die „ganze Wahrheit“ wissen wird. D.h. man ist sich eines sehr großen Ganzen bewusst und weiß auch, dass man dies in seiner Ganzheit weder vollständig erkennen kann noch muss. Dadurch ist man reicher dran, als wenn man sich an eine (vielleicht nur einbildungsweise) gewusste Kleinigkeit klammert und diese für das Ganze hält. 🙂
      Erahnen ist ohnehin immer wichtig, wenn Sprache Bilder transportieren soll. Und das ist ja oft der Fall. Es kommt ja auch nicht von ungefähr, dass es so viele metaphorische Wendungen gibt.
      Es stimmt, es gibt erstaunlich viele Parallelen zu den Engeln im Schnee. Und der Gedanke, dass auch die viele Begegnungen im Internet diesen Engel-im-Schnee Charakter haben, hat mich bisher gar nicht gestreift. Aber das Bild passt in verschiedener Hinsicht wunderbar.
      Mit einem herzlichen Abendgruß. 🙂

      Gefällt 1 Person

  5. PPawlo sagt:

    Ja, Sprachbilder sind ein Faszinosum und sie bewirken ja auch einiges. Sie helfen beim Gesundwerden, zum Nachdenken über die eigene Wortwahl und die der anderen…Und sie inspirieren. Sicher noch einiges mehr. Beispiele findest du wahrscheinlich schneller… 😉
    Lass es Dir gut gehen!

    Gefällt 1 Person

    1. Random Randomsen sagt:

      Kommt hinzu, dass Sprache ihrem Wesen nach eigentlich Klang ist. Denn das geschriebene Wort ist ja „nur“ ein Hilfsmittel. Und wenn machtvolle Sprachbilder klingend artikuliert – und vielleicht durch musikalische Schwingungen verstärkt werden – können phantastische Dinge geschehen.
      Ich wünsche dir einen harmonisch-wohlklingenden Abend. 🙂

      Gefällt 1 Person

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