★ Kan eg gjørr någe med det

Eigentlich müsste ich heute nervös sein. Denn die heutige Sternstunde habe ich in der Kommentarsektion bereits über den grünen Klee bevorschusslorbeert. 🙂 Was, wenn der Beitrag die geweckten Erwartungen enttäuscht? Aber nein. Dergleichen wird nicht geschehen. Der Text. Die Musik. Die Musiker. All das bietet Gewähr dafür, dass keine Erwartung zu hoch geschraubt sein kann… 

Die heutige Sternstunde besteht aus zwei Hauptteilen – einem zweiteiligen ersten Teil und einem dreiteiligen zweiten Teil. Das hat mit der Geschichte dieses Liedes zu tun. Denn zunächst war da ein Gedicht. Ein Gedicht des Schriftstellers Gunnar Roalkvam. Und deshalb ist Teil 1 einzig dem Text gewidmet. Zunächst das Original (in Stavangerskalso dem Dialekt von Stavanger in Norwegen) und anschließend meine deutsche Übersetzung.

Der wie Gunnar Roalkvam aus Stavanger stammende Musiker Sigvart Dagsland hat das Potenzial dieses Gedichts erkannt und auf dessen Grundlage ein Lied geschaffen, dem Teil 2 des Beitrags gewidmet ist.

Zunächst aber Vorhang auf für das Gedicht:

 

Kan eg gjørr någe med det

Text • Gunnar Roalkvam
Musik • Sigvart Dagsland

Når eg ser at tunge skyer
trekke mørknå øve oss,
når eg ser de slibe kniver
og legge opp te det å sloss,
kan eg gjørr någe med det?
Kan eg gjørr någe med det?

Når eg ser at någen stige,
mens de tråkke andre ner,
når eg ser at mange skjelve
og bøye av for det som skjer,
kan eg gjørr någe med det?
Kan eg gjørr någe med det?

Ka kan eg gjørr?
Eg e så liden,
ka kan eg gjørr?
Eg e så liden,
hjelp oss samen
me som tror:
At møje kan me
hvis me vil det,
mens me vente
her på jord.

Når eg ser at drømmer bleikne,
og visjoner visne hen,
når eg ser at tvilen herske,
så lide tro me har igjen!
Kan eg gjørr någe med det?
Kan eg gjørr någe med det?

Ka kan eg gjørr?
Eg e så liden,
ka kan eg gjørr?
Eg e så liden,
hjelp oss samen
me som tror:
At møje kan me
hvis me vil det,
mens me vente
her på jord.

 

Kann ich etwas dagegen tun?

Wenn ich sehe, dass schwere Wolken
uns zunehmend in Dunkel hüllen,
wenn ich sehe, wie einige die Messer wetzen
und sich kampflustig zusammenrotten,

kann ich etwas dagegen tun?
Kann ich etwas dagegen tun?

Wenn ich sehe, dass die einen aufsteigen,
während sie andere niedertrampeln,
wenn ich sehe, dass viele zittern
und die Augen vor der Wirklichkeit verschließen,
kann ich etwas dagegen tun?
Kann ich etwas dagegen tun?

Was kann ich tun?
Ich bin so klein,
was kann ich tun?
Ich bin so klein,
helft, alle zusammen,
die wir daran glauben:
Dass wir vieles können
wenn wir es wollen,
während wir hier
auf Erden weilen.

Wenn ich sehe, dass Träume verblassen
und Visionen dahinwelken,
wenn ich sehe, dass der Zweifel herrscht,
und wir uns so wenig Vertrauen bewahrt haben!
Kann ich etwas dagegen tun?
Kann ich etwas dagegen tun?

Was kann ich tun?
Ich bin so klein,
was kann ich tun?
Ich bin so klein,
helft, alle zusammen,
die wir daran glauben:
Dass wir vieles können
wenn wir es wollen,
während wir hier
auf Erden weilen.

 


Nun also zum zweiten, musikalischen Teil. Die ursprüngliche Studioaufnahme von Sigvart Dagsland ist leider (man kennt das doch) im Netz nicht verfügbar. Aber es gibt eine sehr schöne und bewegende Live-Aufnahme, die ich hier an den Anfang stellen möchte:

Sigvart Dagsland mit Ingelin Reigstad Norheim und Hildegunn Garnes Reigstad


Dazu noch – man kann ja nie wissen – ein „Sicherheitslink“ zur gleichen Aufnahme:

https://youtu.be/XssEH4oAeJs?t=1m58s

 

TV2 sei Dank kann ich hier allerdings noch mit zwei weiteren spannenden Versionen aufwarten. Und dabei taucht ein Name auf, der international gesehen etwas bekannter sein dürfte als Gunnar Roalkvam und Sigvart Dagsland.
«Ladies and Gentlemen, please welcome Mr. Alexander Rybak
Ganz genau. Richtig gelesen. Fairytale-Alexander. 🙂
Aber sachte. Wer jetzt spornstreichs in Schockstarre verfallen möchte, möge sich bitte noch einige Augenblicke gedulden. Alexander Rybak ist nämlich durchaus nicht einfach ein fiedelnder Popsänger. Alexander Rybak ist ganz einfach ein großartiger Musiker, der über jede Menge Einfühlungsvermögen und eine überzeugende musikalische Ausdruckskraft verfügt – um ein Detail hervorzuheben: hört man seine Einlagen auf der Violine, erhält der Ausdruck Fairytale-Alexander eine ganz, ganz andere Dimension.

Hier als Alternative zum YT-Video der Link von TV2:
http://www.tv2.no/v/802326/?wf=latest

 

Und zum Abrunden Sigvart Dagsland und Alexander Rybak gemeinsam:

Auch hier sicherheitshalber der Link von TV2:
http://www.tv2.no/v/803122/

 


Als Zugabe für alle, die gerne mitsingen und besonders auch für Sprachinteressierte habe ich hier eine Gegenüberstellung der Textvarianten (zumindest von jenem Teil, der in den Videos mit Alexander Rybak vorkommt). Denn Alexander Rybak als „Nesoddværing“ singt natürlich in dem im Großraum Oslo gebräuchlichen Dialekt, während Stavangersk ein typischer Dialekt der Südwestküste ist. Im Duett-Video lässt sich der klangliche Unterschied schön erkennen.
Die Darstellung ist wie auf der Landkarte:
links = West / rechts = Ost

kanjeg

 


Und hier ein Gruppenbild der Darbietenden und des andächtigen Publikums von Video 2 & 3. 

hvgm-3
Sigvart Dagsland, Simone Eriksrud, Anneli Drecker, Samsaya, Lars Lillo-Stenberg, Alexander Rybak und Øivind «Elg» Elgenes © TV2

 


Pst! Heute habe ich noch eine ganz spezielle Zugabe im Gepäck.

Bei dieser Sternstunde passt ja der Ausdruck vom Domino-Effekt des seelischen Ausdrucks. Zunächst ein Gedicht. In sich abgerundet. Abgeschlossen. Keiner Ergänzung bedürfend. Trotzdem (oder vielleicht genau deshalb?) hat ein sensibler Musiker diesen Text als Anregung verstanden. Eine Melodie ist entstanden. Eine neue Dimension – durch passende Harmonien in der Tiefenwirkung ergänzt. Das Gedicht ist zum Lied geworden. Und Jahre später hat ein begnadeter Interpret dieses Lied um eine weitere Dimension bereichert.

Was perfekt ist, muss nicht unantastbar sein und unveränderlich bleiben. Man muss behutsam vorgehen, das ist wahr. Aber es ist möglich, Perfektes auf eine neue, reichere Ebene zu heben.

Den Ausdruck vom Domino-Effekt des seelischen Ausdrucks habe ich vor wenigen Tagen in einem Kommentar verwendet. Und wie es mein Freund, der Zufall, haben will, passt die Ursache dafür sehr gut zum heute vorgestellten Lied. Erstens, weil auch dort zunächst ein Gedicht war – und weil auch dort mehr daraus geworden ist. Und zweitens, weil das Gedicht zum Thema «kan eg gjørr någe med det?» passt. Denn es zeigt, dass es viele Situationen gibt, in denen wir etwas tun können. Aber es zeigt auch, dass es auf den richtigen Zeitpunkt ankommt. Denn eh man sich’s versieht, kann es zu spät sein…

Aber lest und seht und staunt selbst:

https://pawlo.wordpress.com/2016/08/05/zerlumptes-grau-und-ozeanblauragged-grey-and-ocean-blue/

15 Gedanken zu “★ Kan eg gjørr någe med det

  1. sternenkind11 sagt:

    Wunderschön und sehr berührend. Allein schon das Gedicht! Auf die Klangbilder darf ich mich noch etwas länger freuen, da macht die Internetverbindung im Hotel schlapp ;-). Sehr schön finde ich Deine Wortprägung Domino Effekt des seelischen Ausdrucks! So schenkt das „Zu-Fallen“ Freude und gebiert die Erweiterung, die für sich genommen einzigartig ist und dennoch verbunden mit ihrem Ursprung. Danke für Dein Sonntags-Geschenk :-)!

    Gefällt 5 Personen

    1. Random Randomsen sagt:

      Herzlichen Dank für deine Resonanz. Das gibt bestimmt ein spezielles Erlebnis, wenn du dieses bedeutungsvolle Gedicht in den verschiedenen klanglichen Varianten erleben darfst. 🙂
      Ich habe es als Lied kennen gelernt und war überrascht, als ich Jahre später erfahren habe, dass Text und Musik ursprünglich nicht als Einheit geschaffen wurden.
      Ja, der Zu-Fall kann ja sehr verschieden gedeutet werden. Eben auch bei diesem Domino-Effekt des seelischen Ausdrucks. Wenn man sich durch ein Werk so sehr berühren lässt, dass man selber etwas Neues schafft, hat das ja mit persönlicher Neigung zu tun. Und da passt das Bild der sich neigenden und einander zu-fallenden Dominosteine ganz schön.

      Gefällt 3 Personen

  2. PPawlo sagt:

    Das rührt mich jetzt sehr und da möchte ich auch gleich antworten!
    Der Sonntagsbeitrag ist ja eh ein ganz besonderer heute. Ich komme also schon von einer langen bezaubernden Reise, angesteckt durch deine überzeugende Vorstellung des Gedichtes von Gunnar Roalkvam, des Liedes von und mit Sigvart Dagsland und mit Alexander Rybak …dann auf Umwege geleitet, zu YouTube bis hin zu Alexander Rybaks genialen Violinenspiel von Vivaldis Sommer zur Ungarischen Rapsodie mit ihm, die ich zurück bei dir hier auch wiederfinde ….Labyrinth, Labyrinth,…
    und dann nach einem geheimnisvollen Psst! plötzlich eine Weiterleitung auf meine Seite!!!!
    Was für eine Sonntagsüberraschung! Und ich liebe Überraschungen!
    Sonst müsste ich oft auch gleich Frühstück machen, aber heute habe ich sogar Zeit, dir gleich zu antworten!
    Ich nehm dich jetzt einfach über alle Entfernungung hinweg und nicht einmal wissend, in welche Richtung ausholend (wo steckst du eigentlich?), in meine Arme und danke dir ganz herzlich dafür!!!
    Sozusagen unter Webfreunden… (das Wort mag ich eigentlich gar nicht, finde es mit dir aber langsam mit Leben erfüllt…)
    Einen wunderschönen Sonntag!

    Gefällt 3 Personen

    1. Random Randomsen sagt:

      Herzlichen Dank für dein tolles Feedback. Es freut mich auch besonders, dass der Domino-Effekt hier noch etwas weiter gegangen ist. Alexander Rybak auf der Violine ist – in ganz unterschiedlichen Geschmacksrichtungen – immer ein Erlebnis. Nebenbei erwähnt hat dieser talentierte junge Mann auch ein Kinderbuch verfasst – es erzählt von einem Troll, der nicht ganz so ist wie die anderen, und einer magischen Geige.
      Mein Beitrag war ja bereits nahezu fertig als dein Post mit Gedicht und Bild des kleinen Mädchens erschien. Der Gesichtsausdruck des Mädchens erinnerte mich an die Textzeile „Når eg ser at drømmer bleikne…“ Und da waren offenbar noch mehr Anknüpfungspunkte – wie im Beitrag beschrieben…
      Herzlichen Dank für den „bamseklem“. Mir gefällt der Ausdruck Webfreunde ausgezeichnet. Erstens, weil ein harmonisches Miteinander sich eben nicht auf bestimmte Formen festlegen und eingrenzen lässt. Und zweitens, weil hier auch das „Gewebe“ in all seinen Ausdrucksformen angesprochen wird.
      Auch dir einen traumhaften Sonntag. 🙂

      Gefällt 3 Personen

  3. Zeilenende sagt:

    Huch, Alexander Rybak. Und keine Sekunde gealtert. Eher noch ein paar Minuten jünger geworden, als er damals den ESC gewonnen hat. Seine Mitstreiter*innen sind meiner Meinung nach zu recht von der Interpretation gerührt. Du hast mir den Sonntagmorgen verschönert. Danke. 🙂

    Gefällt 2 Personen

    1. Random Randomsen sagt:

      Ja, der Junge ist immer noch der Alte (also eben Junge). 😉
      Es ist schön, dass die Bildregie auch die (leicht nachvollziehbaren) Reaktionen der Zuhörer*innen zeigt. Und es freut mich natürlich sehr, wenn ich hier ein Sonntags-Highlight anbieten konnte. 🙂

      Gefällt 2 Personen

  4. kinder unlimited sagt:

    Herzlichen Dank für diesen wunderbaren Beitrag. Ich lese gern die Texte mit, einfach um ein Gefühl für die Sprache zu bekommen. Obwohl interessanterweise das Gefühl übertragen wird, auch wenn man es nicht versteht. Ich lese die Übersetzungen erst immer hinterher. Besonders interessant war für mich neben der Musik, den Unterschied zwischen den verschiedenen Dialekten herauszuhören. Ich war gerührt. Danke nochmals !

    Gefällt 3 Personen

    1. Random Randomsen sagt:

      Gerne. 🙂
      Und es freut mich sehr, dass dir dabei auch die sprachliche Seite zusagt. Meist hat der Originalton einen ganz speziellen Zauber, der vieles transportiert. Die Bedeutung, die sich in einer Übersetzung wiedergeben lässt, ist dabei ja ohnehin nur ein Mosaiksteinchen im großen Ganzen.
      Dass hier neben viel musikalischem Können auch noch zwei so verschiedene Dialekte zusammentreffen, war natürlich ein Glücksfall. Und es hat im Duett sogar zu einem „Schmunzelmoment“ geführt. Weil Alexander Rybak für „gjøre“ statt „gjørr“ eine Silbe mehr braucht, muss er das „så“ weglassen – das gibt zunächst eine kleine (charmante) Kollision. (1:55 – 2:08)

      Gefällt 1 Person

  5. Simmis Mama sagt:

    Oh härrejuut, oder wie auch immer sich das schreibt. Habe mich jetzt durch die App geklickt um händisch auf deinen Blog zu kommen. Mein wordpress Reader zeigt dich mal wieder nicht mehr an. Ich les mich mal durch 🙂

    Gefällt 1 Person

      1. Simmis Mama sagt:

        Ja habe inzwischen als gelesen.:)))) Hören ist bei mir immer schwer. Bin meistens auf den Blogs während mein Kind schläft.
        Ich war auch immer unsicher mit dem Bärendienst. Ich habe es einfach immer in beiden Situationen benutzt 😉
        Aber ich benutze immer die Faust aufs Auge falsch herum. Hehe

        Gefällt 1 Person

        1. Random Randomsen sagt:

          🙂
          Aus meiner Sicht ist der Punkt ja, dass letztlich die Sprachbenutzer recht haben. Der Bärendienst nach La Fontaine macht ja nur Sinn, wenn man die passende Fabel kennt. Ist dies nicht der Fall, ist es ja legitim, einer Formulierung einen neuen Sinn zu geben. Ich habe mich zwar sehr an den Bärendienst in der „alten“ Bedeutung gewöhnt – aber die neue Deutung gefällt mir eigentlich besser. 🙂
          Die Faust aufs Auge habe ich mal so und mal so gehört. Inzwischen kenne ich mich überhaupt nicht mehr aus. Ich habe mir dann einfach den „Faust“ als Hörbuch besorgt – Faust aufs Ohr, gleichsam. 😉

          Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.