Los! op. 2.1 • Gyermekeknek

Mit dem heutigen Beitrag möchte ich einmal mehr den Faden meiner Los!-Rubrik wieder aufnehmen. Diesmal werde ihn mit meinem unter dem Titel The Nursery Rhyme Concerto erschienenen Kinderlieder-Intermezzo verknüpfen. Die Rubrik Los! soll ja – in einer langfristigen Perspektive – eine Art musikalische Weltreise sein. Und da gehört – selbst wenn sie sich nicht immer eindeutig geographisch lokalisieren lässt – die in mancher Hinsicht sehr eigene Welt der Kinder auch dazu. Eine Welt, die sich musikalisch sogar sehr gut bereisen lässt. Wie im ersten Beitrag der Rubrik beschrieben, hat Los! sowohl mit aufmerksamem Zuhören, als auch mit Aufbruch zu tun. Und genau so sind die heute präsentierten Werke zu verstehen. Als Einstieg in die fantastische Welt der Musik. Als Auftakt zu einer vielleicht lebenslangen Reise.
[Vor diesem Hintergrund habe ich auch mein Bild einer Segelschule wieder als Titelbild verwendet.]

Während der Nursery Rhyme Beitrag zeigen sollte, was geschieht, wenn Musiker sich auf ihre Weise mit bekannten Kinderliedern auseinander setzen, geht es hier nicht um Arrangements / Interpretationen, sondern um Kompositionen, die mit Bezug zur Welt der Kinder geschaffen wurden. Zahlreiche Komponisten waren in diesem Bereich auf vielfältige Weise aktiv. Für heute habe ich vier Werke ausgewählt, deren gemeinsamer Nenner wohl Instrumente kennen lernen lauten dürfte.

Trotz dieser Beschränkung auf vier Werke sind die hier präsentierten Hör- (und teilweise Seh-) Beispiele recht umfangreich. Es kann also durchaus klug sein, diese erste Etappe in mehreren Abschnitten zu bereisen. Und natürlich lässt sich, wie immer, auch einfach ganz nach persönlichem Geschmack etwas herauspicken. Die Devise muss ja nicht alles oder nichts lauten.

 


Sergej Prokofjew • Peter und der Wolf

Bei seinem musikalischen Märchen Peter und der Wolf hat Sergej Prokofjew geschickt verschiedene Register gezogen. Im Verlauf dieses Werks erzählt er eine Geschichte und sichert sich damit die Aufmerksamkeit seines Publikums. Die Protagonisten nutzt er dabei, um ausgewählte Musikinstrumente und individuelle musikalische Motive zu präsentieren. In der eher sparsamen Instrumentierung sind die einzelnen Instrumente leicht zu identifizieren. Gleichzeitig wird auf spielerische Weise die Anwendung musikalischer Leitmotive gezeigt.

Peter und der Wolf ist ein sehr beliebtes Werk, das auf ganz unterschiedliche Weise aufgeführt wird. Für diesen Beitrag habe ich zwei Versionen ausgewählt. Einmal die Inszenierung der Augsburger Puppenkiste, die bestimmt viele Kinder (hauptberufliche und nebenberufliche) verzaubern wird. Und zum Zweiten die Version als reine Orchestersuite. Denn die Geschichte wird ja musikalisch miterzählt und lässt sich auch ohne Text nachvollziehen.

Zunächst also die Version mit Erzähler in einer Inszenierung der Augsburger Puppenkiste

 

Wer die Musik in einer reinen Orchesterfassung hören möchte, findet hier eine Aufnahme mit dem New York Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Leonard Bernstein

 

Einer sehr speziellen Darbietung von Peter und der Wolf – spitzbübisch-charmant erzählt von Jacques Brel – habe ich bereits einen früheren Beitrag gewidmet.

 


Benjamin Britten • The Young Person’s Guide to the Orchestra

Benjamin Brittens Variationen und Fuge über ein Thema von Henry Purcell sind, wie der Name verrät, ein Panorama der verschiedenen Sektionen eines Sinfonieorchesters. Es geht hier nicht in erster Linie um einzelne Instrumente, sondern um die verschiedenen Register, die den Klang eines Orchesters ausmachen. Der Verlauf des Werkes folgt einer klaren musikalischen Struktur. Doch sind die einzelnen Abschnitte so instrumentiert, dass wir, dem Lauf des musikalischen Flusses folgend, die verschiedenen Klangräume eines Orchesters erkunden können.

Für diesen Beitrag habe ich zwei Versionen ausgewählt. Bei der einen sind die jeweils aktiven Instrumentengruppen im Bild zu sehen. Bei der zweiten handelt es sich um eine reine Tonaufnahme. Das musikalische Erlebnis verändert sich, wenn man sich ausschließlich auf die klanglichen Eindrücke stützen muss (darf). Zudem ist die zweite Aufnahme unter der Leitung des Komponisten entstanden.

Wer sich – vorbereitend oder parallel zum Hörerlebnis – genauer in die Struktur des Werkes vertiefen möchte, findet eine kurze Beschreibung unter dem folgenden Wikipedia-Link

Hier zunächst eine Aufnahme mit Bild und Ton. Es spielt das WDR Sinfonieorchester Köln unter der Leitung von Jukka Pekka Saraste.

 

Und hier die Aufnahme mit dem London Symphony Orchestra unter der Leitung von Benjamin Britten.

 


Béla Bartók • Gyermekeknek (Für Kinder)

Béla Bartóks Klavierzyklus Für Kinder nimmt in der heutigen Auswahl eine Sonderstellung ein. Es ist das einzige Werk, das explizit für den Instrumentalunterricht verfasst wurde. Und es ist auch das einzige, das aus Bearbeitungen traditioneller Melodien besteht (Wobei die Arbeit des Komponisten beim Sammeln und Bearbeiten dieser Melodien nicht zu unterschätzen ist). Die Sammlung ist für den Klavierunterricht gedacht – der Schwierigkeitsgrad der Stücke steigert sich kontinuierlich (genau wie bei Bartóks Klavierschule Mikrokosmos). Es handelt sich um Bearbeitungen ungarischer (Heft 1) und slowakischer (Heft 2) Volks- und Kinderlieder. Und das macht sie für musikliebende Gemüter auch zum Zuhören interessant. Denn die meisten der hier verarbeiteten Melodien dürften nicht so furchtbar bekannt sein. Obwohl auch einige in den jeweiligen Herkunftsländern sehr bekannte Stücke dabei sind, dürften andere ohne Béla Bartóks Sammlung heute nahezu vergessen sein. 

Zunächst eine Auswahl gespielt von Béla Bartók. Der Pianist trägt nicht nur den gleichen Namen wie der Komponist. Es handelt sich zudem auch noch um ein- und dieselbe Person. Einen vergleichbaren Fall haben wir ja bereits beim Young Person’s Guide erlebt. Manchmal häufen sich die Zufälle in ganz unglaublicher und fast unheimlicher Weise.

 

Und hier eine Gesamtaufnahme mit dem Pianisten Dezső Ránki.

 


Camille Saint-Saëns • Le Carnaval des Animaux

Das für heute letzte Werk, der Karneval der Tiere, hat eine ganz eigene Geschichte. Es war ursprünglich nicht unbedingt als Musik für Kinder gedacht. Und es wurde zu Lebzeiten des Komponisten nicht veröffentlicht. Inzwischen gehört es zu den beliebtesten Werken von Camille Saint-Saëns. Die einzelnen Stücke werden heute oft durch einen Erzähler eingeleitet. Und in genau dieser Form ist das Werk auch bei Konzerten für Kinder sehr beliebt.

Ein Blick auf die detaillierte Beschreibung der einzelnen Stücke dürfte ganz interessant sein. Denn es handelt sich nicht nur um eine Parade verschiedener Tiere (die ja in den Versionen mit Erzähler vorgestellt werden), sondern der Carnaval enthält auch Anspielungen auf Werke anderer Komponisten.  

Zunächst eine Version mit Roger Moore als Erzähler – englisch gesprochen und mit dänischen Untertiteln versehen. 

 

Als Zwischenspiel eine rein musikalische Version mit Marta Argerich und Nelson Freire (Klavier), Isabelle van Keulen und Gidon Kremer (Violine) und Mischa Maisky (Cello), sowie weiteren, leider nicht namentlich erwähnten Interpreten.

 

Und hier eine typische Version für Kinder – erzählt von Marko Simsa.

 

17 Gedanken zu “Los! op. 2.1 • Gyermekeknek

  1. finbarsgift sagt:

    Wundervoller Beitrag!

    In der Tat sind das alles Werke, die ich schon als Kind kennenlernte 🙂

    Mit Bachs Notenbüchlein für seine Partnerin Anna Magdalena, sowie mit Bartoks Mikrokosmos und für Kinder begann mein Klavierunterricht, und einigen Stücken von Satie 🙂

    Hab einen schönen Tag!

    Gefällt 2 Personen

    1. Random Randomsen sagt:

      Herzlichen Dank für deine feine Resonanz. 🙂
      Es freut mich, dass dir der musikalische Ausflug ins Kinderzimmer zusagt und Erinnerungen an erste Kletterpartien auf den Tonleitern lebendig werden lässt. Bartóks Werke für den Klavierunterricht finde ich ganz besonders faszinierend, weil er für pädagogische Zwecke ein akribisch gesammeltes musikalisches Erbe verwendet. Schöner kann man kaum Brücken zwischen Vergangenheit und Zukunft bauen.
      Auch dir einen wunderschönen Tag und ein angenehmes Wochenende. 🙂

      Gefällt 2 Personen

  2. Zeilenende sagt:

    Da hast du schön gesammelt und auch die meisten Klassiker beisammen. Peter und der Wolf finde ich in der Puppenkisten-Version ganz großartig, aber ich bin ja auch ein Fan der Puppenkiste (und danke deshalb für die Gelegenheit, es noch einmal zu sehen zu bekommen). Wer auf der Liste auch noch Erwähnung verdient hätte, wäre Bedrich Smetana. Anhand der Moldau habe ich damals in der Grundschule nicht nur gelernt, wie sinfonische Dichtung funktioniert, sondern wir haben auch viel über Klangfarben, Motive, etc. gelernt. Auch wenn Smetana es nicht didaktisch angelegt hat, funktioniert das wegen der „bildhaften Musik“ bei ihm auch ganz wunderbar.
    Zu Britten noch: Ich mag dieses Stück ja sehr gern, weil er das Orchester so gekonnt filetiert. Aber wenn ich mich recht entsinne, gibt es zu diesem speziellen Stück die Anekdote eines Zuschauers, der am Ende der Aufführung aufstand und rief, wann das Orchester denn endlich aufhören würde, Purcell immer nur anzuspielen und ihn endlich ganz zu spielen. Das bringt mich immer herzlich zum Schmunzeln.

    Gefällt 2 Personen

    1. Random Randomsen sagt:

      Herzlichen Dank für deine wohlklingende und vielschichtige Resonanz. 🙂
      Diese Puppentheater-Aufnahme ist ja bald ein halbes Jahrhundert alt. Aber das hat so einen speziellen, wahrscheinlich zeitlosen, Charme.
      Stimmt. Die Moldau kann, wenn es geschickt angestellt wird, auch ganz gut als Einstiegsdroge in verschiedene Aspekte der Sinfonik verwendet werden. Auch wenn Smetana keine Worte benutzt, erzählt er doch eine Geschichte – und das ist immer ein guter Aufhänger.
      Die Anekdote zum Young Person’s Guide war mir nicht bekannt. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass sich so eine Szene zugetragen hat. Oder es ist zumindest gut ausgedacht. Amüsant ist es so oder so. 😀

      Gefällt 1 Person

  3. PPawlo sagt:

    Deine sehr schöne Sammlung an Musik für Kinder bin ich immer noch nicht ganz durch…Schade!
    Ganz entzückend und beazubernd finde ich Peter und Wolf mit der Augsburger Puppenkiste. Da ich bisher diese Musik nur gehört habe, war es für mich außerdem sehr interessant, wie sich doch Wahrnehmungsschwerpunkte verlagern, wenn auch das Visuelle vorgegeben wird. Noch gar nicht gekannt habe ich auch Bartoks Gyermekeknek. Ein schöner Impuls, überhaupt mal wieder Bartok zu hören! Eine Zeit lang habe ich ehrenamtlich mit Kindern Musik gehört, sie in Gestik oder Geschichten umgesetzt, danach oft mit ihnen getanzt und fast immer danach gemalt. Damals wär ich sehr, sehr froh gewesen, auf diese, deine Seite zu kommen…So musste ich mir alles selbst zusammensuchen. Aber vielleicht profitieren ja andere jetzt in ähnlichen Situationen davon! Das wäre sehr wünschenswert, weil diese Musik auch für Kinder sehr viel bedeuten und heilsam sein kann.
    Aber auch jetzt herzlichen Dank dafür!

    Gefällt 2 Personen

    1. Random Randomsen sagt:

      Herzlichen Dank für dein schönes Feedback. Tatsächlich ist es so, dass in der ‚Augsburger-Version‘ die Geschichte eine völlig neue Dimension bekommt. Manchmal haftet älteren Produktionen mit der Zeit ein Hauch von Altbackenheit an. Aber der Charme der Puppenkisten-Darbietung scheint unverwüstlich zu sein. 🙂
      Musik ist (zusammen mit zahlreichen anderen Formen der Liebe) für Kinder sehr wichtig. Ich gehe mal davon aus, dass deine musische Aktivität mit Kindern dir viele unvergessliche Erlebnisse geschenkt hat. Und natürlich freue ich mich, wenn meine Beiträge – auf welche Weise auch immer – einen Funktion Inspiration transportieren können. 🙂
      Mit einem herzlichen Sonntagsgruß von mir zu dir. 🙂

      Gefällt 1 Person

  4. Karin sagt:

    Petrus verbannt mich in die Innenräume und verführt zum Blogbummel und jetzt bin ich neugierig, ob es dieses Jahr einen Adventskalender bei Dir gibt und etwas traurig, weil Yt drei Deiner hier eingestellten Beiträge gesperrt hat. Ich bin auf der Suche nach einem schönen Hörbuch zu Peter und der Wolf für den ältesten Enkelfratz.Aber mir ergeht es bei älteren Einträgen nicht anders, wir sind der Willkür von Yt ausgesetzt.
    Ich werde diesen schönen Post an das Töchting senden und sie wird den Hörbert damit füttern, sein Kinderradio seit dem 5. Geburtstag.
    Bummelgrüsse mit keknek – klingt so nach Schabernack – vom Dach, Karin

    Gefällt 1 Person

    1. Random Randomsen sagt:

      Lieben Dank für deine blogbummelnde Resonanz. 🙂
      Ja, manchmal ist das etwas frustrierend. Mit unschöner Regelmäßigkeit verschwindet die Musik zu den Beiträgen. Das ist besonders ärgerlich, wenn eben die Musik die eigentliche Hauptsache eines Beitrages ist (oder wäre). Teilweise habe ich Links auch schon ersetzt – aber es ist eine Sisyphusarbeit… :/
      „Gyermekeknek“ darf aufgrund seiner Bedeutung auch durchaus nach Schabernack klingen. 😉
      Der Adventskalender fällt dieses Jahr leider aus. Abgesehen vom Aufwand während der „Sendezeit“ bedarf er auch einer recht langen Vorbereitungszeit (es gilt ja, Lieder zu finden, die man dann auch in geeigneten Aufnahmen präsentieren kann). All dies liegt in diesem Jahr weit außerhalb meiner Reichweite.
      „Peter und der Wolf“ ist bei mir übrigens auch in einem eigenen Beitrag zu finden. Gut versteckt unter dem Titel „Karfreitagsbeifangsbeitrag“. Zwei der drei Videos sind sogar immer noch funktionstüchtig. Eine französische Version mit Jacques Brel und eine deutsche Version aus „böhmischer“ Familienproduktion. 🙂
      Mit einem regennassen (der Schnee hat sich in die Berge verzogen) Nachmittagsgruß 🐻

      Gefällt 1 Person

  5. Karin sagt:

    Danke für Deine ausführliche Antwort – die Gyermekeknek hatte ich inzwischen ergoogelt – paßt wirklich -Ungarisch ist doch eine charmante, wenn auch wahnsinnig schwierige Sprache. Den Peter werde ich später bei Dir suchen, habe ihn inzwischen beim Sortimenter bestellt, es gibt noch die alte Ausgabe -jetzt mit CD – , die damals das Töchting hatte.
    Für den Nicht-Adventskalender werden alle Deine Leselauscher- und innen Verständnis haben, da gibt es dieses Jahr viel, das wichtiger ist. Außerdem hat das Wiederhören der alten ja auch seinen Reiz.
    Aus trockenem Himmel über dem Dach, es wird kühler, einen Spätnachmittagsgruß zu Dir, Karin

    Gefällt 1 Person

    1. Random Randomsen sagt:

      Den Titel habe ich kurzerhand bei Bartók gemaust, der seinen Klavierzyklus lapidar (aber treffend) „für Kinder“ benannt hat. 😉
      Mit Ungarisch habe ich lange geliebäugelt. Mit dem Klang dieser Sprache habe ich mich früh angefreundet. Aber der Lernaufwand erschien mir doch zu groß – zumal für mich kaum ein Nutzen erkennbar war.
      Die Pause beim Adventskalender hat ja auch ihr Gutes. Denn international verfügbare, gute Aufnahmen nordischer Weihnachtslieder sind doch eher rar. Die wirklich guten Aufnahmen werden oft als CD herausgegeben – und die sind dann aus urheberrechtlichen Gründen kaum im Netz verfügbar. Nun haben die Musiküsse halt etwas länger Zeit, das Reservoir wieder aufzufüllen. 😀
      Mit einem herzlichen Abendgruß 🐻

      Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.