Heaven O’Nerd

Der heutige Beitrag beginnt mit einem Kompliment. Genau genommen sind es sogar mehrere. Ein ganz komplexer Komplimentekomplex, sozusagen. Ausgesprochen (oder besser gesagt, ausgeschrieben – oder vielleicht noch besser gesagt schreibenderweise ausgesprochen) im Beitrag Zeilenende, be a Nerd! In diesem Beitrag hat Zeilenende O’Sammelsurium eine Zeile sehr spezieller Fragen auf seine unnachahmliche und absolut lesenswerte Art beantwortet. Und sozusagen als Nachspeise hat er diese Fragen gleich weiter gereicht. Mit folgenden Worten:

Ich habe ein paar Leute im Auge, bei denen ich mir vorstellen kann, dass sie scharf auf die Fragen sind, scharf drauf werden, wenn sie sie beantworten dürfen oder sie ohne scharf zu werden mit viel Humor zu nehmen wissen.

Dass diese Fragen unter anderem auch bei mir gelandet sind, hat Zeilenende dergestalt begründet:

Ich dachte halt kurz an die sechs größten Nerds unter meinen Followern.

Und wer darin kein Kompliment erkennt, hat Zeilenendes Beitrag Zeilenende, be a Nerd! nicht gelesen. Na, sowas!

Der langen Rede kurzer Beginn: Zeilenende hat es so gewollt. Ich habe kräftig mitgewollt. Und des Menschen Wille ist ja bekanntlich sein Himmelreich…


Welche Superheldenfähigkeit hättest du gerne?

Was? Noch eine weitere Superheldenfähigkeit? Zusätzlich zu denen, über die ich bereits verfüge? Ach, nee. Das tut doch nicht nötig. Maßlosigkeit ist ja schön und gut. Aber man sollte dabei nicht übertreiben.

Man kann ja träumen. Das Problem wäre dann allerdings, unabhängig von der jeweiligen Superheldenfähigkeit: Was stelle ich damit an? Das Risiko ist ja riesig, dass man einfach jede Menge Schaden anrichten und Schuld auf sich laden würde. Weit jenseits der Grenze dessen, was sich wieder richten lässt. Man würde – vielleicht in bester Absicht – Dinge anrichten, die man besser unterlassen hätte. Und man würde – vermeintlich durch Schaden klug – bei anderer Gelegenheit Dinge unterlassen, die man wohl besser getan hätte. Also unterm Strich gesehen lasse ich den Superheldenfähigkeitskelch gerne in weitem Bogen an mir vorübergehen.

Halt! Stopp! Moment!

Eine Superheldenfähigkeit hätte ich allerdings doch ganz gerne. Ich möchte Musik machen können wie Johann Sebastian Bach. Dieses ungeheure Potenzial in der heutigen Zeit mit ihren ganzen Möglichkeiten ausleben können. Das hätte durchaus seinen Reiz. 


Gibt es etwas im Leben, das du bereust?

Das kommt ganz auf den Tag an. Also, natürlich nicht auf den Wochentag. Das wäre ja auch eine Möglichkeit. Ich bereue nur dienstags. Oder Donnerstag und Sonntag als reuefreie Tage. Aber es war also nicht ganz so gemeint.

An ganz schlechten Tagen bereue ich, überhaupt geboren zu sein. Meist sind es aber eher Kleinigkeiten. Etwa beim Essen und Trinken. Glücklicherweise brauche ich mich nicht mit Kalorienzählerei herumzuschlagen. Von daher wäre Genuss ohne Reue also möglich. Mein Problem damit ist aber, dass mir bei den meisten Genussmitteln von einem Quentchen zuviel speiübel wird. Und in solchen Fällen ist, finde ich, bereuen genau der richtige Ausdruck. 

Wenn es um die eher größeren Dinge im Leben geht, finde ich den Ausdruck bereuen für meinen Teil meist eher unpassend. Es gibt zwar Dinge, die ich nicht wieder tun würde. Aber vor allem deshalb, weil manchmal einfach ein Schlussstrich angebracht ist. Ohne Tamtam und ohne Lamento. Alles hat seine Zeit. Diese Erkenntnis ist ja nicht erst seit Karl Ove Knausgård bekannt.  


Wie würdest du dich stylen, wenn es keine gesellschaftlichen Normen und „Vorgaben“ gäbe? Oder bist du da jetzt schon so frei?

Die Frage ist kniffliger als sie auf den ersten Blick ausschaut. Für mich zählen eindeutig in erster Linie praktische Faktoren. Und in zweiter und dritter Linie ebenso. Ich würde sogar so weit gehen und behaupten, dass ich auf gesellschaftliche Normen pfeife. Und genau an dieser Stelle regt sich der Verdacht, dass es eine gesellschaftlich normierte Melodie sein könnte, die ich da pfeife. Auch wenn es mir heute rundweg egal ist, was ‚man‘ bei dieser oder jener Gelegenheit trägt. Und selbst wenn ich praktische Erwägungen in den Vordergrund stelle. Ich kann unmöglich sagen, wie weit verinnerlichte (und als solche nicht erkannte) gesellschaftliche Normen da eine Hand im Spiel haben. Interessant – aber leider unmöglich zu beantworten – wäre die Frage, wie ich mich stylen würde, wenn ich nie mit gesellschaftlichen Normen konfrontiert worden wäre. 


Du bist ein Fußboden. Wie fühlst du dich dabei?

Großartig. Vom Fußabtreter zum Fußboden. Was für ein Karrieresprung! Ich liebe es, wenn man auf mir herumtrampelt. Vielleicht könnte jemand noch ein paar schwere, spitze Gegenstände fallen lassen. 😉


Hast du ein Vorbild? Wenn ja, welches?

Ich muss schon sehr bitten. Ich BIN ein Vorbild! Jawoll.

Zumindest bin ich vielleicht ein Vorbild für den Umgang mit Vorbildern. Nach meiner Einschätzung gibt es in Bezug auf Vorbilder zwei Extreme, vor denen man sich hüten sollte. Das eine ist Personenkult. Selbst wenn jemand über eine noch so hervorragende Fähigkeit verfügt – diese Person blindlings nachzuäffen finde ich pathetisch.

Das zweite Extrem ist der Irrglaube, keine Vorbilder zu haben. Wir werden in unseren Handlungen pausenlos beeinflusst. Selbst wenn wir noch so individuell und originell sein wollen (und es vielleicht sogar sind) – letzten Endes handelt es sich doch höchstens um einen Ich-verbrämten Strom weitestgehend fremder Einflüsse. Wichtiger als die Frage nach ganz konkreten Vorbildern scheint mir daher die Aufmerksamkeit dafür, welche Einflüsse wir auf welche Weise auf uns wirken lassen.


Bist du stolz auf dich?

Aber sowas von. Immerhin bin ich der betretenste Fußboden der Welt. Ach, nö. Das mit dem Fußboden war ja eine andere Frage. Jetzt bin ich schon wieder kein Fußboden mehr. Hier wird aber wirklich geistige Flexibilität verlangt. Gut, dann bin ich eben stolz darauf, kein Fußboden zu sein.

Und damit sind wir schon mitten im Thema. Würde man jemanden fragen: «Bist du stolz, kein Fußboden zu sein?» Wer, außer mir, würde schon mit «Aber sowas von.» antworten? Die meisten würden das ganz einfach bescheuert finden und behaupten, das sei doch kein Grund, stolz zu sein. Und da stimme ich zu. Für jemanden, der als Mensch geboren wird, ist es in der Tat keine herausragende Leistung, kein Fußboden zu sein. Also warum in sieben Engels Namen sollte man auf so etwas stolz sein? Das Komische ist nur, dass gar nicht so wenige Menschen auf eben so absurde Dinge stolz sind. Allen Ernstes.

Und die Moral von der Geschicht‘: Die Clownfrühstücker sterben vorläufig noch nicht aus.


Welche spitzohrigen, fiktiven Wesen sind dir am liebsten?

Elfen!
Da gibt’s für mich nicht viel zu überlegen. 🙂

Zwar fällt mir soeben auf, dass hier von fiktiven Wesen die Rede sein soll.
Aber was soll’s. Quod scripsi, scripsi. 😉


Stell dir vor, es gibt Einhörner. Würdest du eins besitzen wollen?

Stell dir vor, es gibt Einhörner. Ich finde sie faszinierend. Aber ich glaube eher nicht, dass man die besitzen kann. Jedenfalls machen sie auf mich den Eindruck, als wäre ihnen das Konzept des Sichbesitzenlassens eher unbekannt.

narwhalNarwale © smrtenglish.com


Welches Geek-Artefakt würdest du gerne besitzen?

Ein Geek-Artefakt im eigentlichen Sinne ist es wohl nicht. Und ich würde es auch nicht unbedingt besitzen wollen. Aber den Moog Modular Synthesizer von Keith Emerson einfach mal einen Monat lang zur freien Verfügung. Zum Rumspielen. Warum nicht? 

OLYMPUS DIGITAL CAMERAMoog Modular Synthesizer © digitalmusic.com


Welche griechische Gottheit wärst du am liebsten?

Nemesis.

Rache ist süß. Ich liebe Süßigkeiten. 😀

Soo einfach kann das Leben sein, wenn man ein wenig simpel gestrickt ist.
Kann, wenn man ist
Könnte, wenn man wäre

Allerdings…
Würde ich den lieben, langen Tag mit gerechtem Zorn und ähnlichem Kram zubringen wollen?
Nein.
Und nochmals nein. 

Deshalb kurz und bündig: Aoide.
Das passt. 🙂


Was ist dein Lieblingsparasit?

Liebling und Parasit – das bringe ich irgendwie nicht miteinander in Einklang. Wenn es um Parasiten geht, hat es sich bei mir ausgelieblingt. So schaut’s aus.

Man mag sich fragen, woher diese unversöhnliche Abneigung rührt. Vielleicht hat es damit zu tun, dass wir ja auch als Menschen mit unserem Lebensstil in mehr oder weniger großer Ausprägung parasitär leben. Und wer bekommt schon gerne seine Schattenseiten als Spiegelbild vor die Nase geknallt?

 


Klangbild: Take a Pebble

Keith Emerson • Komposition
Massimo Bucci • Klavier (und Arrangement)

 

14 Gedanken zu “Heaven O’Nerd

  1. Zeilenende sagt:

    Das war immens spaßig. Das Bereuen, wie du es schilderst, kommt mir bekannt vor. Das hält aber nie lange vor. Da braut sich dann was neues zusammen und ich kann wieder bereuen ….
    Aber eine Muse? Und dann nicht einmal Kalliope? Hätte nicht gedacht, dass du SO ein Schöngeist bist. 🙂

    Gefällt 1 Person

    1. Random Randomsen sagt:

      Das stimmt. Diese Sorte „NIE mehr!“ ist Reue im Eintagsfliegenformat. 😉

      Kalliope wäre grundsätzlich schon eine gute Alternative. Allerdings ist die für so viele Dinge zuständig – da wär’ ich wahrscheinlich zu faul für. 😉 Und außerdem – um ein berühmtes Zitat zu verwenden – Maßlosigkeit ist ja schön und gut. Aber man sollte dabei nicht übertreiben. 😀

      Liken

  2. Ulrike Sokul sagt:

    Ach, das ist mal wieder herrlich amüsant, wie Du dies Frage-Antwort-Duell bewortspielst!
    Was frau da so alles über Dich erliest: musikalische Superkräfte, ein kabelsalatiges Musikinstrument, schwimmende Einhörner, eine singende Muse, vorbildliche Fußbodenhaftung, Modestilimmunität und Elfenohren (oder Ohrenelfen?) …

    Spitzohrige Grüße von der Bücherfee 😉

    Gefällt 5 Personen

    1. Random Randomsen sagt:

      Ganz herzlichen Dank für deine zauberhafte Resonanz. 🙂 Es freut mich, dass dir diese etwas eigenwillige Rundreise zusagt. So ein spezieller Fragenkatalog ist natürlich eine besonders schöne Gelegenheit, das Angenehme (wortspielerisches Austoben) mit dem Angenehmen (ein bisserl was von mir preiszugeben) zu verbinden.
      Mit einem musisch sang- und klangvollen Gutenachtgruß. 🙂

      Gefällt 2 Personen

      1. Ulrike Sokul sagt:

        Gerne, gerne …
        Hiermit gebe ich außerdem zu, daß ich unheimlich neugierig bin und SEHR gerne bei solchen Fragespielen mitlese – sofern die Fragen originell sind. Dabei zeigen sich zum Teil Facetten, die sonst nicht zu Wort kommen.
        Ich wünsche Dir eine gute und stille Nacht mit wohlfühligen Träumen… 🙂

        Gefällt 3 Personen

        1. Random Randomsen sagt:

          Eine gesunde Neubegierde ist ja auch durchaus am Platz – man möchte ja doch gerne eine Ahnung haben, mit was für Geistern man zu schaffen hat (oder ob es am Ende doch nur Gespenster sind). Und originelle Fragen zeigen auf jeden Fall Facetten, die bei Nullachtfuffzehngelaber gänzlich verborgen blieben.
          Auch dir eine traumselig-wohlige Nachtruhe. 🙂

          Gefällt 2 Personen

  3. Mein Name sei MAMA sagt:

    Das war wieder himmlisch komponiert! Und, Nemesis ist ja eine ausgezeichnete Wahl, nicht nur weil es auch eine Star Trek Reminiszenz ist (ui, obwohl Picard, aber das Thema gehört jetzt gar nicht hierher). Mit dem „Gerechtigkeitsteil“ hätte ich aber sicherlich so meine Probleme: Da argumentiert man dann ewig herum, was jetzt gerecht ist und dann ist schon wieder Feierabend und der Zorn ist längst verflogen. Das artet dann wirklich in Arbeit aus!
    Aoide ist natürlich eine sehr passende Muse für diesen außergewöhnlichen Blog, nur der Name der Muse ist irgendwie ganz unpassend, also wenn man es als Ostösterreicher so ausspricht, a oide…
    Und ich dachte immer Musen sind besonders hübsch und jung und verteilen gerne Küsschen.
    Moog mag man eben. Deine Artikel führen mir immer wieder vor Augen wie groß der Bereich meines absoluten Nichtwissens ist. Aber Bach am Synthesizer – das ist eine geniale Vorstellung 😉

    Gefällt 1 Person

    1. Random Randomsen sagt:

      Vielen Dank für die Blumen. 🙂
      Eben – der Spagat zwischen gerecht und Zorn ist doch kaum auszuhalten.
      Aoide habe ich ausgewählt, weil es inhaltlich passt und auch schön klingt. Dass da noch ein doppelter Boden drinsteckt habe ich tatsächlich übersehen. Das passt mir aber ganz gut. Erstens, weil ich solche Doppelbödigkeiten sehr mag. Und zweitens, weil man sich damit, wie ich doch hoffe, Zeus, den alten Schwerenöter, vom Leib halten kann.
      Zeus und Hermes im Park lustwandelnd werden der singenden Aoide ansichtig.
      Zeus (stieläugig): «Bei Zeus, wer ist denn DAS?»
      Merkur (schelmisch): «A oide!»
      Zeus (die Augen eiligst entstielend): «A. So. Mei.» (stapft missmutig von dannen)
      😀

      Gefällt 1 Person

  4. PPawlo sagt:

    Dein „wortspielerische Austoben“ ist wieder voll gelungen!! 🙂 Lachen garantiert!! Bei deinem facettenreichen Humor ist wahrscheinlich für jeden etwas dabei!!
    Mich freut auch sehr, dass du ein „Vorbild für den Umgang mit Vorbildern“ bist, so ganz unverbildet! 😉
    Und dass ich endlich mal Einhörner schwimmen sehen kann! Leider hast du von spitzohrigen Elfen gar kein Abbild reingestellt! Schade!
    Ich kann mir auch gar nicht vorstellen, dass du je um eine Antwort verlegen bist!?
    Auch deine Musik ist wieder schön ausgesucht und „Pebbles“ passt ja gut. (Von mir existiert auch eine ganze Bilderreihe mit diesem Titel…)
    Hab ein schönes Wochenende!

    Gefällt 2 Personen

    1. Random Randomsen sagt:

      Vielen Dank für deine aufmerksame Resonanz. 🙂
      Was den Humor betrifft – das lasse ich mal schön unwidersprochen. Es dürfte durchaus zutreffen, dass da verschiedene Geschmacksnerven angesprochen werden.
      Mnja. Da ich ja schon so großartig verkündet habe, ein Vorbild zu SEIN, musste ich ja zusehen, wie ich mich da irgendwie an Land rudern kann.
      Die Elfen werde ich wohl bei Gelegenheit in einem Klangbild in Erscheinung treten lassen.
      Und es stimmt schon – es gehört tatsächlich nicht zu meinen häufigsten Tätigkeiten, um eine Antwort verlegen zu sein. 😉
      Auch dir ein wunderschönes Wochenende. 🙂

      Gefällt 2 Personen

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