♫ Hans Rott – Sinfonie E-Dur

Der heutige Beitrag ist in erster (und möglicherweise einziger) Linie etwas für diejenigen, die sinfonische Musik mögen. Somit ist es ein Beitrag für alle. Denn niemand hat sinfonische Musik nicht zu mögen. Basta!
[Ich bin zwar ausgesprochen tolerant – aber Extrawürste und Flausen kommen mir natürlich nicht in die Tüte.]

Aber dieser Beitrag soll nicht zum «Scherzo» ausarten. Das passt nicht wirklich. Und ganz seriös gesprochen möchte ich das hier vorgestellte Werk allen ans Herz legen, die nicht an einer ausgesprochenen Orchestermusikallergie leiden. Es wurde 1880 vollendet  – und 1989 uraufgeführt. Kein Schreibfehler. 1880 vollendet – 1989 uraufgeführt. Dornröschen im sinfonischen Gewand. Inzwischen gibt es mehrere Aufnahmen dieser Sinfonie. Und sie wird auch seit ihrer Ausgrabung regelmäßig aufgeführt. Dennoch. Das Werk ist auch heute noch nicht sehr bekannt. Schade. Aber das lässt sich hier ändern. 🙂

Nach dem Motto «prima la musica e poi le parole» (um eine Anleihe bei Antonio Salieri zu machen) soll nun aber zunächst die Musik erklingen, die man, wie ich finde, zumindest in einem ersten Durchgang möglichst unvoreingenommen genießen sollte.

Hans Rott • Sinfonie in E-Dur

Radio-Symphonieorchester Wien unter der Leitung von Dennis Russell Davies

Eine sehr empfehlenswerte Aufnahme ist unter folgendem Link zu hören:
Hans Rott • Sinfonie Nr. 1 • hr-Sinfonieorchester • Paavo Järvi

 


Wer sich näher mit dem Leben und Werk von Hans Rott befassen möchte, findet Informationen und Links auf der Website der Internationalen Hans Rott Gesellschaft Wien

Folgende Links führen direkt zu einer kurzen Biografie, einer Beschreibung der Sinfonie Nr. 1 bzw. deren Entstehungsgeschichte

Und schließlich noch der Link zu einem lesenswerten CD-Begleitheft.

 

 

21 Gedanken zu “♫ Hans Rott – Sinfonie E-Dur

  1. PPawlo sagt:

    Wieder eine interessante, lustige (leicht tyrannische) Anregung, die ich nur kurz angehört habe, aber sicher werde ich das „Dornröschen im sinfonischen Gewand“ noch länger anhören ! Nach dem Motto «prima la musica e poi le parole» war’s das jetzt auch schon ;)!

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    1. Random Randomsen sagt:

      Ja, das ist eine Gemeinheit mit diesen Nachsitzstunden. Aber ich versuche, mit dem Programm dafür zu sorgen, dass es wenigstens eine nette Gemeinheit ist. 😉
      Es beginnt verheißungsvoll – und der grandiose Beginn verspricht nicht zu viel… 🙂

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  2. PPawlo sagt:

    Da hast du uns wieder eine Kostbarkeit ausgegraben! Hans Rott – das Verbindungsglied zwischen Bruckner und Mahler, jedenfalls empfinde ich es so, nachdem ich diese Symphonie angehört habe!
    Und doch hat er eine ganz eigene Stimme!
    Dass man das so jung so komponieren kann, ist auch wieder ein Phänomen und leider auch, dass er so jung hat sterben müssen! Wenn ich gerade noch einmal reingehört habe, dann gefällt mir das noch besser als gestern!
    Dein Klangbild dazu scheint mir seltsamerweise und eher gefühlsmäßig anzudeuten, dass er ähnlich wie die beiden anderen Komponisten auf zeitlose, taufrische Hochebenen kommt, die zu einer anderen, ewigen Dimension zu gehören scheinen….
    Herzlichen Dank für diese sehr bereichernde Anregung!

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    1. Random Randomsen sagt:

      Herzlichen Dank für diese sehr differenzierte Resonanz. Bruckner klingt noch nach – und Mahler wird bereits angedeutet. Das hat was für sich. Die Sinfonie gewinnt bei mehrmaligem Hören eindeutig. Es ist nichts Triviales, das sich leicht abnutzt. Viel mehr herrscht hier ein Reichtum, der sich erst nach und nach erschließt. Und die eigene Stimme ist unverkennbar – das stimmt. Es mag sein, dass diese Sinfonie nicht in jeder Hinsicht völlig ausgegoren ist. Das ist unter den gegebenen Umständen auch nicht verwunderlich. Aber es ist ein imposantes und sehr schönes Werk – und ein wertvoller Schatz, genau so wie es ist.
      Das Bild soll verschiedene Aspekte ausdrücken. Es sollte irgendwie überirdisch wirken. Und dass es nur einen Ausschnitt der Blüte zeigt, deutet sowohl darauf hin, dass dieser Komponist nie sein ganzes Potenzial entfalten konnte und auch darauf, dass man die Bedeutung dieser Sinfonie nie ganz wird erfassen können. Gleichzeitig soll Reichtum zum Ausdruck kommen, das Befruchtende – und auch eine unergründliche Tiefe.

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      1. PPawlo sagt:

        Ja, das bringst du alles gut in deinem Bild rüber, finde ich! Aber ich weiß jetzt auch, was mich zu meinen Assoziationen geführt hat : dadurch dass du die „Blattebene“ von oben präsentierst und als Detail näher rückst, schau ich darauf herab wie auf eine helle, weiße Ebene, die alles Dunkel, das sich ja auch unten zeigt, weit hinter sich gelassen hat …
        Noch ein Gedanke: Das Erstaunliche an dieser verständlicherweise noch nicht ganz ausgereiften Musik ist, dass das, was an Mahler erinnert, ja nicht von Mahler kommt , sondern dass es vor Mahler Rotts ganz persönlicher Weg und Stil ist, der später zu Mahler führt, was Mahler ja auch zugab. Das habe ich bewusst erst ganz allmählich wahrgenommen. Ich wäre beinahe in die „Picassofalle“ gefallen, d.h. auch wenn Picasso Ideen von anderen Künstlern großzügig übernommen haben soll, konnten diese nur unter Spott behaupten, dass das eigentlich ihre Idee war…
        Beim ersten Hören führte diese Symphonie Hören immer mehr zu Mahler und nicht zu Rott. Ich müsste sie noch einmal anhören um zu sehen, ob er sich nicht im Laufe dieser Symphonie frei geschaufelt und seinen Stil gefunden hat, den Mahler dann weiterführt. Das würde sie noch einmal bedeutender machen…

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        1. Random Randomsen sagt:

          Ganz herzlichen Dank für deine ergänzenden Gedanken. Die Sache mit dem Bild war ein Glücksfall. Dieser spezielle Eindruck hat sich durch die Kameraperspektive ergeben – und dadurch, dass nur ein Bildausschnitt gezeigt wird. [Ich benutze nur eine Pocketkamera und kein Bildbearbeitungsprogramm, sondern nur die Vorschau, mit der ich zuschneiden sowie Helligkeit und Kontrast regulieren kann – also bin ich ergänzend auf Glück angewiesen.]
          Das ist durch die heutige Sichtweise (bzw. Hörweise) halt trügerisch. Mahler kennt man schon länger und Rott ist erst seit kurzer Zeit bekannt. Dadurch erinnert Rott an Mahler, obwohl Mahler was von Rott hat. Damit will ich aber nicht etwa andeuten, dass Mahler geklaut oder geborgt hätte. Aber die Inspiration ist da, und das ist ja auch gut. Etwas von Rott lebt in Mahler weiter. Und der wiederum hat ja auch nicht zu knapp sehr eigene Sachen entwickelt. Später war ja auch Schostakowitsch wiederum von Mahler inspiriert. Insofern hat Hans Rott trotz des nicht sehr umfangreichen Werks absolut seinen festen Platz in der Musikgeschichte. So ganz seinen eigenen Stil hat Hans Rott in dieser Sinfonie wahrscheinlich nicht gefunden. Aber er hat sehr viel Neues gefunden/entwickelt – und Mahler hat einige Fäden aufgenommen und auf seine Art weitergesponnen.

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      1. finbarsgift sagt:

        De nada 🙂

        Die hochromantische Musik führte letzten Endes zum Tod der sogenannten klassischen Musik.

        Was Bruckner, Rott, Wagner und vor allem auch Mahler den Leuten da zumuteten, ging über deren Hutschnur,
        kein Wunder dass diese völlig überdrehte Musik zur unemotionalen Zwölftonmusik führte
        und aus ihrer Asche sich dann Blues, Jazz, Pop, Rock, Metall usw. entwickelten…

        Die sogenannte musikalische Avantgarde hört sich verständlicherweise fast niemand an, l’Art pour l’Art von Musikprofs für wenige Intellektuelle,

        im Prinzip ist die klassische Musik schon längst tot.

        Hab einen schönen Tag!

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        1. Random Randomsen sagt:

          Jedenfalls hat es einen – wie ich finde heilsamen – Schock gegeben. Irgendwann war einfach Schluss damit, immer noch einen draufzusetzen. Insbesondere nach Mahler konnte es realistisch gesehen nur noch einen Ausweg geben: Etwas völlig Anderes machen. Dass dies auch sehr befruchtend sein konnte, zeigt Dmitri Schostakowitsch. Der hat ja von Bach bis Mahler inspiratorischen Blütenstaub gesammelt und dabei eine ganz eigene Tonsprache gefunden.
          Die so genannte Avantgarde ist ein Fall für sich. Ich habe wirklich versucht, die zu mögen. Unter anderem, weil ich beispielsweise Pierre Boulez als Dirigent sehr geschätzt habe. Aber bei seinen Kompositionen musste ich passen.
          Ich wünsche dir eine verklärte Nacht. 😉

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          1. finbarsgift sagt:

            Sehr passend und vollkommen richtig, was du schreibst, ich sehe das auch so…

            Auch ich lieh der Avantgarde lange Zeit meinen Ohren, indem ich über viele Jahre hinweg nach Donaueschingen pilgerte,

            nur seeeehr wenig Avantgarde-Musik tat nicht weh und war interessant!

            Irgendwann machte ich es so wie viele dort, fand den Jazz viel besser und kreativer!

            Schostakowitsch ist eine Klasse für sich, schon seine erste Sinfonie ist ja ein Werk der Superklasse, absolut genial, von einem Neunzehnjährigen!

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            1. Random Randomsen sagt:

              Mit der Avantgarde habe ich mich in einer gewissen Phase vor allem theoretisch beschäftigt. Und da war vieles durchaus interessant. Nur das Hörvergnügen wollte sich nicht einstellen. Manchmal muss man sich an eine unbekannte Tonsprache einfach gewöhnen. Aber es gibt Grenzen – die sind nicht bloß hörbar, sondern, wie ich meine, körperlich fühlbar.
              Schostakowitsch ist ein Phänomen. Was der alles an Musik in eine Werksgattung (etwa die Streichquartette oder die Sinfonien) gepackt hat. Wobei er bei den Sinfonien ja auch noch ein Klangzauberer erster Güte ist. Besonders bewegend finde ich das Finale der 15. Sinfonie – mit welchen Klängen er sein titanisches sinfonisches Schaffen abschließt… Magie.

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            2. finbarsgift sagt:

              Mir ging es mit der Avantgarde somit ähnlich wie dir. Theoretisch seeeehr interessant, aber für Ohren und Gemüt nicht soooooo toll geeignet,

              wenn ich auch manches von Xenakis, Stockhausen und Penderecki cool fand, wobei letzterer ja inzwischen ein breit akzeptierter Klassiker der Moderne längst ist…

              So wie natürlich die drei großen Russen des zwanzigsten Jahrhunderts auch: Strawinsky, Schostakowitsch und Prokofiew!

              Kennst du von ihm das hier schon? Eines meiner Lieblingsstücke:

              https://finbarsgift.wordpress.com/2012/09/13/precipitato-prokofiev/

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            3. Random Randomsen sagt:

              Mit der Zeit habe ich mich den Neutönern über Interpreten meines Vertrauens genähert. Beispielsweise Stockhausen über Gidon Kremer. Das hier finde ich heute noch unglaublich schön und spannend: https://youtu.be/we5MeBwB4kU
              Bei Prokofiev finde ich vor allem die Klavierwerke sehr gelungen (nicht nur die Sonaten). Spannende Musik mit viel Schönheit und Humor. Meine erste Begegnung mit Prokofiev – daran erinnere ich mich genau – fand über die Klavierkonzerte (mit Vladimir Ashkenazy) statt. Der gute Grigory Sokolov wirkt in dieser Aufnahme wie eine Naturgewalt. Ich glaube, nicht einmal ein Feuer im Konzertsaal hätte den in diesem Moment stoppen können. 😉
              Aktuell meine Lieblingsaufnahme der 7. Sonate ist diejenige mit Yulianna Avdeeva (sehr beherrscht, mit feinen Nuancen, ohne dass das Martialische unterschlagen wird): https://youtu.be/NBb5jQT-OI4

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            4. finbarsgift sagt:

              DAS ist ja mal witzig! Bei mir auch über die Ashkenazy-Scheiben und durch eine faszinierende Aufführung des Romeo und Julia Balletts hier in der Kesselstadt, da passte alles, vor allem eben die geistreiche Musik von Prokofiew!

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            5. Random Randomsen sagt:

              Die Ballettmusiken von Prokofiev mag ich überhaupt sehr. Da kann er, wie ich finde, einige seiner Stärken ausspielen. Nicht zuletzt passt auch sein manchmal etwas plakativer Orchesterklang gut zum Tanztheater.
              Vladimir Ashkenazy war für mich ohnehin so etwas wie ein Young Person’s Guide zu vielen Klavierwerken. Seine klangschönen und letztlich immer überzeugenden Interpretationen fand ich zum Kennenlernen vieler Werke ideal. Es gibt natürlich von vielen Werken originellere und mitreißender Interpretationen. Aber wenn ich einfach nur gute Musik hören will, ist Ashkenazy für mich heute noch ein sicherer Wert.

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