S kummt wia’s kummt

So eine einfache Frage, die uns das Schweinderl gestern gestellt hat. Und doch. Irgendwie habe ich keine passende Antwort gefunden. Nur weitere Fragen. Oder Antworten, die am Ende doch in Fragen ausarten.

Saublöd!

Kleines Beispiel (Oper zum Minutenwalzer verdichtet):

Haben oder Sein?
Haben?
Schwein haben?

Da wird man in einem wohlständigen Land geboren.
Schwein gehabt.

Man kann Schulen besuchen (die man zwar nicht so gut findet – die aber letztlich doch nicht so schlecht sind).
Schwein gehabt.

Man schafft sogar irgendwann irgendeinen Abschluss (Wie und warum? Werwilldennsowaswissen?).
Schwein gehabt.

Einen Beruf auszuüben wäre nicht schlecht (die Berufung überlassen wir wohlweislich idealisierenden Phantasten). Aber wiewowas? Ganz so einfach ist das nicht.
Saublöd.
Gut. Dann halt einen Job.
Aber ganz so einfach ist auch das nicht.
Saubl… Ha! Doch noch geklappt.
Schwein gehabt.

Und dann vielleicht noch was Beziehungsmäßiges (das unvergleichliche Talent des Menschen, sich das Leben unnötig unnötig schwer zu machen, schlägt gnadenlos durch).
Sehr unnötig.
Sehr schwer.
Sausaublöd!
Aber halt. Irgendwo gibt’s immer einen Hund oder eine Katze die ein Zuhause suchen.
Oder ein Mehrschweinderl.
Schwein gehabt!

So hat man immer wieder Schwein im Leben. Nicht immer. Vielleicht nicht einmal oft. Aber doch immer wieder. ‚Schwein gehabt‘, sagt man. Und meint Glück. Und je öfter man Schwein hat, desto grösser wird das Glück.
Oder?
Schwein gehabt.
! (?)
? (?)

Und doch.
Irgendwann steht man mitten im Leben und denkt: ‚In was für einem Saustall bin ich da eigentlich gelandet?‘
Tja. Schwein gehabt. Immer wieder.
Und doch so selten glücklich gewesen.
Unglück im Glück.
Saublöd!

Anderseits. Spielt die Geschichte mit dem Haben oder Sein überhaupt eine Rolle?

 S kummt eh wia’s kummt. Oda?


Haben oder Sein?
Schweinsein als Alternative?
Tut man das?
Diplomatisch gesagt:
 Dös is wia ins Wossa einebiesln. Ma mochd’s, oba ma redt net drüba.


Das Klangbild passt auch heute. Immer noch. Oder schon wieder. 

Georg Danzer • Jeder wü doch nur er söwa sei

18 Gedanken zu “S kummt wia’s kummt

  1. Zeilenende sagt:

    Nach John Stuart Mill ist es ja besser, ein unzufriedener Sokrates zu sein als ein glückliches Schwein. Und solange das Schwein von mir Gefahr läuft gegessen zu werden, stimme ich dem auch zu. Darüber hinaus bin ich mir … nach meinen eigenen wie deinen Gedanken da nicht restlos sicher.

    Gefällt 1 Person

    1. Random Randomsen sagt:

      Hm. Wenn das glückliche Schwein Schwein hat und nicht gegessen wird. Vielleicht wäre das eine Möglichkeit: Das Universalschwein – Schwein haben und sein in einem. Ein Habenseinschwein. 🙂
      Aber vielleicht finden sich ja noch andere Optionen?

      Gefällt mir

  2. PPawlo sagt:

    Wie wichtig ist doch die richtige Fragestellung!:
    Schwein haben oder Schwein sein? Diese Frage führt auf Abwege und ich habe den Verdacht, du willst deine Leser noch etwas zappeln lassen?;)
    Haben oder sein? Das ist dagegen eine wichtige Frage. Und die wird meiner Meinung nach im Lied auch gestellt.„denn jeder will doch nur er selber sein…“
    Du kennst vielleicht das Buch von Erich Fromm „Haben oder Sein“, das in den 70ern Furore machte?
    Das gibt ausführlich Antwort darauf. Es ist sicher immer noch lesens-und lebenswert!!!!
    Es geht da um Leben und Aktivität aus eigenen Quellen und eigenem Wesen und um ein anderes Gesellschaftsmodell, was ja auch dein Lied andeutet.
    Solch ein Leben bleibt spannend, auch im Zusammenspiel und der Reibung mit Gesellschaft und Mitmenschen.
    Ich habe mir das genannte Buch wieder herausgeholt, bin glücklich, dass ich’s gefunden habe
    (heute schon der 2. wichtige Fund nur durch Blogs!!:)) und werde jetzt darin rumschmökern!
    Danke!

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    1. Random Randomsen sagt:

      Herzlichen Dank für deine ausführliche und vielschichtige Resonanz. 🙂
      Ja, die Thematik hat viele Facetten. Und es stimmt – ich möchte nicht alle Karten sofort aufdecken. Aber wenn beispielsweise jemand Schwein hat und in einem wohlständigen Land geboren wird, basiert dieser Wohlstand teilweise darauf, dass Menschen in anderen Regionen der Welt ausgebeutet werden. Schwein haben und sein geht plötzlich Hand in Hand (aber eben – ma redt net drüba). Und die anderen sind und bleiben arme Schweine (aber mit einem Zorn, der nie verraucht).
      Ebenfalls angedeutet ist die Frage: Ist Schwein haben genug? Kommt’s wie’s kommt. Oder stellt sich die eher die Frage, wohin man kommt, wenn man geht. Darauf weist das Titelbild hin. Denn am Ort der Aufnahme gibt’s zwar Kaffee und Waffeln. Nicht zu verachten. Aber es ist keine Option, dort darauf zu warten, dass es kommt wie’s kommt. Man muss schon selber aufbrechen – zu einem nahen oder fernen Ziel. [‚Was kann man denn schon tun?‘ ist eine Ausrede. Aber ist es eine Aus-Rede – man redet so, weil man weiß, dass eigentlich alles aus ist. Oder ist es doch eher eine AusFlucht?]

      Das Buch von Erich Fromm habe ich tatsächlich gelesen. Zwar erst in den 80ern – aber immerhin. Müsste ich allerdings aus dem Gedächtnis den Inhalt kurz zusammenfassen, hätte ich… äh… Probleme mit einigen Details. 😉

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  3. chris sagt:

    Mir tun nur die armen Schweine leid – so intelligente Tiere, uns physiologisch ja sehr ähnlich, aber sie müssen immer wieder für allerlei „Schmäh“ herhalten… 😉 oder sollten wir lieber sagen, Du bist zu des „Pudels Kern“ vorgedrungen in deinem letzten Antwort-Posting – haben wir es hier zudem wirklich mit einem Alpen-Anrainer zu tun, oder wird nur mit dem Dialekt gespielt? 😀

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    1. Random Randomsen sagt:

      Danke für die schönen Stichworte.

      Eigentlich ist es eine Sauerei, was wir mit den armen Schweinen sprachlich anstellen. Anderseits haben sich diese ganzen Ausdrücke so weit verselbständigt, dass sich die Schweine nicht betroffen fühlen müssen. Das ist ja oft so, dass der ursprüngliche Hintergrund eines Ausdrucks nach und nach verblasst. Nehmen wir die Ausdrücke ‚Jessas!‘ (passend zum Klangbild) und ‚Jøss!‘ (passend zum Titelbild). Obwohl diese (in der Anwendung nicht ganz deckungsgleichen) Interjektionen auf den Namen ‚Jesus‘ zurückgehen, ist dieser Ursprung in der praktischen Anwendung kaum relevant.

      Alpen-Anrainer stimmt schon. Die Frage nach dem Dialekt ist vertrackter. In gewissem Sinn habe ich keinen ‚eigenen‘ Dialekt. Zwei recht unterschiedliche Dialekte daheim. Ein dritter (und später noch ein vierter) vor der Haustür. Im weiteren LebensLauf noch andere Sprachen/Dialekte. Und das ist jetzt einfach alles ‚meins‘. Meine Sprache lässt sich also nicht so einfach lokalisieren. Und sogar die Grenze zwischen Spiel und Spaß verläuft meist fließend. 😉 Treffend wäre vielleicht eine Aussage wie: Mein Dialekt heißt RedeFluss.

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    1. Random Randomsen sagt:

      Na, Servus! Noch mehr Fragen? Oder stecken da vielleicht jede Menge Antworten drin? Eindeutig anregend, auf jeden Fall. Danke dafür. 🙂
      In die Rolle des armen Schweins schlüpfen, weil einen die anderen sonst zur Sau machen?
      Zwang. Folgen wir einem inneren Zwang? Oder haben wir einen äußeren Zwang verinnerlicht?
      Sich im Saustall des Lebens bequem einrichten. We are not dead, we only smell funny (um eine Anleihe bei Frank Zappa zu machen).

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  4. PPawlo sagt:

    Na, in deiner Sternstunde mit Ane Brun lichtest du ja in den 2 ersten Liedern (wohlgemerkt mit Text) selbst die Schleier …
    Sich selbst fühlen, sich auf den Weg machen, sich einsetzen für eine bessere Welt …
    Auf geht’s! 🙂

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    1. Random Randomsen sagt:

      Der bisherige Lebenslauf von Ane Brun war ja nicht unbedingt ein Spaziergang von Kindergeburtstag zu Kindergeburtstag. Besonders bei ihrem neuesten Album (von dem die beiden ersten Titel stammen) wird dies sehr deutlich spürbar. Sie hat hier eine bestimmte Art von Autorität, die man nicht als Rolle spielen kann, sondern er-leben muss.

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