Lisslprinsn

»Wånn ana a Bleamle måg, wås lei a anzigs Mål gibb af de Müllionan und Åbamüllionan Steandlan, dånn brauch a lei de Steandlan ånschaugn, und ea is glicklich. Ea sågg za si sölba: Irgndwo då draußn is mei Bleamle. Åba wånn so a Schåf es sege Bleamle zsåmmhabat, is as fia eahm, wia wånn ålle Steandlan valeschn tatnt. Und dås sollt nit wichtig sein?«

prins

Die erste Publikation in meiner Sternstunden-Rubrik endete mit den Worten: 

Dieser erste Beitrag zeigt, worum es in der Rubrik Sternstunden geht:
Ein Text, der durch seine Schönheit und vom Inhalt her besticht. Ein ebenso ansprechender musikalischer Rahmen und eine gekonnte Interpretation.
(Und Random Randomsen hält mal ausnahmsweise schön die Klappe)

Hahaha. Der Witz mit dem Klappe halten ist ja richtig gut. Das hat in den nachfolgenden Sternstunde-Beiträgen schon mal gar nicht geklappt. Und für jemanden, der mich schon so lange kennt wie ich, wäre das absolut vorhersehbar gewesen. Aber mir geht es eigentlich eher um die Sternstunden-Definition, die für den heutigen Beitrag auch ganz wunderbar passt.

Hauptperson der heutigen Sternstunde ist nämlich der Kleine Prinz von Antoine de Saint-Exupéry. Dass der erste Teil der Definition hier passt, ist leicht zu erkennen: Ein Text, der durch seine Schönheit und vom Inhalt her besticht. Das ist der Kleine Prinz – wie er im Buche steht. Die Sache mit dem ansprechenden musikalischen Rahmen wird schon schwieriger. Denn Antoine de Saint-Exupéry hat seinen Prinzen ja nicht als musikalisches Werk konzipiert. Da kommt uns aber der dritte Teil der Definition zu Hilfe. Die gekonnte Interpretation. Wenn dieser Text nämlich gekonnt vorgelesen wird, ist da durchaus Musik drin.

Zunächst aber zum Titel und zur Einleitung, die ich ja irgendwie nicht ganz zufällig ausgewählt habe. Beide stammen jeweils aus einem Land mit einer Einwohnerzahl im oberen einstelligen Millionenbereich. Im einen Fall handelt es sich um einen Dialekt und im anderen Fall im Prinzip um eine eigenständige Sprache. Das eine wird von mehreren hunderttausend Menschen gesprochen – das andere von rund dreitausend. Mit dieser Auswahl wollte ich ein Beispiel für die Bandbreite an Übersetzungen des Kleinen Prinzen geben. Eine beeindruckende Sammlung Kleiner Prinzen mit Abbildungen der Buchumschläge, Textproben und vielen weiteren Informationen und weiterführenden Links findet sich übrigens auf folgender Website: www.petit-prince.at

Der Beitragstitel ist Älvdalisch (oder övdalską – bzw. älvdalska oder umgangssprachlich gerne schlicht dalska genannt). Älvdalisch wird von etwa dreitausend Menschen in einer Ecke der schwedischen Provinz Dalarna gesprochen. Dalska wird auch von Jugendlichen gern gesprochen – und es gibt aktuell eine sehr lebendige ‚Szene‘ im Zusammenhang mit dieser Sprache. Zwar hat es (noch) keinen offiziellen Status als eigenständige Sprache. Aber unter Linguisten herrscht weitgehende Auffassungsgleichheit darüber, dass Älvdalisch nicht ’nur‘ als Dialekt zu betrachten sei.

Die Einleitung ist Karntnarisch. Es handelt sich also gleichsam um die ‚Landessprache‘ von Koroška (manche benutzen auch den seltsamen Ausdruck Kärnten) in Österreich. Wobei ‚Sprache‘ hier – linguistisch gesehen – nicht ganz korrekt ist. Eher wäre die Bezeichnung Dialekt angebracht. Wobei auch das wieder nicht ganz stimmt. Denn eigentlich handelt es sich dabei um mehrere Dialekte. Oder eventuell auch Mundarten. Und vielleicht sagt man möglicherweise auch Karntnerisch. Schwierig.

Dem Kleinen Prinzen allerdings ist das egal. Er bleibt sich selber treu – ob in Dalska, Karntnarisch oder gar einer so ausgefallenen Sprache wie Französisch…


Und damit wird es allerhöchste Zeit für unser erstes Musikstück. Eine Trouvaille. Ein Bijou. Le Petit Prince in der Muttersprache seines ‚Vaters‘. So lebendig und mit einer so großzügigen Dosis französischem Charme erzählt, dass es eine Herzensfreude ist. Es gibt zwar auch mehrere Profi-Aufnahmen. Aber die Vorleserin mit dem schönen Namen Momo liest so herzerfrischend. Für mich eindeutig die erste Wahl. Merci, Momo! Bisou. 🙂

play-prince-momo

Das Folgende ist eine schon etwas ältere deutschsprachige Tonaufnahme des Kleinen Prinzen. Genau diese Version war mein erster Hörbuchprinz. ♥ Deshalb ist mir diese Aufnahme besonders ans Herz gewachsen. Mein Urteil ist folglich sehr subjektiv gefärbt: So und nicht anders muss der Kleine Prinz vorgelesen werden. Aber ich glaube (und hoffe), dass diese von mir so geliebte Version auch minder voreingenommene Hörerinnen und Hörer zu verzaubern vermag.

play-prinz-quadflieg


Wer an einem sehr exklusiven Klangerlebnis interessiert ist, darf sich nach einem Doppelklick auf den unten abgebildeten Buchdeckel die ersten beiden Kapitel des Kleinen Prinzen auf Älvdalisch zu Gemüte führen. Das ist ja auch ganz bestimmt eine Elfensprache und passt deshalb stilistisch hervorragend zum Kleinen Prinzen. ‚Les grandes personnes‘ behaupten zwar rotzfrech, dass der Name Älvdalen auf Älv (Fluss) zurückgehe. Jaja. Typisch. Einen unverdünnten Blödsinn daherreden und dann erwarten, dass man sie ernst nehme. Les grandes personnes eben…
Aber hört doch einfach dem Vorleser zu und urteilt selber. 🙂

lisslprinsn

Und wer zufällig (oder meinetwegen auch unzufällig) Schwedisch spricht, sollte sich die nachfolgend verlinkte Website nicht entgehen lassen. Ein Älvdalisch-Schwedisches Wörterbuch (funktioniert natürlich auch in umgekehrte Richtung).

Älvdalen


Als Zugabe folgen die Links zum Kleinen Prinzen in Dänisch, Finnisch, Spanisch, Türkisch und Ungarisch. Ich muss zugeben, dass ich nur zwei davon verstehe. Aber die anderen finde ich eben rein von der Sprache her auch sehr schön… Ganz und gar musikalisch.
Leider verfüge ich über keine anderen Informationen als die bei den jeweiligen Videos gemachten Angaben. Folglich kann ich Vorleser und Übersetzer nicht gebührend kreditieren. 

DK

FI

ES

TR

HU

 


Titelbild und Illustration • Le petit prince • © Antoine de Saint-Exupéry

Einleitungstext:
Originaltext © Antoine de Saint-Exupéry
Übersetzung ins Karntnarische © Alexander Krischnig

 

 

8 Gedanken zu “Lisslprinsn

  1. Erika sagt:

    Den Kärtner Dialekt oder eben Nicht-Dialekt höre ich sehr gerne. Dialekte lesen ist sowieso furchtbar schwer. Der kleine Prinz verliert niemals an Schönheit, wie auch immer er in die Welt getragen wird. Danke dir für deinen schönen, informativen Beitrag. Lieber Gruss Erika

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    1. Random Randomsen sagt:

      Herzlichen Dank für deine sympathische Resonanz. Dialekte sind ja lebende und sehr lebendige Wesen, die sich eh ungern etikettieren und in genormte Schubladen stecken lassen. Zur Mund-Art gehört ja auch, dass die verschiedenen Schnäbel eben unterschiedlich gewachsen sind. Dass sich (eben auch beispielsweise im Kärntnerischen) nicht immer alles säuberlich abgrenzen lässt und teilweise auch die Nachbarn ihre Spuren hinterlassen finde ich eigentlich bereichernd.
      Übersetzungen können ja manchmal sehr problematisch sein. Aber dem Kleinen Prinzen scheinen sie auf wundersam-wunderbare Weise immer wieder eine Möglichkeit zu bieten, seinen Charme in neuen Facetten zu entfalten. 🙂

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  2. stern21 sagt:

    So viele Klangeindrücke… ich bin ganz überwältigt. Der kleine Prinz auf Welttournee, das ist natürlich für einen solch erfahrenen Raumfahrer ein Klacks. 😉 Seine universelle Botschaft kommt überall an, egal in welcher Sprache.
    Mir ist dazu spontan das Lied `Hey kleiner Fratz auf dem Kinderrad` von Hermann van Veen eingefallen, vielleicht wegen der schlingernden Leichtigkeit?

    Gefällt 2 Personen

    1. Random Randomsen sagt:

      Vielen Dank für diese schöne Resonanz zu den Klangeindrücken. 🙂 Das charmante Lied von Hermann van Veen passt da ganz ausgezeichnet. [YouTube wollte zwar zunächst bocken – aber letztlich hat’s doch geklappt]. Der Text scheint wirklich den Kleinen Prinzen zu beschreiben, der bei den manchmal stolpersteinigen Übersetzungen in andere Sprachen und Dialekte gekonnt die Balance hält und – man hört es bei den Aufnahmen in verschiedenen Sprachen ganz deutlich – auch absolut in der Tour d’Elégance führt. 🙂

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  3. ninahagn sagt:

    Der kleine Prinz auf Kärtnerisch ^^ herrlich, aber irgendwie fast so liebevoll klingend wie das Original, interessant 🙂
    Dank auch für die links, speziell die französische Originalfassung kann ich gut gebrauchen, so neben dem Lesen der Originalfassung, so als mediale Unterstützung 🙂
    Schöner Beitrag und ganz nebenbei möcht ich erwähnen, dass ich es immer wieder toll finde in wie viele Sprachen gerade dieses (wichtige) Buch übersetzt wurde 🙂
    http://ninahagn.deviantart.com/art/Le-Minimaliste-538155463

    Gefällt 3 Personen

    1. Random Randomsen sagt:

      Dieser kurze Ausschnitt aus dem kärntnerischen Kleinen Prinzen ist für mich ein Wunderding der besonderen Art. Erstens, weil ja Übersetzungen eine heikle Angelegenheit sind. Und zweitens, weil Dialekte in Schriftform eine heikle Angelegenheit sind. Und doch – dieser Kleine Prinz wirkt so, als möchte er sagen: Ich bin Kärntner von Beruf. 🙂 Die Grundschönheit des Kleinen Prinzen leuchtet hier in einem neuen Farbton. Genial.
      Der Kleine Prinz liegt mir schon seit eh und je am Herzen. Und hier ergibt sich ein schöner Kontrapunkt zu den im Beitrag ‚Übersetzen‘ angesprochenen Problemen.

      Danke für den Link. Ich habe zwar schon in deinem DeviantArt gestöbert. Aber dieses schöne Bild ist mir noch nicht untergekommen. Hast du diese elegante Schrift selber designt?

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  4. kinder unlimited sagt:

    Deine Zusammenstellung ist faszinierend, mich verwundert aber, dass englisch nicht dabei ist! Hat das einen bestimmten Grund?Die französische Fassung gefällt mir übrigens bei weitem am besten.

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    1. Random Randomsen sagt:

      Herzlichen Dank. Dass eine englische Fassung nicht dabei ist, hat eineinhalb Gründe. Im Prinzip standen von Anfang an die deutsche und die französische Fassung im Mittelpunkt. Die eine, weil sie mir aus persönlich-historischen Gründen ans Herz gewachsen ist und die andere, weil ich diese zauberhafte Version (noch dazu in der Originalsprache) unmittelbar ins Herz geschlossen habe. Die anderen Versionen waren als Zugabe gedacht. Ich bin davon ausgegangen, dass kaum jemand alle diese fünf Sprachen versteht und somit so gut wie alle eine Chance haben, einfach mal auf die Sprachmelodie zu hören. Als zusätzlicher halber Grund kam hinzu, dass ich keine netzverfügbare englische Fassung gefunden habe, die ich wirklich überzeugend fand.

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