Los!

Der Imperativ im Titel ist zugleich der Name einer neuen Kategorie. Das bedeutet aber nicht, dass es sich hierbei um einen kategorischen Imperativ handeln würde. Es ist eher eine Einladung zu einer experimentellen Expedition. Der Titel hat dabei zwei Bedeutungen Dazu muss ich sagen, dass ich generell an mehrdeutigen Ausdrücken einen mordsmäßig großen Narren gefreßen habe. Hier kommt noch hinzu, dass die eine Bedeutung von Los! im gesamten deutschen Sprachraum geläufig ist, während die andere ’nur‘ regional gebräuchlich ist. Regional bedeutet in diesem Fall immerhin: der Ausdruck kommt in (mindestens) fünf Ländern vor. Aber hübsch der Reihe nach. Zunächst zu den zwei Bedeutungen. Und danach zur neuen Kategorie.

Die geläufigere Bedeutung von Los! ist diejenige im Sinne von: Auf geht’s! Vorwärts! Pokmaz! (Letzteres ist möglicherweise in der Schreibweise pack’mer’s verständlicher.) Also generell eine Art verbaler Startschuss. Möglicherweise dem Kommando ‚Leinen Los!‘ beim Auslaufen von Schiffen nachempfunden. Genau diese letzte Bedeutung jedenfalls passt hier für meinen Zweck ganz ausgezeichnet.
Etwas weniger geläufig ist Los! im Sinne von: Hör zu! Als Imperativ des Verbs losen / losn / lose (hören). Die Verbreitung ist – gemessen am gesamten deutschsprachigen Raum – nicht riesengroß. Aber immerhin kommt das Wort (wenn auch teilweise nur lokal) in folgenden Ländern vor (in alphabetischer Reihenfolge): Deutschland, Italien, Liechtenstein, Österreich, Schweiz. Das Verb losen (in den Formen losēn und hlosēn) gab es bereits im Althochdeutschen. Und damit nicht genug. Es ist auch verwandt mit dem schwedischen lyssna oder dem englischen listen (von altenglisch hlysnan). Und das wiederum passt hier für meinen Zweck auch ganz ausgezeichnet.

Meine neue Kategorie Los! soll nämlich, in aller Bescheidenheit, eine musikalische Weltreise werden. Und zwar soll jeder Beitrag einer bestimmten geografischen Region gewidmet sein. Dabei können diese Regionen länderübergreifend sein – oder sie können auf der anderen Seite nur eine bestimmte ‚Ecke‘ eines einzigen Landes umfassen. Und zu diesem Zweck möchte ich meine Seite für Gastbeiträge öffnen. Ich lade alle Leserinnen und Leser ein, mir ihre Vorschläge zu unterbreiten. Dabei möchte ich möglichst wenige Regeln aufstellen – ich habe mir nämlich, in etwas mehr als einem halben Lebensjahrhundert, immer noch ein gewisses Restvertrauen in den gesunden Menschenverstand bewahrt. Jaja, Naivität hat auch ihre positiven Seiten… 😉

(hier folgt ein wenig Raum für andächtiges Staunen)

 

 

 

 

Wer also eine frei gewählte Region musikalisch präsentieren möchte, möge bitte an meine Mailadresse randomsen@eclipso.at folgende Daten/Informationen übermitteln:
– Hyperlinks zu den ausgewählten Musikdateien

– Angabe, welche Region vorgestellt werden soll
– Autorenname, unter welchem der Beitrag erscheinen soll
Der im Beitrag erscheinende Name ist frei wählbar. Es kann der bürgerliche Name sein (ev. auch nur Vorname) – muss aber nicht. Auf Wunsch verlinke ich den Namen im Beitrag mit einer Website.

Die oben aufgeführten Angaben sind sozusagen die Muss-Felder. Ohne dieses Minimum geht’s nicht. Aber natürlich wären einige zusätzliche Informationen nicht zu verachten. Dies ist aber ganz und gar fakultativ. Einige Anregungen für mögliche Zugaben:
– Persönlicher Bezug zur vorgestellten Region (z.B. eine Reise nach Korsika, eine ungarische Großmutter, Schüleraustauschjahr in Kanada…)
– Angaben zur Region
– Informationen zur Musik dieser Region bzw. zu gewählten Musikstücken
– Gegebenenfalls Liedtexte, gerne auch mit Übersetzung (und bitte mit Quellenangabe)
– Angaben zu verwendeten Instrumenten
– Informationen zu den Musikern (manchmal sind bei Youtube-Videos nicht einmal alle Musizierenden namentlich erwähnt)

Es sind durchaus mehrere Beiträge pro Person möglich. Wer schon hat, darf ruhig noch ein zweites und drittes Mal. Es dürfen auch mehrere Beiträge pro Region sein. Wenn es beispielsweise bereits einen Karelien-Beitrag gegeben hat, heißt das überhaupt nicht, dass diese Region bereits ‚verbraten‘ ist. Und nicht zu vergessen: Hier gilt die volle Personenfreizügigkeit. Ihr könnt also durchaus auch Freunde, Bekannte oder (soweit die persönlichen Verhältnisse dies zulassen) Verwandte zum Mitmachen einladen. Falls es noch Fragen gibt: Die Kommentarsektion und meine Mailadresse stehen zur Verfügung.

Also dann: Pokmaz!


Klangbild: Hicaz mandıra

Sultan Abdülaziz • Komposition
Christina Pluhar • Arrangement

Aytaç Doğan • Qanun
Nikolaos Mermigkas • Lavta
David Mayoral • Perkussion

Boris Schmidt • Kontrabass
Doron David Sherwin • Zink
Sokratis Sinopoulos • Lyra

İsmail Tunçbilek • Saz
Francesco Turrisi • Cembalo, Perkussion
Margit Übellacker • Psalterium

play-hicaz

Dieses Klangbild ist – als Einzelstück – natürlich noch nicht als Los! Beitrag zu verstehen. Aber es schlägt eine elegante Brücke zwischen den Beiträgen Spielfreude I & II, die ja auf den ersten Blick nicht so furchtbar viel gemeinsam zu haben scheinen. 


Meine eigenen Beitragsbilder habe ich üblicherweise nicht kommentiert. Aber hier mache ich eine Ausnahme. Das Bild zeigt eine Segelschule auf Übungsfahrt. Vielleicht wird hier die Grundlage gelegt zu einer späteren Weltumsegelung. Es passt also zur geplanten Weltreise und deckt andeutungsweise auch den maritimen Ausdruck ‚Leinen los!‘ ab. Und um die Ecke gedacht ist auch die zweite Bedeutung von Los! mit einbezogen. Schließlich gibt es ja den Ausdruck Segelohren… 😉

 

8 Gedanken zu “Los!

    1. Random Randomsen sagt:

      Da bin ich schon mal gespannt. Die Idee ist mir eigentlich gekommen, weil Multikulti oft in schimpfwortähnlichem Stil verwendet wird. In der Musik (bei Musikern aus jeder erdenklichen Stilrichtung) habe ich dieses kulturübergreifende Element immer als sehr bereichernd erlebt. Und es hat auch eine Jahrhunderte alte Tradition.

      Gefällt 2 Personen

      1. ninahagn sagt:

        Ich finde persönlich die Verwendung von „multikulti“ im negativen Sinn als Verunglimpfung des Wortes Kultur… und ja, ich empfinde Vermischung von Kulturen grad auch im musikalischen Sinn als Bereicherung. Allein, wenn man mal bedenkt wie reichhaltig die orientalischen Einflüsse bei der Musik im Mittelalter waren, darauf baut vieles heute auf. Es ist vielleicht kitschig, Musik als universelle Sprache zu bezeichnen, aber über Musik geht schon vieles im Bereich der Völkerverständigung. Und rein technisch gesehen ist mittlerweile sowieso alles vermischt ^^ (musikalisch wie Herkunftsmäßig).

        Um gleich vorzuwarnen, so richtig „traditionell“ wird das nicht, was ich dir schicke, aber schon typisch ^^.

        Gefällt 1 Person

        1. Random Randomsen sagt:

          Wenn man sich mit Musik und anderen Sprachen intensiver befasst, wird man multikulti fast automatisch mit Normalzustand gleichsetzen (vor allem, wenn man den Bogen über mehrere hundert Jahre spannt). Austausch gehört zum Leben. Alles andere wäre fast schon, als würde man erwarten, dass der Metzger nur Fleisch und der Bäcker nur Brot (fr)isst. Die Sichtweise der Musik als universelle Sprache kann eine kitschige Komponente enthalten. Muss aber nicht. Man sollte dieses Universelle vielleicht nicht romantisierend idealisieren – aber auch auf keinen Fall unterschätzen. 🙂

          Also das Los!-Projekt muss auch überhaupt nicht traditionell sein. Der Bezug zur gewählten Region kann quasi beliebig definiert werden.

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