Trennungsschmerz I

Marcia funebre – grave

Textverarbeitungsprogramme sind eine gnadenlos nützliche Sache. Keine Frage. Wer allerdings zur Sprache ein eher herzliches Verhältnis pflegt, sollte mit automatischen Hilfen äußerst vorsichtig umgehen. Ein Knaller ist die Autokorrektur. Die nimmt dir gleichsam das Wort aus der Tastatur und dreht und wendest es, bis du deinen eigenen Text nicht wiedererkennst.

Aber auch bei einer scheinbar harmlosen Funktion wie der Silbentrennung ist Vorsicht geboten. Ich nutze diese zwar oft. Aber immer mit der Option manuell. Damit habe ich ein Vetorecht gegenüber den Vorschlägen der Software. Von wegen Software. Das Zeug ist knallhart und schreddert alles, was auch nur versuchsweise (und vielleicht aus reiner Neugier?) in die Nähe eines Zeilenendes kommt. Orthografisch korrekt. Durchaus. Aber für mich stellt sich schon die Frage, ob wirklich alles getrennt werden muss, nur weil man es kann. Lesbarkeit und Ästhetik werden hier einem einzigen Kriterium geopfert: Eine maximale Anzahl Zeichen in jede Zeile zu stopfen.

Ein Trennungsbeispiel, das sozusagen den Vogel abschießt, ist der Helikop-ter. Hier wird ohne Rücksicht auf Verluste der Flügel (pterón) durchtrennt. Und was ist damit gewonnen? Ein Buchstabe mehr auf der oberen Zeile. Grandios! Dafür wird ein wohlklingendes und sinnvolles Wort verstümmelt. Als wäre ein Wort nichts anderes, als ein informationstransportierender Buchstabenhaufen, mit dem man nach Belieben fuhrwerken kann und darf.

Ich bin immer wieder geneigt, aus reinem Protest auf den Hubschrauber auszuweichen. Aber dieses Wort liegt mir nicht. Es fühlt sich im Mund an wie ein Trümmerteil. Und es hört sich nach etwas vom Baumarkt an. Baumarkt aber bedeutet Heimwerker. Und Heimwerker bedeutet Notarzt. Und hier nimmt die Geschichte eine tragische Wendung. Denn der Notarzt kommt nicht. Und warum kommt er nicht? Weil er nicht kann. Und warum kann er nicht? Weil er einen flugtüchtigen Helikopter bräuchte. Der aber fliegt ja nicht mehr, weil irgend ein Dünnbrettbohrer (auch aus dem Baumarkt?) mit der automatischen Silbentrennung den Rotor durchgesägt hat.

Wer jetzt das Gefühl hat, das hier sei doch ein Riesenwirbel um eine Bagatelle, dem kann ich nur sagen: Bitte sehr. Die Gefühle sind frei. Warten wir’s einfach mal ab. Warten wir, bis du selber auf einen Notarzt wartest. Vergeblich. Und dann reden wir wieder…
Oder auch nicht.


Wie die Überschrift andeutet, ist dieser Beitrag sozusagen der Kopfsatz einer etwas längeren Geschichte. Denn das Thema ist mit den hier veröffentlichten Zeilen natürlich noch längst nicht ausdiskutiert. 

Ein Gedanke zu “Trennungsschmerz I

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